Mercedes W 123

Pro & Kontra: Junge Klassiker

— 02.08.2017

Noch Lust auf Youngtimer?

Seit den 90er-Jahren werden Autos so gebaut, dass man sie kaum noch restaurieren kann. Früher oder später könnten fast alle schrottreif sein. Soll man sich so ein Auto antun? Dazu zwei Meinungen!

"Für komplexe Elektronik gibt's Experten!"

Ja, bitte: Margret Meincken fährt Audi V8 (1992) und BMW 728i (1997).

"Der wird keine 15 Jahre alt", warnten Kritiker und meinten den Golf II, der 1983 als erster VW hoch automatisiert von Industrierobotern zusammengebaut wurde. Er fährt heute noch - viele sogar seit Jahren mit H-Kennzeichen. Anfang der 1990er-Jahre hieß es, die "komplexe Elektronik" werde später Probleme machen. Doch sie funktioniert heute noch. Sicher kann der Hobby-Schrauber nicht mehr alles allein machen - aber was spricht gegen einen Experten für Steuergeräte, Kombiinstrumente oder Automatikgetriebe? Schließlich fahren wir auch zum Sattler oder Lackierer. Pfusch gab es doch schon immer, das ist keine Erfindung des neuen Jahrtausends. Ein Youngtimer ist, bei regelmäßiger Wartung, mit guten Sicherheitsstandards, passablem Spritverbrauch und grüner Plakette ein treuer Begleiter. Auch die Hersteller haben den Trend zum Youngtimer erkannt, selbst Ersatzteilmuffel Audi fertigt nach: Seit Kurzem gibt es wieder Kotflügel, Scheinwerfergläser und Armaturenbretter für die jungen Oldtimer.
 In Zeiten, in denen es auf der Bank keine Zinsen mehr gibt und Oldtimer-Preise aberwitzige Blasen gebildet haben, ist der Youngtimer eine großartige und stilvolle Alternative. 
Also keine Angst vor dem 20 Jahre alten Schlitten. Entscheiden Sie sich im Zweifel lieber für ein gepflegtes Kassengestell, bevor Sie sich von der vollen Hütte blenden 
lassen. Und für
 einen Benziner.

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"Der Reiz liegt in der Einfachheit "

Nein, danke: Christian Steiger nervt die Komplexität vieler Neoklassiker.

Ich liebe ihn. Ich hasse ihn. Eigentlich habe ich mir mit meinem Mercedes W 124 Cabriolet einen Traum erfüllt. Als der Benz in den 90ern neu war, konnte ich ihn nicht bezahlen. Jetzt, als Youngtimer, kann ich ihn mir finanziell leisten, aber nicht nervlich. Weil immer wieder die Elektronik
 spinnt. Weil mir
 auch mein Mercedes-Spezialist
 nicht sagen kann, warum er ständig seine Batterie entleert. Dann vergisst er jedes Mal seinen Radiocode, manchmal aber auch seinen stabilen Leerlauf. Von den Kleinteilen, die allmählich rar und teuer werden, wollen wir jetzt mal nicht reden. Aber glauben Sie mir eins: Als Borgward-Enthusiast seit Teenager-Tagen weiß ich genau, was Ersatzteilmangel ist.

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'Noch Lust auf Youngtimer?'

 
Natürlich ist die Liebe stärker als der Hass, deshalb bleibt der Benz bei mir. Ich weiß jetzt aber auch, dass ich in meinem Streichelzoo kein noch jüngeres Auto brauche. Das Cabrio hat mir meine persönliche Grenze gezeigt, und sie verläuft mitten durch die 90er-Jahre. Bleibt mir weg mit den Hightech-Schlitten der 2000er, ich will keine Displays mit Pixelfehlern, keinen abblätternden Softlack, keine zickenden Datenbus-Systeme und keine Steuergeräte, die ich auf dem Weltmarkt suchen muss, wenn sie mal streiken. Alles kein Thema für Leute, die ältere Oldie-Semester bevorzugen. Diese einfachen, analogen Autos, die selten kaputt gehen und sich notfalls mit linken Händen und ein bisschen Logik unterhalten lassen. Ich liebe sie. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

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