Mercedes W 123

Pro & Kontra: Politik für Oldtimerbesitzer

— 15.09.2017

Brauchen Oldtimerfahrer eigene Politik?

Vor Bundestagswahlen wollen Politiker möglichst allen Interessengruppen gerecht werden. Soll das auch für Oldie-Fahrern gelten? Zwei Meinungen!

"Ich wähle niemanden, der Oldi-Fahrer für Poser hält"

Ja, bitte: Christian Steiger fordert Respekt für das Kulturgut Auto.

Natürlich gibt es wichtigeres als unsere alten Kisten. Schön, dass das gleich so groß und fett und am Anfang steht. Ich will nämlich keine Autofahrer-Partei wählen, wie es sie in den Achtzigern tatsächlich mal kurz gab. Aber ich will auch keine Politik, der es egal ist, dass aus dem
 Hobbyreiniger, Nostalgiker und Alternativzausel 
eine florierende
 Branche geworden 
ist, die Tausende von
 Experten ernährt und viele Millionen an Steuern bezahlt. Ich erwarte keine Privilegien, obwohl das selbstredend jeder tut,
 der nur deshalb ein Baudenkmal restauriert, weil
er sich über Sonderabschreibungen freut. Aber 
ich fordere staatlichen Respekt vor der Ernsthaftigkeit, mit der viele Oldtimer-Fans ein Stück Geschichte erhalten.

Umfrage

'Brauchen Oldtimerfahrer eine eigene Politik?'

Dazu gehört, dass ich mein altes Auto auch dann noch fahren darf, wenn der Rest der Welt die Hände vom Lenkrad nimmt und sich von autonomen Verkehrskapseln in den Schlaf schaukeln lässt. Und mir schwillt der Kamm, wenn Ministeriumsmenschen bezweifeln, dass auch ein wolkengrauer VW Polo Fox von 1989 sammelnswert sein kann. Ich will einfach niemanden wählen, der glaubt, Denkmalschutz sei nur die Pflege des Edlen, alle Oldtimer-Fahrer seien reiche Poser und das Liegerad die Rettung des Abendlandes. Weil er womöglich auch dann so naiv daherplappert, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht - die Zukunft unserer Kinder etwa. Oder der Alten. Und damit meine ich
 ausnahmsweise keine Autos.

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"Oldtimer sind ein Hobby"

Nein, danke: Hennig Hinze fordert einen Interessenausgleich.

Wahlen sind Richtungsentscheidungen. Wenn das Land alle vier Jahre eine neue Regierung bestimmt, dann hat das Folgen für die großen Themen: Sozialstaat und Umwelt, Haushalt, Militär, Verkehr, Migration zwischen Land und Stadt und Ausland. Politiker übersetzen diese großen Themen im Wahlkampf ins
 Kleine, und das 
ist gut so. Manchmal verlieren sie aber
 im Kleinklein den Blick fürs Wesentliche. Dann verwenden sie plötzlich viel Energie und Geld für die Schaffung eines Umsatzsteuerprivilegs für Hoteliers (FDP), die Wiedereinführung alter Ortskürzel auf Kfz-Kennzeichen (CSU) oder eine Autobahnvignette ohne Netto-Einnahmen mit dem Daseinszweck "Belästigung ausländischer Touristen" (CSU). Das ist dann schlecht. Symbol- und Klientelpolitik lenken von den großen Fragen ab und führen zu Politik für eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit. Das kann niemand wollen, auch wir Klassiker-Fans nicht. Oldtimer sind ein Hobby. So wie Ölmalerei. Oder Fitnesstraining. Auch Gemälde bereichern unseren Alltag, und eine gesunde Bevölkerung nutzt sowieso allen. Trotzdem gibt es keine "Fitness-Politik" und keine "Ölfarben-Politik". 
Auf eines müssen wir Oldtimer-Fans aber schon bestehen: Dass unsere Argumente bei den bevorstehenden Debatten von Schadstoffausstoß bis autonomem Fahren gehört und mit gewogen werden. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

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