Mercedes W 123

Pro&Kontra: Targa oder Roadster?

Sind Targas die besseren Cabrios?

Oben offen, aber mit einem großen Bügel und (meist) fester Heckscheibe: Das ist sicher und solide, aber ob es genug Reiz hat, ist umstritten. Dazu zwei Meinungen!

"Erst ein Targa macht Reisen zum Genuss"

Ja, bitte: Thomas Wirth hat den Targa lieben gelernt.

Klar, ich kenne die die Sprüche: Wer Targa fährt, geht auch mit einem Neoprenanzug in den Baggersee. Weicheier eben. Es gibt halt diese gusseisernen Roadsterfahrer. Und wie recht haben sie erst mal mit ihrem Plädoyer für ungefilterten Genuss! Am Offenfahren geht, finde ich, tatsächlich nichts vorbei. Das ist mein Traum vom Autofahren, und das wird er immer bleiben, allen Verlockungen schöner Coupés zum Trotz, die ja ästhetisch oft weit vorne liegen. Beim Argument, der Targa sei ein Kompromiss, muss ich dann aber widersprechen. Ich höre das oft und meist von jenen, die nie einen fuhren. Mein Erweckungserlebnis kam mit einem 911 Targa, den ich vor Urzeiten kaufte, weil ich mir das Cabrio nicht leisten konnte - und weil ich eine Schwäche für skurrile Ideen habe. Als solche sah ich das Targadach an.

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Sind Targas die besseren Cabrios?

Klassik-Umfrage: Targa
Sehr deutsch: ein Sicherheitskabriolett, das Offenfahren ebenso möglich macht wie einen (relativ) gefahrlosen Purzelbaum mit dem Wagen. Widersprüche dieser Tragweite muss man erst einmal unter einen konstruktiven Hut bekommen. Was mich dann völlig überzeugt hat, war das schnelle, offene Reisen. Ich fuhr in die Toskana, auf den Darß, im Frühling an die Côte d’Azur. Fast alles ohne Dach, kreuz und quer, über Pässe - und gerne schnell. Zugfrei, ganz ohne Windschott­-Behelf. Da kann kein Roadster mithalten. Die können anderes. Doch beim Reisen ist ein Targa für mich der Gipfel. 

"Nur ein Roadster ist ein richtiges Cabrio"

Nein, danke: Jochen Wieloch pfeift auf den Targa-Bügel.

Das Leben ist voller Kompromisse. Aber bitte nicht beim Cabrio. Meine Idealvorstellung vom offenen Sportler: ein Roadster. Der bietet luftigen Fahrspaß in seiner maximalen Form und freie Rundumsicht in alle Richtungen. Umständliches Hantieren mit Dachelementen im Kofferraum? Wenn ich darauf Lust habe, spiele ich Tetris. Ich will fahren, nicht basteln. In der Zeit, in der ich "Targa" ausspreche, habe ich meinen Mazda MX-­5 in eine hundertprozentige Freilichtbühne verwandelt: Zwei Bügel umlegen, das war’s! Schon klappt das Verdeck nach hinten. Das funktioniert nicht nur in der Garage - sondern auch an der roten Ampel oder bei Schrittgeschwindigkeit. Mein Beileid für den Targa-­Piloten, der erst rechts ranfahren muss, wenn er im Frühjahr den Flieder riechen will. Das würde mir stinken. Ich will im offenen Wagen das komplette Rendezvous mit der Natur: blauer Himmel, Wolken, Wind und Sonne satt, wohin ich schaue. Dazu möglichst viel frische Luft und bloß kein Windschott! Erst recht kein Platz ist für einen Targa-­Bügel, egal ob auf der Landstraße oder auf dem Weg zum Bäcker. Kann sein, dass Targas gute Reiseautos sind - aber das sind Kombis auch. Die Formel 1 führt ab dieser Saison einen Titan­-Bügel über dem Cockpit ein. Die Fahrer finden ihn furchtbar, weil die automobile Freiheit verloren geht. Unter jedem Dach ein Ach? In meinem MX­-5 garantiert nicht. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

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Sind Targas die besseren Cabrios?

Klassik-Umfrage: Targa

Autoren: Thomas Wirth, Jochen Wieloch

Stichworte:

Oldtimer Youngtimer

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