Mercedes W 123

Pro & Kontra: Wankelmotor

— 07.07.2017

Will ich mir einen Wankel antun?

Ein Oldie mit Rotationskolbenmotor ist interessant und komfortabel, aber er säuft und lässt sich nur schwer reparieren. Soll man sich so ein Auto antun? Dazu zwei Meinungen!

"Autos mit seltener Technik müssen fahren!"

Ja, bitte: Frank B. Meyer will Wissen weitergeben.

Her mit den Wankelautos! Allein die Andersartigkeit dieses Motors finde ich schon sympathisch – der Rotationskolbenmotor, entwickelt von Freigeistern, ist ein metallener Beweis, dass nicht jedes Schaf demselben Leithammel hinterherlaufen muss. Und dann die Eleganz seines Laufs! Ausgefuchst, kein Stampfen, kein Schütteln. Hohe Drehzahlen, viel Leistung aus wenig Brennraum und mithilfe weniger Teile. Nachteile hat er auch, klar. Die vielen Motorschäden damals - heute egal, Dichtleisten aus modernen Materialien machen ihn zuverlässig. Er verbrennt Benzin (und Öl) nicht sehr effizient, deshalb der hohe Verbrauch - andererseits fährt der durchschnittliche Oldie keine 3000 Kilometer im Jahr, und es gibt nur wenige Wankelautos. Also tut der Verbrauch weder dem Besitzer noch der Umwelt richtig weh. Bevor ich vergesse, meine Kulturgut-­Keule rauszuholen: Der Wankelmotor ist historisch wichtig. Deshalb steht er im Museum. Aber das reicht nicht. Autos mit seltener Technik müssen fahren, wir müssen sie Kindern und Jugendlichen erklären und sie mitnehmen, damit sie die Technik erleben. Sonst geraten die Höchstleistungen von besonderen Motorentwicklern wie Felix Wankel, Dankwart Eiermann, Hanns­-Dieter Paschke oder ihren japanischen Kollegen in Vergessenheit.
 Höre ich noch jemanden nölen: "Der klingt wie ein Staubsauger"? Dann aber her mit sol­chen Staubsaugern!

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"Wer bis 8000 drehen will, soll Honda S600 fahren"

Nein, danke: Martin Puthz findet Wankelmotoren blutleer.

Gegen gute Argumente ist kein Kraut gewachsen: Ja, der Wankelmotor ist historisch von Bedeutung und verdient das Prädikat Kulturgut. Ja, seine prinzipbedingten Nachteile fallen im Klassikerbetrieb nicht ins Gewicht. Trotzdem sage ich: Nimmt man den Ro 80 einmal aus, wäre die Welt ohne den Kreiskolbenmotor nicht ärmer. Mir persönlich würde jedenfalls nichts fehlen. Nähmaschinenartige Laufruhe gibt es, geeignete Zylinderzahl und ­-anordnung vorausgesetzt, auch bei Hubkolbentriebwerken. Und wer unbedingt bis jenseits von 8000/min drehen will, soll Honda S600 fahren - oder gleich Motorrad. Für arrogante Sprüche à la "Schüttelhuber", wie sie der eitle Felix Wankel gern im Munde führte, besteht nicht der geringste Anlass.

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'Will ich mir 'nen Wankel antun?'

Mazdas Nibelungentreue zum Rotarier finde ich zwar rührend. Aber was hat sie denn hervorgebracht? Neben ein paar skurrilen Oldtimern doch wohl auch nur die Erkenntnis, dass der Wankelmotor ein technischer Irrweg war. Wer sich für RX-7 und Co begeistert, die Autos restauriert und fährt, hat meinen Respekt. Jeder mag nach seiner Fasson selig werden. Mich selbst lassen die Japaner kalt - vor allem, weil unter ihrer rassigen Hülle diese Luftpumpe von Motor steckt. Ich gebe zwar zu: Das Wochenende mit einem RX-­8 vor ein paar Jahren war nicht unvergnüglich. Aber die Begeisterung verflog schnell wieder. Sie blieb ein Strohfeuer, so wie der Wankelmotor selbst. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

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