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Pro & Kontra: Zustandsnoten

— 04.05.2017

Brauchen wir andere Zustandsnoten?

Das Schulnotenschema ist sehr simpel. Aber genau das kann ein Problem sein. Zwei Redakteure diskutieren über das Für und Wider von Zustandsnoten.

Umfrage

'Klassiker: Halten Sie Zustandsnoten für sinnvoll?'

Schon in der Schule waren Noten ungerecht. Komplexe Sachverhalte brachen sie auf eine simple, schnell zu erfassende Minimalform herunter. Noten lassen sich plakativ kommunizieren, man kann mit ihnen rechnen, doch nicht auf den Charakter schließen. Das gilt auch im Oldtimer-Kosmos: Je mehr authentische Zustände, Herkunft, Renngeschichte oder minimale Laufleistungen zu erheblichen (Auf-)Preisen führen, desto weniger lassen sich all diese Eigenschaften auf eine Ziffer reduzieren. Seit Langem gibt es von verschiedenen Seiten ambitionierte Ansätze, das System durch erweiternde Elemente wie Buchstaben oder Ziffern näher an die Realität zu bringen. Ob es dafür Zeit ist, diskutieren zwei Redakteure.

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"Was die Noten bedeuten, legt jeder anders aus."

Ja, bitte: Frederik E. Scherer will ein verbindliches System.

Eine Reform der Zustandsnoten ist überfällig. Schließlich nutzt sie jeder, wie es ihm gefällt: Es gibt Gutachter, die eine bestimmte Note vergeben, um einen bestimmten Wert in Kurzgutachten eintragen zu können. Und es gibt Verkäufer, die Fahrzeuge in ihren Beschreibungen besser benoten, als sie tatsächlich sind. Verbindlichkeit? Einheitlichkeit? Von wegen! Was Zustand 1, 2, 3, 4, oder 5 bedeutet, legt jeder anders aus. Zustände müssen aber in einer Form analysiert und beschrieben werden, die für alle verbindlich ist. Doch es ist illusorisch, auf einen differenzierteren Umgang mit den Noten zu hoffen. Selbst Profis ist oft ja schon nicht beizubringen, dass "Restaurierung" der korrekte Fachbegriff ist, und nicht "Restauration". Genauso wird sich in den Köpfen der Leute das Geflecht aus Note und Marktwert kaum entwirren lassen. Die vielen Einzelfälle, auf die es heute ankommt, kann das System nicht abbilden. Wenn alle dasselbe sagen, aber jeder etwas anderes meint, scheitert es an sich selbst. Vielleicht hilft da auch keine Reform mehr, sondern nur noch ein radikaler Neuanfang.

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"Ein neues System macht alles noch komplizierter"

Nein, danke: Thomas Wirth pocht auf richtige Anwendung.

Die Zustandsnoten müssen bleiben. Zum einen ist das System bestechend einfach. Zum anderen hat es sich im Laufe von drei Jahrzehnten fest in der Szene etabliert - zumindest in Deutschland. Hinzu kommt, dass neue Lösungen für die Bewertung von Oldtimern zwangsläufig deutlich komplizierter ausfallen würden - allein schon deshalb, weil künftig jede Interessenten- oder Lobbygruppe versuchen würde, ihr eigenes Süppchen zu kochen. An ein gemeinsames System, das alle verstehen, ist dann nicht mehr zu denken. Die Zustandsnoten funktionieren durchaus - jedenfalls, wenn man sie wörtlich nimmt und ausschließlich auf den Zustand bezieht. Dieses Wort erfasst nur die Qualität der Oberflächen und Materialien, nicht Herkunft oder Geschichte des Fahrzeugs. Spielen diese weiteren Punkte bei einem Auto eine Rolle, sollten sie detailliert (und nicht nur mit einem kryptischen Kürzel) in einem Gutachten beschrieben werden - schließlich beeinflussen sie den Wert. Am Zustand selbst ändert sich deswegen aber nichts. Und damit auch nicht an der Note. Soweit die Meinung der beiden Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

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