Produkttest Spritspar-Öl

Produkttest Spritspar-Öl Produkttest Spritspar-Öl

Produkttest Spritspar-Öl

— 19.03.2002

Es gibt keine Wunder

Sprit sparen, Leistung steigern, Abgase verbessern - all das verspricht Moly-Premium. Wir haben es getestet.

Im Test: ein Wunderöl, raumfahrterprobt

Es gibt Menschen, die sind wie Kaugummi: Sie schmecken anfangs - doch wenn man sie aus dem Gesichtskreis entfernen will, dann bleiben sie kleben. Eduard H. ist so einer. Irgendwann im letzten Jahr rief er vertreterfreundlich an und offerierte sein PTFE-Wunderöl (eine Art Teflon aus der Raumfahrt): "Das beschichtet den Motor von innen, er läuft dann leiser, spart Treibstoff, wird sauberer und schneller." Oha.

Wir versuchten den Anpreiser auszubremsen: "Ihr Mittel lockt doch keinen Schmiermaxen mehr hinterm Tresen hervor, solche Angebote bekommen wir fast wöchentlich. Ist doch alles Geldschneiderei." Geschmeidig die Antwort: "PTFE-Produkte sind, darin sind wir uns einig, ein alter Hut - und doch unterscheidet sich unser Produkt von denen unserer Mitbewerber." Stimmt genau, die Dose sieht schon anders aus.

H. ließ aber nicht locker. Er schwärmte von Busunternehmen, die sein Moly-Premium nähmen und damit sagenhaft sparten. Er behauptete, die Augsburger TÜV-Ingenieure seien auch von seinem Schmierzusatz überzeugt. Und so weiter. Wie üblich hakten wir nach: Die Spar-Erfolgsprotokolle bewegten sich im Streubereich, die TÜV-Ingenieure wussten absolut nichts von ihrem Glück. H. ließ aber immer noch nicht locker.

Probe aufs Exempel in Dresden

Er klebte so überzeugt an seiner Schmiere, dass wir ihn deshalb fast schon bewunderten. Irgendwann sah er dann ein, dass ein neutraler Test hermuss, um die AUTO BILD-Zweifler zu überzeugen. Er machte auch dies wieder sehr spannend, indem er vielversprechend mitteilte: "Wir stehen in Kontakt mit verschiedenen Autoclubs, die uns testen oder mit dem Test in Kürze beginnen."

Von wegen. Keiner der Clubs hatte die Absicht, einen teuren Test zu fahren, dessen Ergebnis vorher schon feststeht: Letzte Ölung für Zusätze - und ab in die Gruft, wo schon die vielen anderen Spritsparwunder ruhen. In Dresden wurde H. dann bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft fündig. Im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik hatte Professor Dr.-Ing. Norbert Brückner noch Termin und Prüfstand für einen wissenschaftlich fundierten Test frei.

Stolz wie ein Ölprinz teilte Eduard H. das auch gleich dem ADAC mit, dem österreichischen ÖAMTC und dem Schweizer Touringclub TCS. Alle, alle sollten sie kommen. Unzählige Fernsehteams und staunende Journalisten sollten vom Erfolg von Moly-Premium künden. Am Testtag waren wir dann nur zu siebt. Der Professor, sein Assi, Ölprinz Eduard H. mit Gefolge und unser Sachverständiger, Wolf Gudlat.

Das Protokoll der Ölkrise

AUTO BILD-Sacherständiger Wolf Gudlat über seine Erfahrungen mit dem Wunderöl "Als Versuchsobjekt hatte ich einen 1,4-Liter-Golf III, gut 87.000 Kilometer auf der Uhr, für den Prüfstandversuch mitgebracht. Ein Auto, über dessen Spritdurst vom ersten Kilometer an Fahrtenbuchaufzeichnungen existieren. Nach Kontrolle der Motordaten und Einstellwerte nahte auf dem Rollenprüfstand die Stunde der Wahrheit. Verbrauch und Abgaswerte wurden mit neutralem Testbenzin in über 15 festgelegten Fahrzyklen gemessen. Zehn davon dienten dem Vergleich, sie wurden nach dem Zufallsprinzip herausgesucht.

Nun goss H. 100 ml "Moly-Premium" (44 Euro die Dose!) zum Motoröl. Damit begann die so genannte Beschichtungs-Phase. Denn erst nach 1000 Kilometern Einwirkzeit soll Moly-Premium seine Wunder vollbringen. Passte genau für eine Heimfahrt nach Hamburg und zurück. Logisch, dass die Tour von mir selbst gefahren wurde, denn ich wollte den Golf nicht aus den Augen lassen.

Nach den 1000 km zurück auf die Rolle. Wieder Test-Touren. Wieder wurden zehn in die Wertung genommen. Wieder bestätigte sich die Erfahrung mit Spritsparern in fester und flüssiger Form: Außer Spesen nix gewesen.

Okay, Abweichungen in den Messwerten gab es schon. Doch die sind so gering, gehören in die Rubrik Messtoleranzen. Unser Golf ist also immer noch genauso laut, genauso durstig und genauso dreckig wie vor dem Test. Verkäufer Eduard H. behauptet jetzt, die Einwirkzeit von 1000 km sei wohl doch zu kurz gewesen ..."

Noch mehr Spritspar-Schwindler

Eduard H. steht zu seinem Produkt. Nein, er klebt dran. Wie viele andere auch: Kaum drehen die Ölmultis an der Preisschraube, da schießen auch schon die Spritspargeräte-Schwindler wie Pilze aus dem Boden. Ihre Ware trägt im Wechsel der Zeit stets eine neue Verpackung, doch darin befindet sich immer wieder nur fauler Zauber.

Die wohl älteste Mogelpackung steckt im so genannten Zündverstärker. Eine Funkenstrecke sorgt zwar für höhere Zündspannung, dafür magert aber der eigentliche Zündfunken deutlich ab. Und damit wird das Sparwunder gar noch richtig gefährlich, es kann zu einem Kolbenschaden kommen. Die Wunder-Kerze bringt auch keine handfesten Vorteile, stellten DEKRA-Ingenieure fest. Allenfalls Emissionsveränderungen in der zweiten Stelle hinterm Komma.

Was von kieselgefüllten Röhrchen oder gar Sparmagneten zu halten ist, haben wir mehrfach geschrieben: Absolut nichts!

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.