Prozess gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking

Prozess gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking

— 22.10.2015

Neue Anklage gegen Wiedeking

Der Prozess gegen Ex-Porsche-Chef Wiedeking hat am Donnerstag begonnen. Er äußerte sich vor Gericht ausführlich zu den Vorwürfen.

(dpa/reu/jb) Vor dem Landgericht in Stuttgart hat der Strafprozess gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Porsche-Finanzchef Holger Härter begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte  Wiedeking und Härter schon im Sommer 2015 vorgeworfen, mit Falschinformationen im Zuge der 2008 geplanten VW-Übernahme Anleger gezielt in die Irre geführt und den VW-Kurs manipuliert zu haben. Das Landgericht Stuttgart hatte die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgewiesen, woraufhin die Staatsanwaltschaft in Berufung ging, der vor dem Oberlandesgericht Stuttgart stattgegeben wurde. Ursprünglich hätte der Prozess schon am 31. Juli 2015 beginnen sollen. Wiedeking wies die Vorwürfe gegen ihn am Donnerstagmorgen (22.10.2015) erneut zurück. "Ich bin unschuldig", sagte der frühere Porsche-Chef beim Betreten des Gerichtsgebäudes. Bei einer Verurteilung drohen Wiedeking und Härter bis zu fünf Jahre Haft. Dies gilt aber als unwahrscheinlich. Nach Einschätzung von Juristen wäre allenfalls eine Geldstrafe möglich.

Waren sich nicht grün und sollen doch gemeinsame Sache gemacht haben: Ferdinand Piëch und Wiedeking.

Fast eineinhalb Stunden sprach der Porsche-Topmanager außer Diensten zum Prozessauftakt vor dem Stuttgarter Landgericht am über sein Leben, seinen Erfolg, seine weiße Weste. Die Anklage wegen Manipulation des Aktienmarkts in der VW-Übernahmeschlacht 2008 sei haltlos, er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte er in dem Verfahren (Aktenzeichen 13 KLs 155 Js8342) am ersten Tag. Den Vorwurf der frühzeitigen illegalen Mauscheleien mit hochriskanter Zockermentalität weist er von sich: "Wir waren Visionäre, aber keine Spieler." Die Börsenverluste, wegen denen er angeklagt ist, seien nicht seinetwegen entstanden, sondern die Hedgefonds hätten sich verzockt, argumentiert Wiedeking. "Die Hedgefonds sind mit Leerverkäufen hochspekulative Wetten gegen VW eingegangen, welche sie im Herbst 2008 verloren haben", sagt er. Großer Gegenspieler von Wiedeking war damals der VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der zeitweise die Ablösung von Wiedeking betrieb. Aus der Logik der Anklage heraus hätten er und Piëch aber gemeinsame Sache machen müssen bei den angeblichen heimlichen Übernahmeplänen, sagt Wiedeking kopfschüttelnd. Diese Unterstellung sei eine Zumutung. "Die mir unterstellte Nähe zu Piëch schmerzt mich geradezu." Der Prozess ist auf 17 Tage angesetzt und soll im Januar 2016 zum Abschluss kommen. Wiedeking aber will für den Rest des Prozesses schweigen, wie er zum Abschluss seiner Ausführung sagt.

"Vorwürfe konstruiert, sachlich falsch und haltlos"

Die Anwälte von Wiedeking und Härter ließen schon im Juli bei Eingang der Anzeige mitteilen, die Vorwürfe seien "ersichtlich konstruiert, sachlich falsch und haltlos". Sie vermuten Hedgefonds als treibende Kraft hinter der Anklage. Diese streiten bereits in verschiedenen Zivilprozessen mit der Porsche-Holding um Schadenersatz – bisher ohne Erfolg. Deshalb wird dem Prozess in Stuttgart eine Signalwirkung zugerechnet: Die Zivilverfahren, in denen verschiedene Anleger (bisher erfolglos) auf insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro Schadenersatz klagen, laufen schon seit Anfang 2015.

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