"Puffauto"-Urteil: Sexistische Werbung auf dem Auto

"Puffauto"-Urteil: Sexistische Werbung auf dem Auto

— 15.10.2015

"Mit so einem Puffauto fahre ich nicht!"

Weil er die Werbung auf seinem Lieferwagen sexistisch fand, weigerte sich ein Angestellter, damit zu fahren. Die Folge: Kündigung!

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'Ist das "Puffauto" tatsächlich sexistisch? '

(dpa) Fast 20 Jahre hat Robert W. Kaffee ausgeliefert. Immer fürs gleiche Unternehmen, an Kunden in Köln und in Düsseldorf. Dann bekam er einen neuen Lieferwagen und der war anders als die anderen: Ein Werbebild auf der seitlichen Schiebetür suggeriert einen Blick ins Innere – auf die nackten Beine einer anscheinend auf Kaffeebohnen liegenden Frau, die gerade ihre roten Pumps abstreift. Sexistisch, fand der 49-jährige Fahrer, und genau das bekam er offenbar auch gleich beim ersten Einsatz von einer Kundin zu hören. Als das Fahrzeug am Tag danach dann auch noch rote Radkappen bekam, wollte Robert W. nicht mehr mit dem "Puffauto", wie er es nannte, fahren. Wegen seiner Weigerung bekam er die Kündigung. Zu Recht, befand am 14. Oktober 2015 das Arbeitsgericht Mönchengladbach.

Der 49-jährige Robert W. weigerte sich, mit seinem neuen Dienstwagen zu fahren.

Es ist nicht nur das Beine-Pumps-Motiv, das Robert W. sauer aufstieß. Es war auch die Tatsache, dass ausgerechnet er – und nur er – ein Auto mit dieser Werbung fahren sollte. Denn offenbar habe der Fahrer aus seiner Homosexualität im Unternehmen keinen Hehl gemacht, stellte die Richterin fest. Die Kündigung verstoße gegen das Gleichbehandlungsgesetz, argumentiert Robert W. deshalb. Der Chef stritt eine Ungleichbehandlung ab: "Ich habe kein Problem mit seiner Homosexualität." Mit der Werbung habe der Wagen in Köln und Düsseldorf einfach nur auffallen sollen.

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Und auffällig ist das Fahrzeug definitiv. Ist es auch sexistisch? Grundsätzlich haben nackte Frauenbeine rein gar nichts mit Kaffee zu tun – zusammen mit dem Schriftzug "verführerisch lecker" kann man die Werbung deshalb durchaus als sexistisch betrachten. Ein Verfahren oder gar ein Urteil gibt es zu diesem Auto laut Julia Busse, Geschäftsführerin des deutschen Werberats, (noch) nicht: "Aber man kann da schon ein Fragezeichen dahintersetzen."
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Werberat: Rügen wegen sexistischer Motive

Der Werberat hatte im vergangenen Jahr 2014 vier Rügen wegen frauenherabwürdigender Werbung ausgesprochen, beispielsweise gegen die Fahrzeugwerbung des mecklenburgischen Tierhaus-Landhof. Diese zeigte eine Frau in Dessous neben Hund und Katze, dazu der Slogan "Frischfleisch gibt's bei uns ...". Gerügt wurde auch die Autowerbung der Universal Rohrreinigung und Kanalsanierung GmbH (URR GmbH) aus Nürnberg, die mit dem Slogan "Service rund ums Rohr" warb – zusammen mit einem Frauengesäß im String-Tanga. Das sei sexistisch und herabwürdigend, so der Werberat: Das weibliche Körperteil werde ohne jeglichen Bezug zur Dienstleistung als reiner Blickfang missbraucht.

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