Punktehandel im Internet

Punktehandel im Internet

— 16.01.2003

Raser kaufen sich bei eBay frei

Wer zu viele Punkte in Flensburg hat, findet online einen Retter. Der Deal: Fr 150 Euro pro Punkt wird die Schuld bernommen.

Sagen wir einfach mal, der Mann heit Klaus P., ist Handelsvertreter und hat ein Problem. Klaus P. gibt gern Gas und wird regelmig geblitzt. Sein Punktekonto in der Verkehrssnderkartei in Flensburg ist auf dem Weg in den UEFA-Cup. Dann rast Klaus P. mal wieder in eine Radarfalle. Drei weitere Punkte drohen und damit das Fahrverbot. Doch das Beweisfoto ist unscharf, die Hoffnung wchst, ein Retter muss her. Also geht Klaus P. einen ganz neuen Weg: Er geht ins Internet.

Denn unter www.ebay.de bekommt man so ungefhr alles, was man braucht. Sogar den Retter seines Fhrerscheins. Die Lsung des Problems von Klaus P. trgt die Artikelnummer 3107 279 531. "Punkte in Flensburg? Ich bernehme sie!", bietet die Person mit dem Benutzernamen "semiautomatic-de" bei eBay, der grten Online-Handelsgemeinschaft der Welt, an. "Steht Ihr Fhrerschein auf dem Spiel?", fragt er verlockend. Klaus P., auf der Suche nach einer Person, die sich fr ihn als den Raser ausgibt, ist nur noch ein paar Klicks davon entfernt, sich im Internet freizukaufen.

Der Punktehandel im Internet boomt. Zahlungskrftige Verkehrssnder knnen bei eBay unter zahlreichen Offerten whlen. "Preis ist pro Punkt", stammelt da ein Anbieter; und "peter7fuchs" wird sogar konkret: "bernehme fr 150 Euro pro Punkt seris." Das ist natrlich Unfug, denn der Markt fr Strafpunkte ist logisch illegal. Aber das Geschft luft gut. "semiautomatic-de", der nebenbei auf eBay.de auch noch Schnupftabak anbietet, lockt mit der Erkenntnis: "Glauben Sie es mir, es funktioniert! Ich bin Jurastudent!"

Da sind wohl Nachhilfe-Semester fllig. AUTO BILD-Rechtsexperte Rolf-Peter Rocke: "Die Masche selbst ist alt. Neu ist, dass es sie jetzt auch im Internet gibt. Fliegt die Sache auf, riskiert der Schuldige ein Verfahren wegen falscher Verdchtigung. Darauf stehen bis zu fnf Jahre Gefngnis ( 164 StGB.). Die Sache bleibt auch strafbar, wenn die Anschuldigung mit Einwilligung (hier: durch den Anbieter) erfolgt, sagt der BGH (Az. 1 StR 365/53). Der Partner (hier: eBay) muss sich wegen Falschbeurkundung verantworten: Gefngnis (drei Monate bis fnf Jahre) droht ( 271 StGB)."

Einen Volljuristen knnte auch eBay gebrauchen, wenn sie den illegalen Handel zwischen Raser und Retter nicht bald aus ihrem Programm nehmen. Auch, um ihre eigenen Richtlinien zu erfllen. Dort steht: "Artikel, deren Angebot gegen rechtliche Vorschriften oder die guten Sitten verstoen, drfen nicht auf dem eBay-Marktplatz angeboten werden." Regelmige Raser wie Klaus P., die sich mit dem einen Rechtsvergehen von einem anderen freikaufen wollen, werden demnchst also vergeblich im Internet nach einem Retter surfen.

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