Punktereform: Bilanz nach einem Jahr

Punktereform: Bilanz nach einem Jahr

— 30.04.2015

Punkteabbau ist teurer

Vor einem Jahr, am 1. Mai 2014, ist die "Punktereform" in Kraft getreten. Die Bilanz: Nicht alles ist seitdem besser geworden, sagen die Experten.

(dpa) Seit der "Punktereform" vor einem Jahr nutzen deutlich weniger Verkehrssnder die Mglichkeit, Punkte in Flensburg abzubauen. Wer maximal fnf davon auf dem Konto hat, kann einen loswerden, indem er freiwillig an einem Fahreignungsseminar teilnimmt. Zwischen dem Start des neuen Systems am 1. Mai 2014 und Ende Mrz 2015 wurden aber nur 1100 dieser Seminare absolviert. Das geht laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus Zahlen des Bundesverkehrsministeriums hervor. Vor der Reform besuchten laut ADAC jedes Jahr rund 17.500 Verkehrssnder ein Aufbauseminar in der Fahrschule oder eine verkehrspsychologische Beratung.

Aufbauseminare sind deutlich teurer geworden

ADAC-Experte Markus Schpe macht fr den Rckgang die hohen Preise verantwortlich: Die Teilnahme an dem neuen Seminar kostet rund 400 Euro oder mehr. Frher sei es mglich gewesen, mit geringeren Kosten von 250 bis 300 Euro bis zu vier Punkte erlassen zu bekommen, sagte er der dpa. "Die Mglichkeit, Punkte aktiv abzubauen, hat sich massiv verschlechtert." Auch Yasmin Dom, Rechtsanwltin fr Verkehrsrecht beim Autoclub ACE, kritisierte, die Seminare seien "viel zu teuer". Nach dem neuen Konzept, das nach fnf Jahren bewertet und berprft werden soll, arbeiten die Teilnehmer in Kleingruppen beim Fahrlehrer und einzeln beim Psychologen auf, warum sie gegen die Regeln verstoen haben. Der ADAC pldierte angesichts des massiven Rckgangs dafr, "den Anreiz so zu gestalten, dass mglichst viele daran teilnehmen und dadurch einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit leisten". Denkbar seien etwa zwei Punkte Rabatt. Der Verband der TV, der die freiwilligen Fahreignungsseminare in einer Mitteilung als "groen Erfolg" wertete, rumte auf Anfrage ein, dass die Zahlen "noch zu steigern" seien.

Punkte gibt's nur bei Gefhrdung der Verkehrssicherheit

Das neue Punktesystem gilt seit dem 1. Mai 2014. Punkte kassiert seither nur noch, wer die Verkehrssicherheit gefhrdet also zum Beispiel niemand mehr, der ohne Plakette in einer Umweltzone unterwegs ist oder gegen ein Sonntagsfahrverbot verstt. Pro Versto gibt es einen bis drei Punkte, nicht mehr maximal sieben. Auch bei den Verjhrungsfristen gab es nderungen: Wer acht oder mehr Punkte auf dem Konto hat, verliert fr mindestens sechs Monate den Fhrerschein vorher reichte die Skala bis 18 Punkte. Bis Ende Mrz 2015 mussten nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes etwa 3500 Fahrer ihren Fhrerschein abgeben; im Jahr 2013 waren es gut 4000 gewesen. In 142.800 Fllen wurden Ermahnungen und 37.000 Mal Verwarnungen ausgesprochen. Das passiert, wenn jemand vier oder fnf beziehungsweise sechs bis sieben Punkte erreicht hat.

Positiv: Feste Verfallzeiten fr Punkte

Der ACE stellte der Reform unterm Strich ein gutes Zeugnis aus. Positiv sei vor allem, dass Punkte jetzt fest nach zweieinhalb, fnf oder zehn Jahren verfallen. Frher konnten neue Punkte bewirken, dass ein bereits eingetragener lnger gespeichert blieb. "Da musste man immer rumrechnen", kritisierte Dom. Aus Sicht des ADAC-Experten Schpe ist das Punkterecht nicht unbedingt einfacher geworden. "Ob es wirklich gerechter ist, das muss die Zeit noch zeigen", sagte er.

Insgesamt waren im Mrz rund 8,7 Millionen Verkehrssnder in Flensburg erfasst, 6,2 Millionen digital, der Rest noch auf Papier.

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