Qoros Qamfree 3 (2017): Motor ohne Nockenwelle

Qoros Qamfree 3 (2017): Motor ohne Nockenwelle

— 08.12.2016

Mehr Power, weniger Verbrauch

Nockenwelle war gestern! Qoros hat die Qamfree-Technologie in Zusammenarbeit mit Koenigsegg weiterentwickelt. AUTO BILD hat alle Infos!

Acht Journalisten durften bereits auf dem Beifahrersitz eines Qoros 3 mit dem neuen Qamfree-Motor probefahren.

Kein Ärger mehr mit Zahnriemen und Steuerketten: 17 Jahre lang haben Christian von Koenigsegg und die Firma Freevalve an dem nockenwellenfreien Antrieb gearbeitet. Jetzt ist der Motor fertig und die Vorteile sind klar: weniger Verbrauch, mehr Leistung. Im April war die Qamfree-Technologie von Qoros und Koenigsegg-Schwesterfirma Freevalve der Star der Automesse in Peking: Bei dem gemeinsam entwickelten Motor wird der klassische Nockenwellen-Ventiltrieb durch ein hydraulisch-pneumatisches System mit elektronischer Kontrolle ersetzt. Damit werden die Motoren kompakter, leistungsstärker – und viel effizienter. Ein gutes halbes Jahr später, im Umfeld der Automesse in Guangzhou, fahren die ersten Prototypen.
Qoros 3 Hatch: Erster Fahrbericht
Alles auf einen Blick: Der Zahnriemen

Und zwar mit genau den Resultaten, die der Mannschaft um Qoros-Motorenentwickler Klaus Schmidt, ein BMW-Urgestein, und den schwedischen Supercar-Hersteller Christian von Koenigsegg vorschwebten: Drei Motoren haben viele Hundert Stunden auf dem Prüfstand absolviert, zwei Fahrzeuge laufen auf der Straße – ohne jegliche Probleme. Der technische Ansatz ist bestechend: Das System verzichtet auf Nockenwelle, Zahnriemen und Drosselklappe – und es funktioniert perfekt mit einer herkömmlichen Saugrohr-Einspritzung. "Wir vermeiden damit die Nachteile der Direkteinspritzung, vor allem die hohen Kosten und den erhöhten Partikelausstoß", berichtet Schmidt. Das System erlaubt es, bei jeder Drehzahl und zu jedem Lastpunkt die Verbrennung optimal einzustellen. Das Resultat: viel mehr Leistung und deutlich höhere Effizienz.

Qoros 3 Hatch (2016): Fahrbericht

Leichter, kleiner und trotzdem stärker

Mit dem Verzicht auf die Mechanik werden die Motoren deutlich kompakter: Der 1,6-Liter-Qoros-Motor wird um 50 Millimeter flacher und um 70 Millimeter kürzer. Damit können die Designer auf kostspielige aktive Hauben für den Fußgängerschutz verzichten. Oder sie lassen die Motorhaube für einen sportlicheren Look flacher verlaufen. Wegen des Verzichts auf den klassischen Zylinderkopf kann auch die Schmierung reduziert werden, was den Energiebedarf nochmals absenkt. Insgesamt wird der Motor um rund 20 Kilogramm leichter.
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Die unmittelbar spürbaren Verbesserungen lassen sich bereits quantifizieren: Die Leistung des 1,6-Liter-Turbomotors klettert von 156 PS auf 231 PS, das maximale Drehmoment steigt von 210 auf 330 Newtonmeter. Eigentlich wäre noch deutlich mehr möglich, aber mit 330 Nm stößt das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag, das Qoros in dieser Variante verbauen will, an seine Grenzen: "Wir mussten künstlich reduzieren, damit uns das Getriebe nicht um die Ohren fliegt", sagt Qoros-Chefdesigner Gert Hildebrand, der in die technische Definition der Modelle eingebunden ist.

Ratgeber: Zahnriemen-Wechsel

Die Qamfree-Motoren soll besonders geschmeidig laufen

Christian von Koenigsegg baut Supersportwagen – und engagiert sich in Sachen nockenwellenfreier Motor.

In seiner 231-PS-Variante dürfte der Qoros 3 die 100-km/h-Marke in rund sieben Sekunden knacken, die Spitze nähert sich der 250-km/h-Schwelle – und das bei einem um 15 Prozent niedrigeren Verbrauch. Bleibt die Leistung auf dem aktuellen Niveau, kann der Motor mager laufen, der Verbrauch sinkt dann sogar um gut 20 Prozent. Die Qamfree-Motoren laufen wegen der geringeren Zahl an beweglichen Teilen noch geschmeidiger als die Serienmotoren – und sie zeichnen sich durch ein charakteristisches, schlürfendes Ansauggeräusch aus. Im oberen Drehzahlbereich wird das Motorengeräusch heller und aggressiver als beim aktuellen Serienmotor. Das Ansprechverhalten ist so spontan wie bei einem Saugmotor – aufwendige Lösungen wie ein elektrischer Turbolader sind damit überflüssig. Übrigens lässt sich mit relativ geringem Aufwand die Charakteristik eines Rennmotors darstellen. Und wegen des niedrigen Schwerpunkts und des geringeren Gewichts gewinnen die Qoros-Prototypen im Vergleich zum Serienauto nochmals an Agilität.

China als Vorreiter

Mit der Qamfree-Motorsteuerung werden die Chinesen zum echten Technologieführer; man hat sich 2013 mit Koenigsegg zusammengetan, als andere Hersteller das Thema noch als "zu teuer" und "zu komplex" abtaten. Bei der Automesse in Guangzhou konnten Journalisten die Technik übrigens persönlich erleben: Vielleicht ist sie genau das, was Qoros braucht, um dem Markenimage noch einmal einen entscheidenden Schub zu geben. Inzwischen ist die Modellpalette weitgehend komplett - mit Stufen- und Fließheck-Limousine, die es jeweils als Crossover-Derivat gibt, und dem eigenständigen Crossover-SUV Qoros 5. In zwei Jahren könnten die Motoren in Serie gehen.

Qoros Qamfree 3 (2017): Motor ohne Nockenwelle

Autor: Jens Meiners

Stichworte:

Steuerkette

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