R-Klasse gegen XC 90 und T5 Multivan

Mercedes-Benz R 320 CDI – Volvo XC 90 – VW T5 Multivan Mercedes-Benz R 320 CDI – Volvo XC 90 – VW T5 Multivan

R-Klasse gegen XC 90 und T5 Multivan

— 16.03.2006

Ein bißchen Bus oder Super-SUV?

Steht R für Straßenkreuzer, für Kleinbus oder gar Geländewagen? In welcher Marktlücke will die R-Klasse einmal parken. Eine automobile Standortsuche.

Betriebskosten, Garantien und Preise

Die neue Mercedes R-Klasse gab ihre Test-Premiere in der letzten AUTO BILD des vergangenen Jahres. Abschließende R-kenntnis damals: "Insgesamt ein Mischmasch-Auto." Zum Duett mit dem großen Bruder S-Klasse kam es dann später, dabei gefiel uns die teurere S-Klasse rundum besser. Aber sind wir der Mercedes-R-findung damit wirklich gerecht geworden? Eigentlich ist sie doch aufgrund ihrer Form eine Limousine, dank ihrer sechs Einzelsitze aber auch ein Kleinbus, und der permanente Allradantrieb von der ebenfalls in den USA gebauten ML-Klasse vererbt ihr gewisse Geländewagen-Gene. Neudeutsch nennen sich solch klassenübergreifende Autos heute "Crossover".

Gut, kreuzen wir also mit zwei reinrassigen Konkurrenten auf und schauen, wo der angebliche Alleskönner R 320 CDI (224 PS) besser oder schlechter ist als die Konkurrenz. Der VW Bus T5 Multivan, Erfinder und Inbegriff der Kleinbus-Klasse, ist etwas kürzer und schmaler, dafür aber 27 Zentimeter höher und bietet sogar sieben Sitzplätze. Stärkster Diesel ist der 2.5 TDI mit 174 PS. Da der R serienmäßig Vierradantrieb hat, fährt hier natürlich die Volkswagen-Version "4Motion" mit. Was in diesem Vergleich einen kleinen Nachteil hat: Der Hannoveraner ist als einziger nur mit Schaltgetriebe lieferbar.

Die luxuriöse Geländewagen-Fraktion, zu der natürlich auch ein Automatikgetriebe (2000 Euro) gehört, soll der Volvo XC 90 D5 vertreten. Er kann gegen Aufpreis (1400 Euro) auch bis zu sieben Leute unterbringen, beansprucht die geringste Grundfläche im Vergleich und überragt den Mercedes um acht Zentimeter. Sein Fünfzylinder leistet 185 PS und reinigt seine Abgase, wie die beiden anderen auch, zeitgemäß per Dieselpartikelfilter. Doch bevor das Leichtöl hinten gasförmig entweichen kann, muß es vorn in Volvo und VW erst mal Fünfzylinder-Reihenmotoren auf Trab bringen, im Mercedes ist es bereits ein V6.

Technische Daten und Meßwerte

Aufgrund der bauartbedingt besseren Laufruhe und der stattlichen drei Liter Hubraum ist dem R 320 CDI der Spitzenplatz im Motorkapitel sicher. Zumal er nur ganz sensiblen Ohren sein Arbeitsprinzip verrät und dazu das höchste Drehmoment im Vergleich bietet. In Spurt und Spitze hängt R die beiden Konkurrenten also schon mal ganz locker ab. Moderner Crossover somit also klar vor konservativer Klassen-Kultur. Daß Dynamik nicht gleich höheren Durst bedeutet, zeigt die Meßfahrt: R und VW Bus kommen beide im Mittel mit akzeptablen 10,2 Liter Diesel aus. XC 90, das "Leichtgewicht" im Trio, ist 0,9 Liter durstiger. Dafür kann er sich akustisch mit der R-Klasse messen.

Im Innenaum vernimmt man bei beiden nur ein Motoren-Säuseln, der VW hingegen lärmt hörbar. Es war wohl doch ein Fehler, die zu Baubeginn bei den Multivans eingesetzte, aufwendige Motorkapselung einzusparen. Aber lassen wir uns von den dreien lieber einmal fahren. Der Mercedes ist klarer Temperamentsbolzen mit guter Lenkung und dank langem Radstand unerschütterlichem Geradeauslauf. Die Luftfederung an der Hinterachse verwöhnt auch sensible Popometer, das Kurvenverhalten ist aufgrund eines sehr früh eingreifenden ESP ein klein wenig nervös. Verblüffend bei dieser Wagenlänge der erstaunlich stadtfreundliche Wendekreis von weniger als zwölf Metern, nur der Volvo gibt sich deutlich sperriger.

Der VW Bus hat mit drei Meter den längsten Radstand, mag also auch die Gerade. Hektisches Hakenschlagen verkraftet er zwar gut, es paßt aber nicht zu seinem Reisebus-Charakter, schaukelt die Insassen unnötig auf den Stühlen herum. In der ersten Reihe gibt es bei allen dreien den klassenüblichen Komfort. Die Sitze sind in alle Himmelsrichtungen verstellbar, ebenso die Lenkräder. Wobei Mercedes bei einem Anschaffungspreis von 52.200 Euro, das waren mal über 102.000 Mark (!), ruhig eine elektrische Längsverstellung spendieren könnte – ebenso auch eine getrennt regelbare Heizluftzufuhr.

Fazit und Wertung

Doch darben muß in diesen Preisregionen keiner so richtig. Na ja, vielleicht bei VW. Da gibt es den Allradantrieb zwar mit Sechsgang-Getriebe, das aber mit der Hand geschaltet werden muß. Da gibt es keine Fernentriegelung für die Heckklappe, und ein simples Radio muß auch noch extra bezahlt werden. Das Sicherheitskapitel beansprucht traditionell Volvo für sich, nur er bietet Vordersitze mit WHIPS und serienmäßig bereits taghelles Xenonlicht.

Vier Personen haben mit diesem Trio herrliche Reisefreiheit auf bequemen und gut ausgeformten Einzelsitzen. Beim Volvo drängelt sich in der zweiten Reihe noch ein Mittelsitz dazwischen. Die dritte Reihe ist nur bei Volkswagen bequem nutz- und erreichbar, als durchgehende Dreierbank aber nicht sonderlich komfortabel; der Blick in die Aufpreisliste offenbart bessere Konfigurationen. Doch was nutzt ein großzügiges Sitzplatz- und Raumkonzept, wenn es mit der Handhabung hapert? Gelobt sei hier der Volvo. Die Einzelsitze in der dritten Reihe lassen sich genial einfach aufstellen oder wegstecken. Kopfstützen klappen beim Ziehen roter Bänder automatisch weg, ebenso die Plätze in Reihe zwei. Bedienungsanleitung? Kannst du vergessen, kann daheim im Bücherregal bleiben!

Anders Mercedes und VW. Das hübsch gemachte und patent gedachte Mobiliar im Heck des R läßt sich nur widerwilligst variieren; die auf Schienen kinderleicht verschieb- und in der zweiten Reihe drehbaren Sitze im VW Bus sollten, wenn überhaupt, nur von kundigen Möbelpackern ausgebaut werden. Und die Moral von der Geschicht'? Beim Platzangebot ist der R ein Blender, das Kapitel "Karosserie" gewinnt klar der Volvo. Antrieb/Fahrwerk sieht den US-Mercedes vorn, er ist eben der Stärkste und bremst am besten. Bei den Kosten schiebt sich der VW Bus Multivan mit nach vorn. Jeder ist also einmal an der Spitze. Wenn das nicht crossover ist.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz: Als ich den Vergleich anging, sah ich die R-Klasse als Verlierer. So einen Straßenkreuzer kann man den Amis verkaufen, aber doch nicht Max Musterfahrer. Von wegen, je mehr ich mich mit dem Crossover aus den Staaten beschäftige, desto nützlicher scheint er mir. Wem ein Geländewagen zu klobig vorkommt, wer einen Bus zu unhandlich findet, der ist mit dem R gut bedient. Natürlich auch mit einer E- oder S-Klasse. R-mahnung: Die Verarbeitung im Detail muß sichtbar besser werden!

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Mercedes-Benz R 320 CDI, Volvo XC 90 D5 und VW Multivan 2.5 TDI 4Motion. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Diether Rodatz

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