Polizisten mit Radarfalle

60 Jahre Blitzer: So raffiniert blitzt die Polizei

High-Tech-Blitzer tarnt sich als Anhänger High-Tech-Blitzer tarnt sich als Anhänger

Radarfalle bei Köln: Stadt beschließt Rückzahlung

— 15.02.2017

Köln zahlt Geld aus Blitzer-Panne zurück

Auf der A3 bei Köln wurden 285.000 Autofahrer geblitzt – zu Unrecht. Jetzt sollen alle betroffenen Fahrer finanziell entschädigt werden. Doch was passiert mit den Punkten?

(dpa/mas/cj/cr) Die Blitzer-Posse von Köln ist beendet. Die zu Unrecht geblitzten Autofahrer bekommen ihr Geld zurück. Der Kölner Stadtrat hat den Weg für die Rückzahlung durch ein "freiwilliges Ausgleichsprogramm" freigemacht. Um ihr Geld zurückzubekommen, müssen die geblitzten Autofahrer ein Online-Formular ausfüllen, das auf der Homepage der Stadt Köln zur Verfügung steht. Zunächst war von rund 400.000 geblitzten Fahrzeugen an der falschen Beschilderung die Rede gewesen. Nun stellte die Stadt klar, dass man nach weiterer Aufarbeitung jetzt von maximal 285.000 Fällen ausgehe. Die noch 35.000 laufenden Verfahren zu Geschwindigkeitsverstößen am Kreuz Heumar werden von der Stadt eingestellt. Die Punkte-Frage ist aber noch nicht geklärt. Wenn etwa ein Fernfahrer durch die Blitzer-Panne zusätzliche Punkte im Verkehrszentralregister bekam und ihm dadurch nun der Verlust des Führerscheins und des Jobs drohe, könne er bei der Bezirksregierung einen Gnadenantrag stellen, so ein Kölner Behördensprecher.
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Zuhauf rauschten die Autofahrer in die Radarfalle. Ob sie ihr Geld zurückbekommen, ist fraglich.

Die Geschichte begann vor etwa einem Jahr, im Februar 2016: Die Höchstgeschwindigkeit auf der A3 am Kreuz Heumar in Richtung Oberhausen wurde wegen des Baus einer Lärmschutzwand von 80 auf 60 km/h reduziert, ein Blitzer dementsprechend eingestellt. Aber: Es fehlte ein Verkehrsschild, das auf das Tempolimit aufmerksam machen sollte. Das stellte das Amtsgericht Köln nach der Klage eines Autofahrers fest. Autofahrer rasten zuhauf in die stationäre Radarfalle. Aus Sicht von Roman Suthold, Mobilitätsexperte des ADAC Nordrhein, hätte die Stadt das Problem schon viel früher erkennen müssen. "Die Fallzahlen sind an der Stelle extrem hochgegangen", sagte Suthold.
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Gehasste "Wunderwaffe": Der Blitzer wird 60

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'Wurden Sie schon mal geblitzt?'

Sie wurde beschossen, angezündet, abgesägt, mit Farbe besprüht und mit Klebeband umwickelt. Sie erzeugte ohnmächtige Wut, die bis zum Mord führte. Sie produzierte Fotos mit Tauben im Tiefflug, Hubschraubern, Lamas, dem Weihnachtsmann oder einer Oma mit Rollator. Und sie bekämpft nach wie vor die Unfallursache Nummer eins in Deutschland: das schnelle Fahren. Im Januar 2017 feierte die Radarfalle, im Volksmund auch "Blitzer" genannt, ihren 60. Geburtstag.

Reaktion auf 13.000 Verkehrstote pro Jahr

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums, mit dem Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957.

1956 war der Prototyp VRG 1 der Firma Telefunken auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feldversuchen mit dem Gerät 1957 in Düsseldorf, Hamburg und Ulm trat die Radarfalle als Weiterentwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an. Zuvor war die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der noch jungen Bundesrepublik trotz des relativ geringen Verkehrsaufkommens auf erschreckende 13.000 in die Höhe geschnellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 ging die Zahl der Verkehrstoten einer ADAC-Prognose von Ende Dezember zufolge auf rund 3280 zurück. Mit Blitzlicht konnten dank der ersten Radargeräte Temposünder neuerdings sogar in der Nacht erwischt werden – die Zeitungen feierten die neue "Wunderwaffe" der Polizei. Als Stichtag der ersten Radarkontrolle gilt in vielen Publikationen der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf – doch Historiker und Archivare tun sich schwer, dieses Datum auf den Tag genau zu bestätigen.

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Geblitzter Fernfahrer erschießt Polizeibeamten

In der Bevölkerung kam das neue Instrumentarium der Polizei nicht so gut an, wie Fachzeitschriften damals schrieben. Schnell wurden Begriffe wie "Abzocke" und "Wegelagerei" laut. Das hat sich bis heute kaum geändert. Inzwischen sind etwa 1800 Geräte als fest montierte "Starenkästen" über das Land verteilt und versetzen mit ihren Blitzen Autofahrer immer wieder in ohnmächtige Wut. Welchen abgrundtiefen Hass eine Radarkontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren: Als ein Fernfahrer geblitzt wurde und fürchten musste, seinen Führerschein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.

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Blitzen ohne Unterlass - Gegner rüsten auf

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums im westfälischen Salzkotten, sammelte teils haarsträubende Einsprüche gegen die Bußgeldforderungen. So zum Beispiel: "Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass dem Verantwortlichen für das Königsschießen das Bier ausgegangen war." In einigen Fällen konnten Rechtsanwälte den Abbau der Blitzer erzwingen, wo deren Millioneneinnahmen allzu offensichtlich mehr der klammen Staatskasse dienten denn der Verkehrssicherheit. Dennoch blitzt es seither ohne Unterlass, nicht nur beim Blitz-Marathon, – im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen allein durch die Polizei 2,1 Millionen Mal im Jahr 2015. Hinzu kommen die Aufnahmen der kommunalen Radaranlagen. Die Gegner der Radargeräte haben illegal aufgerüstet: Warngeräte für das Auto und reflektierende Folien für das Nummernschild sollen vor Bußgeld, Punkten in Flensburg und Führerscheinentzug schützen.

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Polizei-Neuheit: halbstationäre Radarfalle

Die Polizei kontert seit einigen Jahren mit modernen und kleinen Lasergeräten, die die Radartechnik in Genauigkeit übertrumpfen. Neu ist die halbstationäre Radarfalle. Die Anlagen sind auf Anhängern installiert und können personalsparend jeweils für mehrere Tage an wechselnden Orten aufgestellt werden, ohne von Beamten bewacht werden zu müssen. Derzeit werden sie in Köln getestet: 47.000 Autofahrer haben bereits in den ersten Wochen eine kostspielige Bekanntschaft damit gemacht.

Bußgelder im Ausland

Lkw-Mautstellen ähneln Super-Blitzern

Blaue Blitzer? Nein, solche Kontrollsäulen überprüfen zukünftig die Lkw-Maut auf Bundesstraßen.

Seit Mitte Oktober 2016 stehen bei Hildesheim vier Meter hohe blaue Säulen an den Landstraßen, weitere werden im ganzen Bundesgebiet folgen. Sind das etwa neuartige Super-Blitzer? Keine Sorge, hier gibt es keine teuren Fotos: Es handelt sich um Lkw-Mautstellen, die von der Firma Toll Collect aufgestellt werden. Von 1. Juli 2018 an wird für Lkw auch das Befahren von Bundesstraßen kostenpflichtig. Bis dahin wird nur auf Autobahnen kassiert. Die dort errichteten Mautbrücken wären für die kleineren Bundesstraßen überdimensioniert, schließlich gibt es hier weniger Fahrspuren. Das Bundesverkehrsministerium hat Toll Collect deshalb mit dem Aufstellen der blauer Säulen zum Eintreiben der Maut beauftragt.
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Super-Blitzer: kugelsicher und gut getarnt

Der Super-Blitzer "Enforcement Trailer" ist gut getarnt und unkaputtbar.

Kein Wunder, dass Autofahrer angesichts der Mautsäule misstrauisch werden, denn es gibt ja durchaus sehr raffiniert getarnte Blitzer. Im deutschen Testbetrieb befindet sich 2016 zum Beispiel der "Enforcement Trailer" der Firma Vitronic. Der tarnt sich als Anhänger, hat eine eigene Stromversorgung und eine drahtlose Verbindung zur Polizei, falls jemand versuchen sollte, ihn außer Gefecht zu setzen. Und: Er ist kugelsicher! Andere Radarfallen tarnen sich als Stromkästen, sind in Kofferräumen versteckt oder können gleich mehrere Raser auf einmal schnappen. Einen Überblick über die Blitzgeräte auf deutschen Straßen gibt's in der Bildergalerie!

60 Jahre Blitzer: So raffiniert blitzt die Polizei

High-Tech-Blitzer tarnt sich als Anhänger High-Tech-Blitzer tarnt sich als Anhänger
Fotos: Vitronic

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