Ralf Schumacher im Interview

Ralf Schumacher im Interview

— 11.12.2002

Ziel: "Ein Team wie Michael und Ferrari"

Formel-1-Pilot Ralf Schumacher (27) bekommt immer fter Gegenwind. Von seinem berbruder Michael, seinem Team BMW-Williams und jetzt auch noch von der Polizei. Doch er gibt nicht nach, sondern weiter Kontra.

"Team und Fahrer haben Fehler gemacht"

AUTO BILD motorsport: Herr Schumacher, wir erleben hier in Kitzbhel BMW-Williams' Formel-1-Piloten zum Jahresausklang. Was man vermisst, ist eine klare Ansage, nach dem Motto: "Ich pfeife auf Ferraris berlegenheit, wir knnen trotzdem Weltmeister werden." Ralf Schumacher: Das wre vermessen. Vielleicht gelingt unserem Team ja ein groer Wurf, und wir fahren 2003 vorn mit. Wir wissen doch, wie gerne die Fans sehen wrden, dass Ferrari abgelst wird und wollen selbst nicht so weitermachen.

Haben Sie die Saison 2002 schon aufgearbeitet? Da gab es nicht viel zu tun. Das Team hat Fehler gemacht, die Fahrer haben Fehler gemacht. Und beide mssen sie abstellen.

Welche Fehler meinen Sie? Bei mir waren das ein Fahrfehler in Barcelona und ein weiterer wei gar nicht mehr genau, wo der war.

Und beim Team? Die Entwicklung. Unsere technischen Schritte waren whrend der Saison nicht gro genug.

Wo lagen denn die Zicken des Autos? Nicht in speziellen Bereichen. Wir waren wirklich berall zu langsam. Im Rennen hatten wir zu hohen Reifenverschlei.

Dann reicht es ja, wenn Reifenpartner Michelin das abstellt, denn die Qualifikationsergebnisse reichten fr vordere Platzierungen. So einfach ist das nicht, vom Team muss auch mehr kommen. Denn als wir uns gegen Saisonende technisch mehr auf die Rennen konzentriert haben, kam uns McLaren-Mercedes prompt nher. Deshalb mssen wir an Aerodynamik und Motor ebenso doppelt aufholen, denn Ferrari wird ja auch noch zulegen.

Wir dachten, der Motor sei top? Solange er luft, schon. Aber wir knnen an der Standfestigkeit zulegen. Ich bin den neuen P 83 noch nicht gefahren, hoffe aber, dass uns das gelungen ist.

Schumi II findet das neue Punktesystem gut

Die Stimmung im Team soll, laut Ihrem Manager Willi Weber, nach wie vor gegen Sie sein. Und pro Teamkollege Montoya. Der Zeitpunkt der Aussage ist berraschend. Auch fr mich. Die Stimmung ist nicht pro irgendjemand. Das schwankt immer mit den Leistungen, aber die waren unterm Strich ja ausgeglichen. Juan Pablo ist fahrerisch der beste Teamkollege, den ich bisher hatte.

Er hat gemault, Sie wren gegen ihn besonders hart zu Werke gegangen. Das hat mich berrascht. Ich habe keine Ahnung, wie er darauf kommt.

Ihr Technikchef Patrick Head kritisiert mangelnden Testeinsatz bei Ihnen und Ihrem Teamkollegen ... Ja? Okay, wir haben 2002 wirklich viele Testmeilen abgespult. Da finde ich es menschlich, wenn man nicht bei jedem Test vor Freude berschnappt.

Er kritisierte auch Ihren, O-Ton Head, klinischen Fahrstil. Ich wei nicht, was er meinte. Meinen Renneinsatz aber bestimmt nicht.

Vielleicht bruchten Sie eine Karriereauffrischung, einen Tapetenwechsel nach fnf Jahren Williams? Glaube ich nicht.

Vielleicht meint Head auch nur Ihre Qualifikationsschwche. Sicher ist Montoya die Pole-Positionen herausgefahren, aber unterm Strich waren wir da in etwa gleichwertig.

Sind Sie vorbereitet auf die neue Form des Qualifyings, nur eine Runde und die dann perfekt hinzulegen? Arbeiten Sie daran, mehr Tempo in der Qualifikation zu finden? Ich arbeite immer an meinem Tempo. Und unsere internen Auswertungen haben ergeben, dass ich in der Qualifikation mit weniger Runden auf bessere Zeiten komme als Juan Pablo. Mir ist nicht bange. Auerdem: Juan fuhr sieben Pole-Positionen: Aber was hat er draus gemacht?

Dann begren Sie sicher auch das neue Punktesystem mit acht Punkten fr den Zweitplatzierten statt sechs. Ja, denn dadurch kann Michael nicht so weit vorneweg ziehen, wenn er gewinnt.

Glauben Sie, das macht ihm noch Spa? Oh ja, es luft doch superglatt fr ihn. Er hat berhaupt keinen Druck und kann seine Dominanz umso mehr genieen.

"Bei Michael luft es wie geschmiert"

Vor zwei Jahren sagten Sie, dass Sie an Michael seinen Rennberblick besonders hoch einschtzen. Den haben Sie doch jetzt auch. Wo also liegt noch der Unterschied zwischen Ihnen beiden? Im Auto. Ich habe keinen Ferrari, aber das gilt fr 18 weitere Kollegen ebenso.

Sie sagten unlngst in ungewhnlich harter Art und Weise, im Ferrari htten wohl auch fnf andere Formel-1-Fahrer den Titelgewinn geschafft (er meinte sich selbst und Montoya, Barrichello, Coulthard sowie Rikknen; die Red.). Ja, das glaube ich! Es geht nicht nur ums schnelle Fahren, sondern darum, sich mit seinem Team eine hnliche Basis zu schaffen wie Michael und Ferrari. Ein solch starkes Team aufzubauen bleibt also das Ziel, und ich hoffe, das dauert bei uns nicht mehr allzu lange ...

Das Einzige, was Insider Ihrem Bruder wirklich noch vorwerfen knnen, ist, dass er nie einen Topfahrer neben sich geduldet hat. Wozu sollte er? Es luft bei ihm doch wie geschmiert.

Einfach, um zu beweisen, dass er neben all seinen Titeln auch diese Souvernitt hat und nicht nur leichte Titel einheimst. So leicht hatte er es doch gar nicht. Barrichello hat ihn 2002 ganz schn gergert. Und die ersten drei Ferrari-Jahre waren schwer fr ihn, dann der Vorfall mit Jacques Villeneuve im Finale 1997 (Foul und WM-Disqualifikation; die Red.). Er hat genug durchgemacht, um diese Phase jetzt voll auszukosten. Und ich gnne ihm das von Herzen, auch wenn ich es gerne ndern wrde. Auerdem glaube ich, dass letztlich immer noch Ferrari ber die Besetzung seiner Cockpits entscheidet.

Zum Schluss noch ein Wort dazu, dass Sie als Normalautofahrer wieder mal zu schnell waren. Auf dem Weg hier nach Kitzbhel wurden Sie mit Tempo 130 geblitzt, wo nur 80 erlaubt ist. Das passiert Ihnen ja mindestens einmal pro Jahr. Zuletzt waren Sie Ende November 2001 sogar in ein Stauende gekracht. Etwas wenig vorbildlich, oder? Kein Kommentar!

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