Ken Block

Rallycross: Interview Ken Block

— 07.06.2016

"Der Mustang macht einfach Spaß"

Der Rallyefahrer und Driftkönig Ken Block im großen Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über seine PS-Leidenschaft und sein Leben als Youtube-Star.

Ken, was macht Ihnen eigentlich mehr Spaß: nach Herzenslust zu driften oder auf Zeit zu fahren?

Ken Block (48): Ich mag beides, aber die Rallycross-WM ist Wettbewerb, und im Wettbewerb möchte ich so gut es geht abschneiden. Dafür musst du überall so viel Grip wie möglich haben. Beim Rutschen verlierst du Zeit.

Sie haben sich gegen die Rallye-WM und für die Rallyecross-WM entschieden. Ist das Ihre sportliche Heimat für die nächsten Jahre?

Ja, schon. Ich mag die Rallycross-WM. In der WRC habe ich mich wegen der Aufschriebe schwer getan. Da fehlt mir einfach die Erfahrung der anderen Jungs. Ich kann mit dem Auto an sich ganz gut umgehen, aber wenn du den Aufschrieb nicht vernünftig kannst, hast du ein Problem. Das war meine größte Schwäche in der WRC. Ich würde durchaus gern dorthin zurückkehren, denn die Etappenrallyes sind das, wo ich herkomme, aber jetzt habe ich auch eine Menge Spaß.

Wie sieht Ihr Erfolgsplan im Rallycross aus?

Ich habe einen Werksvertrag mit Ford. Sie haben dabei geholfen, mein Auto zu entwickeln und aufzubauen. Sie helfen uns dabei, ein Testprogramm zu entwickeln, um es weiter zu verbessern. Ich habe mich diesem Programm langfristig verschrieben. Du kannst nicht hierher kommen und erwarten, sofort zu gewinnen. Das dauert Jahre. 2014 habe ich zwei Events bestritten, in denen ich Vierter und Dritter wurde. Ich weiß, dass ich mit dem richtigen Auto konkurrenzfähig sein kann, aber wir haben ein brandneues Auto. Es wird dauern, bis das Auto und auch ich auf jeder Strecke auf einem Niveau sein werden, auf dem wir Rennen und die Weltmeisterschaft gewinnen können.
Neuer Gegner für Ken Block: Sébastien Loeb 2016 in der Rallycross-WM

Was fällt Ihnen schwerer – hier Rennen zu fahren oder Ihre Stunts zu machen?

Die Gymkhana-Videos und die ganzen Demos fallen mir ziemlich leicht. Das macht auch Spaß.

Es sieht aber nicht leicht aus.

Ich muss dabei aber nicht um jede Zehntelsekunde kämpfen.

Youtube-Star Block weiß, wie er sich inszenieren kann

Aber um jeden Zentimeter ...


Aber das geht ein bisschen lockerer. In der WRX fahre ich gegen Sébastien Loeb, Petter Solberg und Mattias Ekström. Das sind mit die besten Fahrer auf dem Planeten. Gymkhana ist auch eine sehr technische Herausforderung, aber da steht der Spaß im Vordergrund und die Atmosphäre ist entspannter. Ich habe an beidem meinen Spaß. Ich mag es, Spaß mit dem Auto zu haben, aber ich mag auch den sportlichen Wettbewerb. Auf jeden Fall bin ich einer der glücklichsten Rallyefahrer der Welt, denn ich darf beides! Davon gibt es nicht viele. Die DTM-Fahrer können ihr Auto zum Beispiel nicht einfach mitnehmen, um damit ein bisschen in Los Angeles durch die Gegend zu driften. Wahrscheinlich bin ich sogar der einzige Fahrer der Welt, der dieses Glück hat.

Gymkhana ist das, wofür Sie Menschen auf der ganzen Welt kennen. Wie hat das angefangen?

Wir haben in den USA keine Asphaltrallyes, auch nicht in unserer nationalen Etappenrallye-Meisterschaft. Ich wollte aber lernen, wie ich mit meinem Allrad-Rallyeauto auf Asphalt driften kann. Als kleiner Junge habe ich viel WRC geguckt, und Colin McRae und Tommi Mäkkinen sind bei der Rallye Monte Carlo auf Asphalt gedriftet. Das wollte ich auch können! Die einzige Möglichkeit, das zu Hause zu tun, war eine Gymkhana-Serie in Südkalifornien. Ich betrachtete das als unkomplizierte und billige Möglichkeit, mir das anzueignen. Zunächst bin ich nur aus Spaß so gefahren, aber irgendwann habe ich ein spezielles Auto aufgebaut. Als dieses Auto fertig war, schmiss der Kerl, der diese Serie organisiert hatte, hin. Ich hatte also dieses tolle Auto, aber ich konnte nicht mehr damit fahren.

Das erste Video heißt 'Gymkhana Test und Training', denn genau das war's: Ich ging zurück zu den Plätzen, wo ich ein Gymkhana-Rennen bestritten hatte, und fuhr verschiedene Streckenabschnitte davon. Wir haben mit einer Crew von nur drei Mann ein Video gemacht, das in zwei Tagen fertig war. Das haben wir ins Internet gestellt – und die Zugriffe haben alle Erwartungen gesprengt! Es hat damit angefangen, dass ich mein Driften verbessern wollte, und heute ist es diese große virale Sensation im Internet.

Wie bereiten Sie sich auf einen Gymkhana-Dreh vor?

Da gibt es ja drei Aspekte: Erstens das Auto, die Reifen, das Technische. Zweitens die mentale Vorbereitung als Fahrer. Und drittens die ganze Regietechnik und Logistik.

Fangen wir mit dem Kreativen an.

Es dauert sechs bis neun Monate von der ersten Idee über das Begutachten von Locations, die wir uns meistens zwei-, dreimal anschauen müssen, bis hin zum Entwickeln des Drehbuchs, was wir mit dem Auto wo anstellen wollen. Die Location-Scouts müssen mit den Städten zusammenarbeiten, um alle Genehmigungen einzuholen. Auch die Zeitpläne oder 60 bis 80 Mitarbeiter von Drehort zu Drehort zu transportieren sind eine Herausforderung. Wir haben den Regisseur, die Kameraleute, das Catering, die Security. Es ist inzwischen eine ziemlich große Mannschaft. Das alles dauert mindestens ein halbes Jahr.

Wenn das Video einmal im Kasten ist – das Filmen ist in vier bis fünf Tagen erledigt –, brauchen wir acht Wochen für die Nachbearbeitung: das Sichten des Materials, das Zusammenschneiden. In diesen acht Wochen arbeite ich eng mit meinem Regisseur Brian Scotto und dem Cutter zusammen, bis das Video fertig ist. Insgesamt sechs bis neun Monate, das kommt schon hin. Das Fahren und das Filmen ist der kleinste Teil davon. Die ganze Vorbereitung ist das, was am meisten Zeit frisst. Zum Beispiel solche Details wie die richtigen Kameraperspektiven zu finden. Es kommt vor, dass ich fahrerisch gleich beim ersten Mal perfekt bin, aber dann merken wir später, dass die Kameraperspektive nicht optimal war.

Für Ford gibt Block in der Rallycross-WM richtig Gas

Welche Tricks nutzen Sie beim Auto?


Die Vorderachse ist weicher eingestellt, damit das Heck lose wird, und das Heck ist ziemlich steif eingestellt, damit ich präzise Übersteuern kann. Wenn wir Rallycross-Autos verwendet haben, tunen wir die sogar runter: kleinerer Turbo, mehr Drehmoment, weniger Leistung. In der Rallycross-WM ist die Spitzenleistung wichtig, und sie muss sich schnell entfalten. Aber bei Gymkhana brauche ich ein breites Drehmomentband, um das Auto mit dem Gaspedal besser kontrollieren zu können. Das alles regeln wir über die Motorsteuerung und die Größe des Turboladers.

Aber grundsätzlich ist es das gleiche Auto wie in der Rallycross-WM?

Ja. Nur mit anderem Setup, was Motor und Motorsteuerung angeht – und wir verwenden ein anderes Radaufhängungs-Setup für das Manövrieren des Autos auf Asphalt. Als ich mit Gymkhana angefangen habe, wollte ich, dass sich das Auto so anfühlt, als würde ich auf Schotter fahren. Da bremst du hart und das Auto neigt sich sehr stark. Der Mustang neigt sich wahrscheinlich am meisten, man sieht das im Video sehr gut, wie er sich nach vorne neigt, wenn ich bremse, und nach hinten kippt, wenn ich wieder Gas gebe. Dadurch verschiebt sich das Gewicht, um das Heck leicht zu machen oder vorne weniger Traktion zu haben. Das ist wie ein Rallyeauto auf Schotter. Das ist genau das Gegenteil davon, wie die meisten Leute ihr Fahrzeug für Asphalt abstimmen, denn normalerweise willst du ja den Grip, du willst ein steifes Fahrwerk haben, damit du Widerstand spürst, wenn die Neigung gegen den Reifen geht. Ich brauche etwas ganz anderes.

Wie bereiten Sie sich fahrerisch auf ein Gymkhana-Video vor?

Gar nicht (lacht; Anm. d. Red.)! Ich trainiere nicht, ehrlich. Wenn ich etwas Ungewöhnliches vorhabe, dann bauen wir das einen Tag vorher auf und ich probiere es ein paar Mal. In Gymkhana 5 driftete ich in Downtown San Francisco rückwärts durch zwei Pylonen. Das hatte ich davor noch nie gemacht, also haben wir es einen Tag früher aufgebaut, damit ich es ein bisschen trainieren konnte. Aber fast alles andere geht spontan.

Wie viele Autos haben Sie für die Videos?

Nur eins pro Video. Gymkhana 9 machen wir mit meinem Rallycross-Ford. Dann habe ich noch einen Mustang, einen Fiesta aus Gymkhana 8. Das war mein Rallycross-Auto in den USA, aber jetzt ist es ein Demo-Auto. Ich habe auch noch einen Escort Mk2 aus dem Jahr 1978.

Und welcher ist Ihnen am liebsten?

Der Mustang. Die Größe, der V8, die 845 PS: Die Dynamik dieses Autos macht einfach Spaß.

Lewis Hamilton wollte Ihnen den mal abkaufen, oder?

Lewis und ich waren mal zusammen in Kanada Snowboarden. Da hat er Interesse gezeigt, denn er hat ein paar Mustangs. Er wollte ihn ausprobieren und kaufen, aber das Auto ist einzigartig und deswegen sehr teuer. Wahrscheinlich zu teuer für ihn! Aber er hat Spaß daran. Wenn er eines Tages mit der Formel 1 fertig ist, lasse ich ihn vielleicht mal probieren.

Bianca Garloff (ABMS) und Christian Nimmervoll (motorsport-total.com) trafen Ken Block

Glauben Sie, dass Formel-1-Fahrer das alles auch so hinbekommen würden wie Sie?


Was ich mache, ist grundsätzlich eine Form des Allrad-Rallyefahrens. Die Grundlagen davon könnte ich jemandem wie Lewis sicher beibringen, auch wenn das Allrad-Rallyefahren sicher etwas anderes ist als das, wie er fährt. Aber das zu lernen, dauert nicht ewig. Es ist halt völlig fremd für die Jungs, aber Lewis würde das hinkriegen. Er ist sehr talentiert.

Und wären Sie in einem Formel-1-Auto schnell?
Nein. Ich bin nicht auf der Rennstrecke aufgewachsen, bin nie Formelautos gefahren. Ich fühle mich in einem Kart einigermaßen wohl, aber da fehlt mir einfach die Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass ich mich okay schlagen würde, aber es dauert Jahre, um auf dieses Niveau zu kommen. Ich könnte sicher nicht einsteigen und da gleich gut aussehen.

Würden Sie Formel 1 testen, wenn Ihnen jemand einen Test anbieten würde?

Ich würde testen. Mir wurde auch schon mal einer angeboten, von Pirelli. Das war vor ein paar Jahren, mit ihrem Toyota-Testträger. Das muss 2010 gewesen sein. Das Problem war, dass ich nicht ins Auto gepasst habe. Timo Glock ist halt ein ziemlich kleiner Junge, daher war das Chassis viel zu klein für mich. Ich war in Deutschland, habe vier Stunden im Simulator trainiert, aber als ich ins Auto steigen sollte, passte ich nicht rein.
Bei unseren Kollegen von motorsport-total.com können Sie hier das ganze Interview lesen.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Hersteller, M.Lauer - RallycrossTV

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