Rallye 2009

Rallye 2009

— 26.01.2009

Kahle/Schünemann: "Strapazen haben sich gelohnt"

Matthias Kahle und Thomas Schünemann berichten über ihre Erlebnisse bei der "Dakar", ihre Gefühle im Ziel und ihre Pläne im Marathonsport

Frage: "Matthias, wie ist dein Verhältnis zu Dieter Depping?"
Matthias Kahle: "(lacht) So, wie immer schon. Wir haben ein gutes, kollegiales Verhältnis zueinander. Der Unfall auf der zehnten Etappe war einfach nur Pech, Dieter trifft absolut keine Schuld. Wir haben unsere Autos danach gemeinsam freigeschaufelt, damit wir beide möglichst schnell weiterfahren können."

Frage: "Welche Etappe war für dich die schwierigste der Dakar?"
Kahle: "Sicherlich die zwölfte Etappe, obwohl wir dort die neuntbeste Zeit gefahren sind. Für 230 Kilometer haben wir über sechs Stunden gebraucht, das sagt schon alles. Die ganze Prüfung war nur offroad mit vielen Dünen und Wühlen im Sand. Die Navigation war unglaublich schwierig. Allein die letzten acht Kilometer haben 40 Minuten gedauert. Wir wussten zwar, wo wir hin müssen, haben den Weg aber nicht gefunden, weil ein Canyon dazwischen lag. Das war schon eine echte Herausforderung."

Nach 14 Tagen endlich aufatmen

Frage: "Was war denn für dich das Schönste an der Dakar 2009?"
Kahle: "Die Zielankunft. Wenn du das Auto nach 14 sehr harten Tagen im Parc Fermé abstellst und weißt: Du hast es geschafft, du hast die Dakar tatsächlich bezwungen! Dann merkst du, die Strapazen haben sich gelohnt. Das Gefühl beginnt schon mit dem Ende der letzten Prüfung, aber die Erleichterung setzt eben erst so richtig ein, wenn das Auto im Ziel steht."

Frage: "Ihr habt eine turbulente Rallye erlebt. Auf der fünften Etappe habt ihr dem verletzten Motorradfahrer Federico Ghitti geholfen. Dazu gab es aber auch widersprüchliche Meldungen. Auf 'Eurosport' wurde vermeldet, Carlo de Gavardo und Jean Brucy hätten den Italiener aus den Dünen gerettet. Beschreib mal bitte, wie das genau gelaufen ist."
Kahle: "Wir haben Federico gemeinsam geholfen. Thomas und ich haben ihn in den Dünen entdeckt und angehalten. Während Thomas mit den Organisatoren telefoniert hat um Hilfe anzufordern, habe ich mich um den Motorradfahrer gekümmert. Ich habe auch den Buggy von De Gavardo angehalten. Sein Beifahrer Jean Brucy wollte das Motorrad erst selbst aus den Dünen fahren."

"Da der Sprit leer war, ging das aber nicht. Also haben sie Federico auf den Beifahrersitz gesetzt und Brucy hat sich in den Türrahmen gehockt. Wir sind dann mit beiden Buggies zusammen Richtung Ziel der Prüfung gefahren. Als wir gemerkt haben, dass wir nicht mehr helfen brauchen, sind wir das restliche Stück vorweg gefahren. Federico war schon ziemlich unterkühlt und kann sich an die ganze Aktion kaum erinnern. Er kam erst wieder richtig zu sich als er im Buggy von De Gavardo saß."

Kommt der Buggy noch einmal zum Einsatz?

Frage: "Thomas, ihr habt bei der härtesten Rallye der Welt Platz 15 erreicht. Mit welchem Gefühl blickst du mit gut einer Woche Abstand auf die Rallye zurück?"
Thomas Schünemann: "Die ersten zwei Tage nach dem Ziel waren wir einfach nur erleichtert, die Rallye überstanden zu haben. Danach setzt so langsam die Freude über das gute Ergebnis ein. Wir haben wirklich allen Grund zur Freude, auch wenn von unserem Potenzial her vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen wäre. Weiterhin haben wir gezeigt, dass wir auch mit überschaubaren Mitteln ganz vorn mitfahren können. Das Ergebnis ermuntert uns weiterzumachen."

Frage: "Habt ihr schon konkrete Planungen für weitere Marathonrallyes?"
Schünemann: "Wir wollen die Dakar erstmal ein bisschen sacken lassen und haben bisher noch nichts entschieden. Ich denke, dass wir im Laufe des Jahres noch eine Marathonrallye fahren werden. Welche das sein wird, wissen wir im Moment aber noch nicht. Und bei der nächsten Dakar wollen wir wieder mit von der Partie sein."

Frage: "Mal angenommen, du wärst Cheforganisator der Dakar. Wo würde die Rallye 2009 stattfinden?"
Schünemann: "In Südamerika, wegen der Begeisterung der Menschen. Das haben die Fans auf jeden Fall verdient, obwohl die Strecken in Afrika sicherlich etwas interessanter sind. Dort gibt es viel mehr Dünen, was die Dakar erst so richtig ausmacht."

Frage: "Was würdest du an der Streckenführung ändern?"
Schünemann: "Ich würde die Tagesetappen von vornherein so bemessen, dass auf jeden Fall 50 Prozent der Teilnehmer durchkommen. Natürlich darf die Dakar nicht zu einfach sein, aber es kann auch nicht Sinn und Zweck sein, dass an einem Tag drei Viertel der gestarteten Fahrzeuge ausfallen. Bei der diesjährigen Rallye war es am Ende fast schon Standard, dass die Prüfungen verkürzt und vereinfacht werden mussten."

"Außerdem fände ich es wichtig, dass man die Anforderungen langsam steigert. So eine Hammerprüfung direkt am zweiten Tag finde ich auch nicht richtig. Für die Privatteams ist es sehr, sehr ärgerlich, wenn sie schon nach zwei Tagen nach Hause fahren müssen. Wenn man die schwierigen Prüfungen später fährt, bleiben die meisten Teilnehmer wenigstens vier, fünf Tage im Rennen."

Fotoquelle: HS Rallye Team

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