Die portugiesischen Fans sind berühmt für ihre Rallye-Begeisterung

Rallye 2009

— 31.03.2009

Vorschau Portugal: Im Land der Rallyeverrückten

Portugal ist einer der Klassiker im WRC-Kalender: Die Pisten an der Algarve verlangen von den Piloten viel Flexibiltät und die Fans sind eine Klasse für sich

Die Rallye Portugal ist ein wichtiger Klassiker in der Geschichte der WRC. Die Veranstaltung im westlichsten Land Europas gehörte der Rallye-Weltmeisterschaft bereits im Gründungsjahr 1973 an und zählte bis 2001 zu den Highlights im Kalender. Wertungsprüfungen wie Arganil bleiben bei Zuschauern und Fahrern ebenso unvergessen wie der von Bildern bestens bekannte Sprung von Fafe, an dem jedes Jahr tausende Rallyefans ihren Sport zelebrierten. 2007 kehrte die WRC nach einigen Jahren Pause wieder zurück nach Portugal. Allerdings zog sie von der Region Porto um an die Algarve. Es folgte ein weiteres Jahr Pause, jetzt steht Portugal wieder im Kalender.

Auch wenn die legendären Prüfungen der früheren Jahre jetzt nicht mehr befahren werden, ist die Rallyebegeisterung der Portugiesen ungebrochen geblieben. Sie strömen weiter in Massen an die Pisten und feiern die Piloten, die ihrerseits immer wieder die Fachkenntnis der Fans hervorheben. Um den Zuschauern etwas Besonderes zu bieten, gibt es auch in diesem Jahr wieder Super-Special-Stages im Algarve-Stadion, das bei der Euro 2004 bereits den besten Fußballern Europas als Bühne diente.

Die grenzenlose Rallyebegeisterung in dem kleinen Land auf der iberischen Halbinsel kann aber leider auch ihre Schattenseiten haben. Beim WM-Lauf 2007 wurden fünf Zuschauer verletzt, als Lokalmatador Armindo Araujo im Mitsubishi von der Strecke abgekommen war. Der Veranstalter ACP Motorsport in Lissabon wurde danach von der FIA mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro bestraft. Den Organisatoren wurde vorgeworfen, dass die Fans in einer deklarierten Verbotszone standen, bei der aber die Absperrbänder fehlten.

Organisatorische Mängel und undisziplinierte Fans hatten bereits 2001 dazu geführt, dass die Rallye von 2002 bis 2006 aus dem WM-Kalender gestrichen wurde. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die WM-Rallye 1986, als Ford-Pilot Joaquim Santos (Portugal) in eine Menschenmenge gerast war. Dabei wurden drei Zuschauer getötet und 33 weitere zum Teil schwer verletzt. Das tragische Unglück war der schwerste Zwischenfall in der WM-Geschichte. Er führte damals zu einem Fahrerstreik und letztendlich auch zum Verbot der über 500 PS starken so genannten Gruppe-B-Autos. Unter dem Eindruck dieses Ereignisses hatte sich Audi im Mai 1986 werksseitig aus dem Rallyesport zurückgezogen. Doch die Veranstalter haben ihre Lehren gezogen und versuchen nun alles, um solche Zwischenfälle künftig zu vermeiden.

Die Rallye Portugal ist in diesem Jahr der erste reine Schotterlauf. Insgesamt stehen 18 Wertungsprüfungen auf dem Programm, sie haben eine Gesamtlänge von 361,36 Kilometern. Die Pisten verlangen von den Piloten viel Flexibilität: Mal sind sie eng, dann wieder breit und schnell. Portugal ist vom Charakter her eine Mischung aus den Rallyes in Argentinien, Griechenland und Sardinien. Auf den Strecken befindet sich eine weiche Staubschicht und darunter harter, festgefahrener Schotter.

In den Hügeln der Algarve

Die Vorhersage prophezeit freundliches und mildes Wetter. Damit ist eine recht große Chancengleichheit gewährleistet und die Startpositionen sind nicht ganz so entscheiden. Doch Regenschauer kann man nie ausschließen. Und dann werden diese staubigen Schotterpisten zu unberechenbaren Rutschbahnen.

Mit 75 gemeldeten Crews ist das Starterfeld der Rallye Portugal das größte der bisherigen WRC-Saison. Ein Großteil der 18 Prüfungen wird in der hügeligen Region Baixo Alentejo im Hinterland der Küstenstadt Vilamoura gefahren. Die Rallyebasis und der Servicepark befinden sich am Algarve-Stadion, wo die Rallye Portugal am Donnerstagabend mit einer 2,2 Kilometer langen Zuschauerprüfung eröffnet wird. Allein zu diesem Spektakel werden über 20.000 Fans erwartet.

Am Freitagmorgen geht es dann nach Norden in die Hügel der Region Baixo Alentejo. Die 23,43 Kilometer lange SS2 "Ourique"-Prüfung ist die erste richtige WP der Rallye. Am zweiten Tag steht mit der 27,18 Kilometer langen "Almodovar"-Prüfung zweimal die längste WP des Wochenendes auf dem Programm. Dort warten loser Schotter und felsiger Untergrund auf die Piloten. Am abschließenden Sonntag erreicht die Route ihren höchsten Punkt: In der 14. Wertungsprüfung "Loule" fahren die Autos auf bis zu 350 Meter Meereshöhe. Danach geht es zurück ins Algarve-Stadion, wo die Rallye mit einer weiteren Zuschauerprüfung beendet wird.

Im Mittelpunkt: Das Grönholm-Comeback

Die Neuauflage 2007 der Rallye Portugal konnte Sébastien Loeb gewinnen. Die Ford-Piloten Marcus Grönholm und Mikko Hirvonen standen zwar auch auf dem Podium. Sie bekamen aber nachträglich wie alle Fahrer eines M-Sport-Fords eine Fünf-Minuten-Zeitstrafe, weil die Seitenscheiben ihrer Autos zu dünn waren. Der Franzose gehört auch in diesem Jahr zu den Topfavoriten, ist er doch in dieser Saison bisher ungeschlagen. Doch seine Ford-Rivalen Mikko Hirvonen und Jari-Matti-Latvala lauern auf ihre Chance, ihrem Ruf als Schotter-Spezialisten gerecht zu werden und Loeb zu schlagen.

Im Mittelpunkt steht aber ein anderer: Doppelweltmeister Grönholm gibt eineinhalb Jahre nach seinem Rücktritt in Portugal sein WRC-Comeback. Der Finne fährt in einem Subaru Impreza WRC 2008 von Prodrive. Seine Fights gegen die aktuellen Werkspiloten und gegen Petter Solberg, der wieder im alten Citroen Xsara fährt, dürften wohl am kommenden Wochenende für die größte Spannung sorgen.

Fotoquelle: Ford

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