Pure Dominanz: Sébastien Loeb ist in dieser Saison noch ungeschlagen

Rallye 2009

— 01.05.2009

Schwarz' Vorschlag: Petter in den Ford und Handicapregeln

Sébastien Loeb spielt nach Belieben mit seinen Gegnern, das könnte sich auch 2010 nicht ändern - Wie kann die WRC wieder spannender werden?

Fünf Rallyes, fünf Siege, maximale Punktzahl von 50 Punkten, klare Abstände in beiden WM-Wertungen: Sébastien Loeb und Citroën dominieren das Geschehen in der Rallye-Weltmeisterschaft. Spätestens seit der Rallye Argentinien steht fest: Die Entscheidung ist eigentlich schon gefallen, auch wenn die Titel rein rechnerisch natürlich noch nicht vergeben sind.

Das Erfolgsrezept von Citroën: Zum einen hat man mit Loeb einen Piloten, der in seiner eigenen Liga fährt, der sich keine gravierenden Fehler leistet und dem kein anderer das Wasser reichen kann. Zum anderen funktioniert der C4 WRC wie ein Uhrwerk, technische Defekte Fehlanzeige. So kamen die beiden Citroëns auch bei der harten Rallye Argentinien durch, als es selbst die sonst ebenfalls zuverlässigen Fords mit Defekten erwischte.

Den Gefallen, auszuscheiden, tun die Citroëns ihren Gegnern nicht. Und das kommt nicht von ungefähr. "Es ist nicht so, dass sie sagen: 'Der Sensor hat jetzt nicht so funktioniert, aber das hat nur an einer Schraube gelegen, das nächste Mal ist sie wieder fest'. Das gibt es dort nicht", erklärte Experte Armin Schwarz gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Stattdessen werde bei Citroën knallharte Fehleranalyse betrieben: "Damit sie genau wissen, warum der Sensor locker geworden ist, wer ihn angezogen hat und so weiter. Dem gehen sie nach, damit es bombensicher und wasserdicht ist. Damit es keine, wirklich keine Ausreden gibt, warum etwas nicht funktioniert hat."

Schlagen könnten sich Loeb und Citroën derzeit nur selbst, aber das werden sie auch im weiteren Verlauf der Saison nicht tun. Und das weiß auch die Konkurrenz. Deshalb ist für Schwarz die WM auch in den Köpfen der Gegner schon gelaufen. "Dadurch, dass sich schon vorher alle anderen die Zähne an Loeb ausgebissen haben, werden sie jetzt mit einer Gleichgültigkeit dahin fahren, weil es ja sowieso immer nur noch um Platz 'was weiß ich was' geht."

Doch diese Gleichgültigkeit tut laut Schwarz "der ganzen Meisterschaft nicht gut. Das bringt uns nicht gerade weiter", bedauerte er. Loeb habe im Moment keinen Gegner und entsprechend sei auch die Einstellung der Konkurrenz, "die weiß, dass der Zug schon abgefahren ist". Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: "Wenn du natürlich so in die noch anstehenden Rallyes gehst, dann fällt es auch extrem schwer, ihm überhaupt noch Paroli zu bieten."

Ford-Pilot Mikko Hirvonen war in Argentinien bis zu seinem Ausfall noch relativ dicht an Loeb dran und hatte sich Hoffnungen auf den Sieg gemacht, doch Schwarz glaubt nicht, dass der Finne den Citroën-Star hätte schlagen können: "Weil da einfach der Unterschied so groß ist." Vielmehr hätte Loeb denn eben in der Schlussphase der Rallye noch einmal zugelegt und so seinen Vorsprung massiv vergrößert.

Manch Beobachter hofft, dass Hirvonen jetzt sein Sicherheitsdenken, lieber einen zweiten Platz zu holen als auszufallen, aufgibt und volle Attacke auf einen Sieg fährt. Schließlich hat er eigentlich nichts zu verlieren. Doch das traut Experte Schwarz dem Finnen nicht zu. "Ich glaube nicht, dass Mikko das kann. Meiner Meinung nach ist Mikko wirklich ein ganz toller zweiter Mann. Aber das war's. Ich glaube nicht, dass es Mikko im Rückgrat hat. Mikko ist einfach von seiner ganzen Einstellung und seiner Mentalität her der, der sagt: 'Ich breche mir nicht den Hals, ich fahre, was ich mir zutraue und wenn das nicht gut genug ist, dann fahren wir halt auf Platz fünf.'"

Eine solche Attacke würde Schwarz eher Hirvonens jungem Teamkollegen Jari-Matti Latvala zutrauen. "Der würde sagen: 'Jetzt geht's los - Einzelsiege oder weg vom Fenster'. Der würde das machen." Doch hier dürfte das Veto von Ford-Teamchef Malcolm Wilson kommen, auch wenn die Weltmeisterschaft schon lang entschieden ist und Latvalas Punkte für die Markenwertung nicht mehr gebraucht werden. "Malcolm wird sagen: 'Das geht mit meinem Budget nicht. Lass die Autos ganz, denn es richtet sowieso nichts mehr aus, ob du jetzt schnell fährst oder nicht. Wir sind da, wo wir sind - Punkt."

Loeb-Dominanz auch 2010?

Loeb wird in der WRC immer dominanter, auch die Wahrscheinlichkeit, dass er in dieser Saison alle Rallyes gewinnt, wächst mit jedem weiteren Sieg. Und Schwarz fürchtet, dass das so weiter geht: "Er gewinnt nächstes Jahr wieder alles, weil es keine Alternative gibt. Es wird auch nächstes Jahr kein anderer Hersteller einsteigen. Es ist ein Übergangsjahr, und diese Durststrecke werden wir heuer und im nächsten Jahr erleben. Es ist keiner da, der ihn schlagen kann." Dazu kommt, dass Citroën sich auch schon für die Zukunft rüstet. Die Arbeit am S2000er-Auto ist soweit fortgeschritten, dass die Franzosen damit schon in diesem Sommer konkurrenzfähig antreten könnten. Wenn also die neuen Fahrzeuge 2011 endgültig eingesetzt werden, könnte Citroën aufgrund des Entwicklungsvorsprungs schon wieder dominieren.

Das Problem: Wenn immer der Gleiche gewinnt, sinkt auch das allgemeine Interesse an einer Meisterschaft. Und das wäre für die WRC, die derzeit ohnehin zu kämpfen hat, Gift. Was also kann die Situation ändern? Wie kann das Geschehen an der Spitze der Weltmeisterschaft wieder spannender werden? Schwarz kennt derzeit nur einen, der Loeb das Wasser reichen könnte - wenn er das Material dazu hätte: Petter Solberg. "Petter sitzt im falschen Auto", erklärte der Experte. Würde der Norweger im Ford-Werksteam fahren, wäre der Gegenwind für Loeb wohl wesentlich schärfer.

Gespräche zwischen Solberg und Ford gab es zu Beginn der Saison sogar, aber: "Ich verstehe nicht, warum Wilson ihm wegen irgendwelcher Altlasten keinen vernünftigen Vertrag angeboten hat." Darauf, in einem B-Team zu fahren, konnte Solberg dankend verzichten. Stattdessen gründete er sein eigenes Team und mischt zumindest das Feld direkt hinter Loeb mit seinem alten Citroën mächtig auf.

Loeb wird Weltmeister, so oder so. Aber die Entscheidungen um einzelne Rallyesiege könnte man laut Schwarz auf ganz einfache Art und Weise spannender machen. "Meiner Meinung nach muss einfach eine gewisse Handicapregel her. Anders kann man keine anderen Sieger aufstellen. Das war schon meine Meinung, als Subaru und Suzuki dabei waren. Wenn die nur einen Lauf gewinnen könnten, dann hättest du ein wesentlich größeres Außeninteresse. Die Allgemeinheit würde mehr daran teilnehmen, weil doch interessant ist, wer diesmal gewonnen hat."

Der Sport lebt von der Action, nicht von Ergebnissen

Handicapregeln wie zum Beispiel Erfolgsballast sind in anderen Serien durchaus ein probates Mittel, um das Feld durchzumischen. "Unter solchen Umständen gewinnt Loeb dann mal zwei Rallyes nicht und holt eben dann wieder einen Sieg", so Schwarz. Selbst wenn der Franzose dann immer noch den Titel holt, "hätten wir wenigstens auch andere Sieger und wären nicht in dieser Einbahnstraße, dass Loeb heuer alles gewinnt."

Doch nun ist einmal Tatsache, dass die Entscheidungen um Siege und Titelvergabe nicht sonderlich spannend sind. Genießen kann man die WRC laut Schwarz aber dennoch: "Die Meisterschaft lebt ja nicht nur davon, dass man Resultaten hinterherhechelt. Sondern sie lebt auch davon, dass man tollen Sport erlebt. Es wird tolle Action geboten, allen die TV-Bilder sprechen da für sich. Der Sport lebt einfach von der Action."

Und für die deutschen Fans erhöht sich die Spannung dank Hermann Gassner jun. und Sandro Wallenwein. "Das sind zwei junge Deutsche, die es nun schaffen, Rallyes in der WM zu fahren, ihre Erfahrungen zu sammeln und sich zu empfehlen. Das ist Gassner in Portugal schon mehr als gelungen. Schauen wir mal wie es in Sardinien für beide läuft", so Schwarz.

Fotoquelle: xpb.cc

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