Jari-Matti Latvala führt nach dem ersten Tag mit großem Vorsprung

Rallye 2009

— 22.05.2009

SS5/6: Latvala führt, Loeb taktiert

Jari-Matti Latvala liegt nach dem ersten Sardinien-Tag vorn, Sébastien Loeb bremst sich zurück auf Rang drei, Mikko Hirvonen vermasselt Taktikpoker

Jari-Matti Latvala liegt nach dem ersten Tag der Rallye Sardinien in Führung. Der junge Ford-Finne hatte sich gleich an der ersten Prüfung an die Spitze gesetzt und insgesamt fünf von sechs Bestzeiten geholt. In der letzten Prüfung konnte Latvala seinen Vorsprung noch einmal massiv ausbauen - sein Polster auf Rang zwei beträgt nach dem ersten Tag 39,8 Sekunden.

Dass Latvalas Vorsprung auf die Verfolger so groß wurde, lag aber vor allem daran, dass Sébastien Loeb und Mikko Hirvonen in der sechsten und letzten Wertungsprüfung "Crastazza" offen taktiert haben und vom Gas gegangen sind. Die Startpositionen sind bei der Rallye Sardinien mit ihrem feinen, sandigen Schotter der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb lieferten sich Loeb und Hirvonen einen internen Fight darum, wer morgen nach dem anderen starten darf - also darum, wem es am Schluss noch besser gelingt, sich zurückfallen zu lassen.

Loeb "gewann" das Duell - er bremste auf den letzten Kilometern stärker ab, als Hirvonen erwartet hatte. Damit fiel Loeb von Platz zwei zurück auf Rang drei, Hirvonen übernahm Platz zwei, drei Sekunden vor Loeb. Damit muss der Finne morgen als Zweiter vor Loeb auf die Piste und mehr Straßenkehreraufgaben erledigen.

Auch Latvala weiß, dass er sich über die Führung am ersten Tag eigentlich nicht uneingeschränkt freuen kann. Schließlich muss er damit morgen als Erster ran. "Das ist eigentlich schlecht", sagte er lachend. "Aber wenn man hier teilnehmen will, dann muss man auch in der Lage sein, als Erster auf die Piste zu gehen. Es wird morgen sehr hart für mich, aber heute war das Straßenfegen nicht so schlimm, wie man vorher erwartet hatte. Ich muss cool bleiben und dann schauen wir mal."

Die Rolle des Straßenkehrers hatte heute am ersten Tag Loeb als WM-Spitzenreiter inne. "Ich war zufrieden mit meiner Leistung, aber nicht zufrieden mit meiner Startposition", sagte Loeb, der sich heute vor allem darauf konzentriert hat, im weichen Schotter nicht zu viel Zeit zu verlieren. "Wie es morgen läuft, müssen wir noch abwarten."

Wie verquer das Taktieren ist, zeigte die Reaktion von Ford-Pilot Hirvonen. Er ärgerte sich mächtig darüber, am Schluss noch einen Platz gut gemacht zu haben - und vor allem über sich: "Ich habe es voll vermasselt", schimpfte Hirvonen sich selbst. "Ich bin nicht langsam genug gefahren. Es war mein Fehler, ganz allein mein Fehler. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Loeb im letzten Split noch so vom Gas geht."

Hirvonen hatte die Zeit von Loebs letztem Split nicht im Cockpit und hatte deshalb nicht mitbekommen, dass der Franzose noch so abgebremst hat. Eigentlich ist das Taktieren ja ganz interessant, aber ob es im Sinne des Sports ist, dass die Piloten am Nachmittag bei Bedingungen wie auf Sardinien immer bewusst vom Gas gehen, sei dahingestellt. Auch morgen ist in der letzten Prüfung wieder mit solchen Aktionen zu rechnen.

Auf Platz vier hinter Loeb beendete Petter Solberg den ersten Tag. Durch die Bremsmanöver ist der Norweger wieder bis auf 3,6 Sekunden an die Top 3 herangekommen. Solberg hat den Motor seines alten Citroën Xsara aufgerüstet, hatte aber am Morgen dennoch mit Überhitzungsproblemen zu kämpfen. "Es läuft nicht so schlecht, aber wenn es so warm ist, habe ich das Gefühl, keine Power zu haben", berichtete der Norweger. "Zudem sind meine Reifen ziemlich abgefahren, aber alles in allem war es nicht schlecht und ich bin zufrieden mit meinem Tag."

Auf Rang fünf lag bis zur fünften Wertungsprüfung Citroën-Junior Sébastien Ogier. Doch der junge Franzose schied dann mit einem gebrochenen Dämpfer vorzeitig aus. Damit hat sein Teamkollege Evgeny Novikov wieder den fünften Platz übernommen. Auf Platz sechs beendete Stobart-Pilot Henning Solberg den ersten Tag. Er kam ohne Motorhaube ins Ziel. "Es war sehr schwer zu fahren, erstens hat die Aerodynamik nicht mehr gestimmt und zweitens habe ich nichts mehr gesehen", berichtete der Norweger.

Mads Östberg, der die Anweisungen in seinem Adapta-Subaru an diesem Wochenende von seiner Freundin Veronica Engan als Beifahrerin bekommt, beendete den ersten Tag auf Rang sieben. Auf dem letzten Punkterang liegt Daniel Sordo im zweiten Citroën als Achter. Er hatte gleich am Morgen 30 Strafsekunden kassiert, weil er zu spät zur Zeitkontrolle am Start der ersten Prüfung kam. Nach eigenen Angaben wegen eines Problems mit dem Turbo - böse Zungen behaupteten jedoch gleich, dass da Taktik dahinter steckte. Denn so musste Ford-Pilot Hirvonen heute als Zweiter statt als Dritter auf die Piste. Nach der Mittagspause kassierte Sordo noch einmal 30 Strafsekunden, weil er zu spät aus dem Service kam. Eine Reparatur an der Aufhängung hatte länger gedauert.

Stobart-Youngster Matthew Wilson, der mit Hydraulik-Problemen zu kämpfen hatte, beendete den Tag als Neunter, Khalid Al Qassimi (Ford) komplettierte die Top 10. Munchi's-Pilot Federico Villagra schied mit Kupplungsproblemen in der vierten Wertungsprüfung aus.

In der P-WRC-Wertung führt Patrick Flodin mit knappen 0,7 Sekunden Vorsprung auf Patrik Sandell. Nasser Al-Attiyah ist Dritter. Bei den Junioren führt Alessandro Bettega vor Michal Kosciuszko und Martin Prokop, der Elektronikprobleme hatte. Aaron Burkhart ist Vierter.

Fotoquelle: xpb.cc

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