Jari-Matti Latvala hat auf Sardinien seinen zweiten WRC-Sieg eingefahren

Rallye 2009

— 24.05.2009

SS17: Überglücklicher Latvala triumphiert auf Sardinien

Jari-Matti Latvala hat auf Sardinien seinen zweiten WRC-Sieg eingefahren, Mikko Hirvonen komplettiert Ford-Doppelsieg, Sébastien Loeb unter Vorbehalt Dritter

Die Dominanz von Citroën und Sébastien Loeb ist gebrochen - auf den staubigen Schotterpisten Sardiniens hat Ford den ersten Doppelsieg der Saison eingefahren. Nach seinem turbulenten Saisonauftakt hat Jari-Matti Latvala seinen zweiten WRC-Sieg nach Schweden 2008 eingefahren. Im Ziel hatte er 29,4 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Mikko Hirvonen. Bei Citroën-Star Loeb ist die Siegesserie gerissen. Der Franzose musste sich abgeschlagen mit über einer Minute Rückstand mit Platz drei begnügen - gegen ihn läuft aber noch eine Untersuchung der FIA.

Vor der Rallye Sardinien war viel über Taktikspiele spekuliert worden. Und tatsächlich pokerten Loeb und Hirvonen schon am Freitagabend um die Startpositionen für Samstag. Nur Latvala beteiligte sich nicht am Taktieren - und er dominierte diesen Lauf. Der junge Finne lag von der ersten Prüfung an an der Spitze und konnte seine Führung am zweiten Tag trotz der schlechtesten Startposition behaupten. Am letzten Tag stellte sich heraus, dass Startplatz eins ein großer Vorteil ist - während alle anderem mit dem dichten Staub kämpften, hatte Latvala weitgehend freie Sicht und konnte dem Feld enteilen.

Und am Schluss ließ ihn Ford auch gewinnen. Bis in die letzte Prüfung hinein wurde spekuliert, ob Latvala noch zurückgepfiffen wird, damit Hirvonen den Sieg und damit zwei Punkte mehr für die Fahrerwertung holt. Doch Latvala durfte Gas geben. Im Ziel ließ er einen Freudenschrei los, sprang aus dem Auto und küsste das Ford-Emblem an seinem Kühler.

"Es ist eine große Erleichterung! Danke an das Team und auch Danke an Malcolm Wilson, dass ich hier gewinnen konnte", jubelte Latvala. "Es ist unglaublich. Ich hatte diesmal aber auch das Glück auf meiner Seite. Der Sieg kam genau zur richtigen Zeit! Ich habe in dieser Saison schon so viele Fehler gemacht, da tut der Sieg wirklich gut." Nach seinen schweren Unfällen in dieser Saison hat Latvala gezeigt, dass er das Vertrauen des Teams verdient hat.

Sein Teamkollege Hirvonen hatte eigentlich immer gehofft, dass er gewinnt, wenn Rivale Loeb ein Problem bekommt. Doch nun wurde er von seinem Teamkollegen geschlagen. "Es scheint mein Schicksal zu sein, Zweiter zu werden", erklärte er im Ziel. "Wir hatten eine gute Rallye und auch einen tollen Fight. Ich hätte auch um den Sieg kämpfen können. Aber Jari hat den Sieg absolut verdient." Und den Sieg geschenkt bekommen wollte Hirvonen nicht, das hatte er schon am Vormittag betont.

Bei Loeb lief nichts rund

Für Rekordweltmeister Loeb lief es nicht nach Plan. Am Freitag sah es noch ganz gut aus für ihn, am Freitagabend ließ er sich taktisch zurückfallen auf Rang drei. Doch mehrere Probleme machten seine Aufholjagd am Samstag zunichte. Zunächst hatte er Bremsprobleme, dann kassierte er eine Zehn-Sekunden-Strafe wegen Zuspätkommens. Und in der elften Prüfung waren seine Siegträume dahin, als er wegen eines Reifenschadens über eine Minute verlor.

Loeb fiel zurück auf den vierten Platz und konnte nichts anderes tun, als Petter Solberg noch von Rang drei zu verdrängen. Das gelang: "Der dritte Platz ist okay. In der Weltmeisterschaft habe ich nur zwei Punkte auf Mikko Hirvonen eingebüßt. Ich muss zufrieden sein angesichts der Probleme, die wir bei dieser Rallye hatten. Nichts hat funktioniert, eigentlich lief alles schief", haderte Loeb, der bisher alle Rallyes der Saison gewonnen hatte. Doch sein dritter Platz ist noch nicht sicher. Die FIA-Kommissare prüfen noch, ob er und Co-Pilot Daniel Elena nach ihren turboschnellen Reifenwechsel in der elften Prüfung ordnungsgemäß angeschnallt waren. Im schlimmsten Fall droht die Disqualifikation.

Petter Solberg beendete die Rallye auf Rang vier - das Podium hatte er in Reichweite, doch dann gab es in den letzten Prüfungen Probleme mit der Lenkung. Solberg konnte dem Druck Loebs nicht mehr standhalten. "Es hat wirklich riesigen Spaß gemacht und es war viel drin", bilanzierte er. Aber das Auto war in der ersten Prüfung nach dem Service heute so schlecht, dadurch habe ich viel Zeit verloren. Ich dachte, ich schaffe es noch, Platz drei zu holen, aber unter diesen Umständen ging es nicht. Alles in allem lief es aber nicht schlecht für mich." Denn immerhin hat er gezeigt, dass er in der Lage ist, es mit den Werksteams aufzunehmen.

Auf Platz fünf beendete Citroën-Junior Evgeny Novikov die Rallye Sardinien. Der Russe holte damit sein bisher bestes Ergebnis in der WRC. Dafür wird er auch mit dem "Abu-Dhabi-Spirit-of-the-Rallye"-Award ausgezeichnet. Platz sechs ging an Stobart-Youngster Matthew Wilson.

Der siebte Platz war bis zum Schluss hart umkämpft: Am Ende setzte sich Mads Östberg im Adapta-Subaru gegen Henning Solberg (Stobart) durch. Östberg hatte im Ziel als Siebter 0,6 Sekunden Vorsprung auf den Gesamtachten Solberg. Östberg hatte auf Sardinien erstmals seine Freundin Veronica Engan als Beifahrerin im Auto. Das soll aber einmalig gewesen sein, auch wenn sie eine erfahrene Co-Pilotin ist: "Ich suche einen neuen, festen Beifahrer", berichtete Östberg schmunzelnd. "Schließlich will ich sie als meine Freundin behalten. Sie hat ihre Sache wirklich toll gemacht, aber ich glaube, wir führen unsere Beziehung lieber zu Hause weiter."

Punkte für die Herstellerwertung holten auch noch Conrad Rautenbach und Daniel Sordo, der außerhalb der Top 20 landete. Nachdem der Spanier das ganze Wochenende über massive Turbo-Probleme hatte, verlegte er sich darauf, irgendwie ins Ziel zu kommen und für Citroën zu punkten.

In der P-WRC-Wertung war die Entscheidung um den Sieg mehr als spannend. Am Ende sicherte sich Nasser Al-Attiyah den Sieg mit 1,5 Sekunden Vorsprung auf Patrik Sandell. Bei den Junioren siegte Martin Prokop trotz zahlreicher Probleme und mehrerer Zeitstrafen vor Michal Kosciuszko und dem Deutschen Aaron Burkhart. "Es war etwas unter unseren Erwartungen. Wir konnten die Pace nicht mitgehen, aber es ist ein weiterer Podiumsplatz, das ist in Ordnung", bilanzierte Burkhart.

Fotoquelle: xpb.cc

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