Jari-Matti Latvala konnte und durfte auf Sardinien den Sieg holen

Rallye 2009

— 27.05.2009

Schwarz: "Ford-Sieg muss man relativ sehen"

Ford konnte auf Sardinien endlich wieder einen Doppelsieg feiern - Doch was wäre gewesen, wenn Loeb keinen Reifenschaden gehabt hätte?

Der Jubel bei Ford war riesengroß: Endlich konnte das blaue Oval wieder einen Doppelsieg bejubeln, Jari-Matti Latvala gewann auf Sardinien vor seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen. Die Dominanz von Citroën war gebrochen. Doch Rallyeexperte Armin Schwarz mahnt gegenüber 'Motorsport-Total.com': "Man muss diesen Sieg relativ sehen. Ich will keine Leistung schmälern, aber hätte Sébastien Loeb keinen Platten gehabt, dann wäre er im Ziel meilenweit vor den anderen gewesen - und das trotz des 50-Sekunden-Rückstands vom Freitag."

Loeb hatte sich am Samstag schon an Hirvonen vorbeigearbeitet, verlor dann aber in der elften Wertungsprüfung über eine Minute, weil er anhalten und einen kaputten Reifen wechseln musste. Und da die Rennkommissare zu dem Schluss kamen, dass sich Co-Pilot Daniel Elena bereits abgeschnallt hatte, bevor der C4 vor dem Reifenwechsel ganz zum Stehen kam, kassierte der Franzose noch eine Zwei-Minuten-Strafe, die ihn von Rang drei zurückwarf auf Rang vier.

Trotz allem: Für Jungstar Latvala war es enorm wichtig, dass er gewinnen konnte - und auch durfte. Dem schließt sich auch Experte Schwarz an: "Ich war immer der Meinung, dass er es drauf hat und dass er es auch packt, dass er gut genug ist. Die Frage war nur, wie lange ihm Ford die Zeit dazu gibt. Hut ab auch vor Malcolm Wilson." Nach Latvalas Horrorcrash in Portugal - der dritte in dieser Saison - war schon spekuliert worden, dass Ford den jungen Finnen wieder ausmustert. Doch Ford vertraute Latvala weiter.

"Sie haben sich hingesetzt und unheimlich viel mit ihm gemacht", so Schwarz. "Es wurde an der Psyche und an der Einstellung gearbeitet. Dadurch konnte er einfach auch so eine Leistung hinlegen. Und dass sie ihn auf Sardinien nicht zurückgepfiffen haben, finde ich umso respektabler. Man hat gesagt: 'Er ist klar schneller, wir machen hier keine Teamorder und basta." Für Schwarz wäre es auch verständlich gewesen, wenn Latvala den Sieg hätte seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen überlassen müssen: "Ich hätte schon gedacht, dass man Hirvonen hier die maximale Punktzahl zukommen lässt. Aber ist umso schöner und besser ist, dass Latvala frei gewinnen durfte."

Schwarz warnt jedoch davor, sich gleich weitere Siege von Latvala zu erwarten: "Er soll einfach so weiterfahren, wie er fährt. Wenn er in Griechenland ganz normal durchkommt und Vierter oder Fünfter wird, dann ist das auch super. Denn er braucht jetzt einfach ein paar Rallyes, bei denen er ganz normal durchfahren kann. Man muss ihm einfach Zeit lassen. Schlechter als Vierter oder Fünfter wird er eh nicht, weil nicht so viele da sind, die schneller fahren als er."

Für Citroën war Sardinien ein Wochenende zum Abhaken. Loeb hatte zunächst Bremsprobleme, dann den Reifenschaden. Rabenschwarz waren die Tage in Italien für Daniel Sordo, der vom ersten Tag an Probleme mit der Aufhängung und zweimal einen Turboschaden hatte. Dass bei den Franzosen nach der jüngsten Erfolgsserie ein gewisser Schlendrian eingestellt hat, glaubt Experte Schwarz aber nicht.

"Sie hatten einfach irgendwo einen riesigen Hund drin. Und so wie ich sie kenne, wird dieser Hund in den nächsten fünf Jahren nicht noch einmal irgendwo auftauchen", erklärte er und fügte lachend hinzu: "Sordos Auto werden sie wahrscheinlich komplett verbrennen, damit dieses Auto nirgendwo mehr auftaucht, nicht einmal mehr die letzte Schraube. So schätze ich Citroën ein. Ich denke, dass es in gewohnter Weise weitergeht. Denn so etwas passiert denen normalerweise nicht mehrmals hintereinander."

Wie geht es mit Petter Solberg weiter?

Lachender Dritter - im wahrsten Sinne des Wortes - war Petter Solberg. Er konnte in seinem aufgerüsteten Citroën Xsara Loeb zumindest bis zur Hitze des letzten Mittags Paroli bieten. Dann aber musste er sich geschlagen geben und kam als Vierter ins Ziel. Dass er dennoch aufs Podium kam, verdankte er nur der Zeitstrafe, die Loeb noch kassierte. Der Norweger hat einmal mehr eine Topleistung abgeliefert, mit seinem unterlegenen Material musste er aber einmal mehr ans Limit.

Für Sardinien hat Citroën Solberg noch mit Upgrades unter die Arme gegriffen. Doch laut Schwarz weiß auch der Norweger selbst, dass er wohl nicht immer mit Hilfe aus Frankreich rechnen darf: "Klar kommt Olivier Quesnel, schüttelt ihm die Hand und sagt 'Superleistung mit dem Auto und dem Material' - aber das zählt nicht. Er will doch nicht den Fahrer vor seinen C4 fahren sehen. Über kurz oder lang wird man sich bei Citroën schwertun, Petter zu unterstützen."

Dass Solberg gar statt des Xsara selbst einen C4 bekommt, hält Schwarz für völlig unrealistisch: "Dann würde er wirklich auch zwischen den Werksautos mitmischen. Quesnel hätte dann intern ein Kommunikationsproblem. Wie sollte er erklären, warum er für zwei Fahrer so viel Geld ausgibt, während ein Privatier die Arbeit macht?" Deshalb sei auch möglich, dass Solberg "irgendwann einmal ein anderes Fabrikat fährt". Bereits in Griechenland könnte es soweit sein: Der Norweger liebäugelt weiter mit einem Umstieg auf den Peugeot 307.

Fotoquelle: xpb.cc

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