Gigi Galli hofft, dass er bald wieder in der WRC fahren kann

Rallye 2009

— 09.08.2009

Galli: Entweder WRC oder Karriereende

Exklusiv: Gigi Galli arbeitet an seinem Comeback in der WRC - Sollte ihm das nicht gelingen, will er den Rennhelm an den Nagel hängen

Den 15. August 2008 wird Gigi Galli so schnell nicht vergessen: An diesem Tag pilotierte er zum bisher letzten Mal in einem WM-Lauf einen WRC. Es war die fünfte Wertungsprüfung der Rallye Deutschland 2008, als Gallis Saison - in der er endlich einen festen, langfristigen Vertrag hatte - ein jähes Ende fand. Der Italiener war mit seinem Stobart-Ford von der Straße abgekommen, das Auto schlug schwer in die Bäume am Straßenrand ein und verkantete sich unglücklich.

Schwer verletzt wurde Galli aus dem Wrack geborgen und nach Trier ins Krankenhaus gebracht. Diagnose: Oberschenkelfraktur. Noch am Abend nach dem Unfall wurde Galli operiert. Zwar sprach der stets gut gelaunte Italiener schon kurz danach wieder über ein Comeback im Rallyeauto. Doch inzwischen ist fast ein Jahr vergangen und ein Comeback von Galli liegt immer noch in weiter Ferne.

Für den Italiener war der 15. August 2008 aber kein Unglückstag - im Gegenteil: "Es war ein glücklicher Tag", betont er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Denn der Unfall hätte für ihn wesentlich schlimmere Folgen haben können als einen zertrümmerten Oberschenkel: "Wir müssen verstehen, dass unser Job und unsere Leidenschaft das Fahren ist - wir sind keine Tänzer. So etwas kann immer passieren. Aber mit etwas Glück und dank der hohen Sicherheit der Autos verlief es glimpflich. Auch die Bergung war gut, nach vier Minuten hatten mich die Rettungskräfte schon aus dem Auto gezogen und die Ärzte haben mich untersucht."

Inzwischen habe er seine Verletzung vollkommen auskuriert, berichtet Galli weiter und witzelt lachend: "Ich fühle mich nur ein bisschen wie ein Terminator, weil ich ein paar Titanschrauben in mir habe. Ich bin jetzt teurer."

Abgesehen von seinem Auftritt bei den Baja-300-Powerdays in der Lausitz hat der Italiener seit seinem Unfall jedoch nichts gemacht: "Ich hatte jede Menge Urlaub. Früher hatte ich kaum Zeit, mal Ferien zu machen. Deshalb habe ich beschlossen, in diesem Jahr all den Urlaub zu nehmen, den ich in der Vergangenheit nicht hatte", sagt der 36-Jährige, wieder mit einem Schuss Witz in der Stimme.

Doch der "Zwangsurlaub" soll nicht ewig dauern. "Ich würde natürlich gern wieder in der WRC fahren", so Galli. "Aber leider - auch wegen der Finanzkrise - haben wir Probleme, das nötige Budget zusammenzubringen." In diesem Jahr habe das Geld nicht gereicht, um die gesamte Saison zu bestreiten. Mit seinem Budget habe er nur vier oder fünf Rallyes stemmen können: "Wir haben entschlossen, es nicht zu machen, weil wir keine halben Sachen machen wollten."

Sieht er größere Chancen auf eine Rückkehr in die WRC, wenn 2011 das neue Reglement greift und damit vielleicht neue Hersteller in die Serie einsteigen? "Muss ich ehrlich sein? Es wird sicherlich helfen, aber was wir jetzt brauchen, ist zunächst einmal ein klares Reglement, ohne dass jeden Tag wieder irgendetwas geändert wird. Man weiß ja nie, was als nächstes passiert. Das ist für mich eines der großen Probleme."

Zudem ist es laut Galli dringend nötig, dass die Kommunikationskompetenz bei FIA und ISC neu verteilt wird: "Man sollte überlegen, ob man da anders arbeiten soll, damit der Sport - unser Sport - im Fernsehen gezeigt wird. Wir brauchen das. Denn wenn wir nicht genug Sendezeit haben, ist alles andere auch schwierig. Man kann nicht auf die Sponsoren zugehen, wenn man ihnen nichts anbieten kann."

WRC als einziges Ziel

Derzeit liege seine Chance auf ein WRC-Comeback bei "knapp 76 Prozent, fast 77 Prozent", so Galli: "Wenn im September die Sommerferien in Italien vorbei sind, habe ich vielleicht ein paar News. Aber ich bin recht zuversichtlich, dass ich irgendetwas machen kann. Ich weiß zwar wirklich noch nicht was, aber wir werden etwas machen. Denn das Leben zu Hause ist zu langweilig. Nur Ferien zu haben ist auch nichts."

Dabei hat der Italiener ein klares Ziel: Er will wieder in der WRC fahren. Die Intercontinental Rally Challenge IRC wäre für ihn keine Alternative: "Nein, ich sage dir auch warum: Ich denke, dass es eine gute Sache ist, aber selbst dort muss man bezahlen. Und wenn ich also so oder so zahlen muss, will ich da bleiben, wo ich zehn Jahre lang gefahren bin. Mein Ziel ist seit Langem, in der Weltmeisterschaft zu fahren. Das habe ich getan und ich will es wieder tun."

Und Galli stellt ganz deutlich klar: "Wenn ich keine Chance habe, in der WRC zu fahren, werde ich mein Leben komplett ändern. Außerhalb des Rallyesports bieten sich viele Möglichkeiten. Man muss es nur wollen, dann findet man auch eine Beschäftigung. Aber Rallyefahren ist nicht nur ein Job für mich, es ist meine Leidenschaft!"

Fotoquelle: xpb.cc

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