Quer durch ein Weltkulturerbegebiet: Proteste waren eigentlich zu erwarten

Rallye 2009

— 04.09.2009

Australien-Rallye verkommt zur Farce

Massive Anrainerproteste überschatteten die erste Etappe der Australien-Rallye - Veranstalter musste mit einem solchen Fiasko rechnen

Im Rahmen der Australien-Rallye mussten heute wie berichtet die beiden CTEK-East-Wertungsprüfungen über eine Gesamtdistanz von 22,66 Kilometer abgesagt werden. Ausschlaggebend für die Streichung von SS6 und SS11 waren Proteste von Anrainern, die bis zuletzt versucht hatten, die Veranstaltung gerichtlich zu verhindern.

Erst nach und nach sickerte jedoch nach Europa durch, was sich in Australien wirklich abgespielt hat. War zunächst noch von der bizarr anmutenden Drohung die Rede, dass die Anrainer gefrorene Koalabären (!) auf die Strecke werfen könnten, so wurde aus (zugegeben pechschwarzem) Humor schon bald blanker Ernst. Denn vor Beginn der sechsten Wertungsprüfung wurde sogar das Inspektionsfahrzeug mit Steinen beworfen!

Steine, Zäune, Autoblockaden

Im guten Glauben wurde Mikko Hirvonen zunächst losgeschickt, doch als der Ford-Pilot einen auf der Strecke stehenden Zaun rammte, war Schluss mit lustig: "Die Protestierenden haben die Sicherheit der Teilnehmer und Offiziellen völlig missachtet", schimpfte ein Polizist. "So kann man auch jemanden umbringen! Wir tolerieren alle Proteste, die nicht gegen das Gesetz verstoßen, aber sobald ein Gesetz überschritten wird, greifen wir hart durch, um die Sicherheit zu gewährleisten."

Steinwürfe waren offenbar nicht die einzigen Attacken auf die Fahrer: "Wir kommen bei einer Kreuzung an - und plötzlich hast du ein Auto vor dir! Die fahren dann wirklich langsam, zehn km/h oder so. Wenn du sie überholen willst, fahren sie zur Seite und blockieren den Weg. Sébastien (Loeb; Anm. d. Red.) haben sie auch aufgehalten. Was sollen wir tun? Wir machen hier nur unseren Job", ärgerte sich Hirvonen über die Australier.

Matthew Wilson berichtete von üblen Beschimpfungen: "Das ist nicht nett und ziemlich einschüchternd. Beim Fahren hat man im Kopf, dass einen die Leute hier nicht wollen. Da fragt man sich, wie weit sie gehen." Und er fügte an: "Vielleicht war es nicht die allervernünftigste Entscheidung, in diesem Teil der Welt zu fahren." Kritik, die sich an den Veranstalter richtet, denn der hätte es eigentlich besser wissen müssen.

Verlegung der Rallye als Anstoß

Die Rallye findet dieses Jahr erstmals an der Ostküste Australiens statt - und zwar in einem Weltkulturerbegebiet. Wie Dokumente belegen, die 'Motorsport-Total.com' in die Hände gefallen sind, hat Rallyeorganisator Garry Connelly bereits im Juli an FIA-Präsidentschaftskandidat Ari Vatanen geschrieben und seine Sorge über Vatanens damals umstrittene Kommentare hinsichtlich des Klimaschutzes geäußert. Offenbar hatte Connelly Angst vor Protesten von Umweltaktivisten.

Außerdem ist bekannt, dass unlängst die Präsentation des neuen Peugeot 308 CC von Demonstranten begleitet wurde, die fälschlicherweise angenommen hatten, es handle sich bei der Veranstaltung um ein Vorprogramm zur Australien-Rallye. Trotzdem wurden keine Konsequenzen ergriffen, sondern die Veranstalter blieben bei der ursprünglichen Route. Dass es da zu Protesten kommen würde, hätte man ahnen können.

Zumindest besteht Hoffnung, dass die Rallye am Samstag und Sonntag friedlich verlaufen wird. Die unmissverständlichen Aussagen der Polizei, die keine weiteren Vergehen zulassen will, sollten dazu ebenso beitragen wie die Tatsache, dass in der ökologisch wertvollen Gegend um Byrrill Creek nicht mehr gefahren wird. Rein sportlich gesehen hätte es bisher ja ohnehin kaum spannender zugehen können...

Fotoquelle: Stobart

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