Sébastien Loeb ist weiter der große Dominator in der Rallyeszene

Rallye 2010

— 24.03.2010

Schwarz: "Loeb ist nach wie vor zu stark"

Experte Armin Schwarz über das Kräfteverhältnis in der WRC, Petter Solberg, die Gefahr einer "Einmarkenmeisterschaft" und die Chancen von Kimi Räikkönen

Die WRC-Saison 2010 ist bereits zwei Läufe alt. Beim Auftakt in Schweden konnte Ford-Pilot Mikko Hirvonen seine Ankündigung, in diesem Jahr mehr Siege holen zu wollen, bereits umsetzen und gewinnen. Doch beim zweiten Saisonlauf in Mexiko zeigte Citroën-Star Sébastien Loeb wieder, wer der Herr im Haus ist.

Der Franzose übernahm am zweiten Mexiko-Tag die Kontrolle über das Geschehen und siegte souverän. Hirvonen fand einfach keine gute Abstimmung, aber konnte mit dem vierten Platz, den ihm Ford-Kollege Jari-Matti Latvala überließ, zumindest Schadensbegrenzung betreiben. In der Fahrer-WM führt Loeb nun mit sechs Punkten Vorsprung auf den Finnen.

Das ist ein Rückstand, den Hirvonen durchaus schnell wieder aufholen könnte, wenn er zu seiner Schwedenform zurückfindet und wieder, wie angekündigt, auf Sieg fährt. Doch Rallyeexperte Armin Schwarz glaubt nicht ganz, dass der Ford-Finne seinen französischen Rivalen so einfach wieder überflügeln kann. "Die Ankündigung allein macht es nicht aus. Ich glaube, dass Loeb nach wie vor zu stark ist. Da gehe ich fest davon aus", betont Schwarz gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Der frühere Europameister sieht auch nach wie vor nicht in Hirvonen den Ford-Piloten, der in der Lage ist, langfristig gegen Loeb anzufahren, sondern in Latvala. Der junge Finne zeigt immer wieder, wie schnell er sein kann. Doch nach seiner komplett misslungenen Saison 2009 muss Latvala nun bei Ford den Wasserträger für Hirvonen spielen und zunächst konstanter werden, bevor er selbst angreifen kann. "Damit muss er leben und umgehen", meint Schwarz. "Nach der vergangenen Saison wird er nicht groß etwas gegen die Entscheidungen von Teamchef Malcolm Wilson sagen."

Einer, der in Mexiko endlich wieder ganz vorn mitmischen konnte, war Petter Solberg. Nachdem er mit seinem Citroën C4 WRC zunächst dominieren und dann auf den zweiten Platz fahren konnte, schwebt der Norweger derzeit vor sportlicher Glückseligkeit. Doch sein enger Freund Schwarz will noch nicht versprechen, dass Solberg künftig immer vorn um den Sieg mitkämpfen kann.

"Wenn man mal genau in die Analyse geht, dann sieht man, dass er das Meiste am ersten Tag geholt hat, wo er einfach eine sehr gute Startposition hatte. Und die dürfen wir nicht außer Acht lassen. Und ich glaube, dass ihm das auch selbst bewusst ist", betont der Experte. "Er motiviert sich natürlich an dem Ergebnis, aber ob er es beständig machen kann, wird sich zeigen."

Schwarz rät Solberg, das Auto so zu fahren, wie es er von Citroën bekommt, anstatt zu sehr zu versuchen, unbedingt eine eigene Abstimmung für den C4 zu finden. "Er sollte sich sagen: 'Ich fahre das Auto einfach so, wie es ist und wie Citroën es mir gibt und dann schaue ich, wie schnell ich damit fahren kann'. Dass er unbedingt die eigene Abstimmung ans Auto will, ist meiner Meinung nach sein größtes Handicap. Statt beweisen zu wollen, dass er und das Team besser sind als Citroën, sollte er lieber zeigen, dass er als Fahrer besser ist", so Schwarz.

Der Meisterschaft würde es allerdings laut Schwarz "unheimlich gut tun", wenn Solberg weiter vorn mitmischen könnte. Er sieht jedoch auch noch einen anderen Kandidaten auf konstant vordere Plätze: Citroën-Junior Sébastien Ogier, der Werkspilot Dani Sordo inzwischen "richtig unter Druck setzt". Doch eines fällt dabei auf: Alle fahren im Citroën. "Wenn Ford einmal ausgespielt ist, dann sind es eh nur noch Citroëns, die vorn mitfahren können. Und so eine Einmarkenmeisterschaft ist schlimm", erklärt Schwarz.

Was die WRC auch seiner Meinung nach dringend braucht, sind neue Hersteller. Die FIA hofft, dass in dieses Thema Bewegung kommt, indem nun für 2011 der Einsatz des 1,6-Liter-"Weltmotors" beschlossen wurde. Doch das allein reicht laut Schwarz nicht aus: "Wenn, dann muss man an vielen Dingen etwas bewegen, aber das diskutieren wir seit zwei, drei oder fünf Jahren und da sehe ich nichts richtig passieren", gibt er zu bedenken. "Auch mit Weltmotor senken sich für die Interessenten die Kosten nicht so deutlich, dass sie in die WM einsteigen können. Damit hast du nach wie vor noch keinen Hersteller im Boot."

Eines ist der WRC zumindest schon in diesem Jahr gelungen: Sie hat neue Zielgruppen erreicht, die sich bisher nicht für den Rallyesport interessiert haben. Und das dank Kimi Räikkönen. Der frühere Formel-1-Weltmeister bringt die WRC auch in Medien, die bisher nur wenig oder gar nicht über die Rallye-WM berichtet haben. Doch Schwarz warnt davor, "dass die eigentliche Rallye neben Räikkönen nur als Randnotiz auftaucht": "Es ist ein bisschen schade, wenn ich in einer Zeitung sehe, dass Kimi Räikkönen mit einem Dreifachsalto fast eine halbe Seite bekommt und dass Loeb, der die Rallye gewonnen hat, nur unten in einer Nebennotiz erscheint. Das würde dem Rallyesport überhaupt nicht helfen."

Und wie bewertet der Experte die Chancen von Neueinsteiger Räikkönen, sich im Feld der etablierten Piloten zu behaupten? "Vielleicht hat er mal das eine oder andere Highlight, aber letztlich glaube ich und gehe ich fest davon aus, dass es für ihn nicht anders laufen wird, als es bisher gelaufen ist. Und wer weiß, vielleicht ist das sowieso nur ein Ausgleichsprogramm, bis Kimi bei Red Bull Formel 1 fahren kann."

Fotoquelle: xpb.cc

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