Sébastien Loeb hat riskiert, die Führung bei der Rallye Jordanien zu behalten

Rallye 2010

— 02.04.2010

SS12-13: Loeb mit Tagessieg - etwas überraschend....

Sébastien Loeb nimmt am letzten Tag in Jordanien die Rolle des "Straßenkehrers" auf sich - Sébastien Ogier verrechnet sich, Jari-Matti Latvala Dritter

Der zweite Tag der Rallye Jordanien endete anders als erwartet: Sébastien Loeb führt nach insgesamt 13 Wertungsprüfungen mit 24,6 Sekunden Vorsprung auf Citroën-Junior Sébastien Ogier und 27,7 Sekunden Vorsprung auf Ford-Pilot Jari-Matti Latvala. Das wirkt auf den ersten Blick zwar nicht ungewöhnlich, ist aber nicht das Ergebnis, das Citroën für den Abend des zweiten Tages geplant hatte.

Denn Loeb sollte nur die Führung behalten, wenn sein Vorsprung größer als 30 Sekunden ist. Ansonsten wollten die Franzosen, dass Latvala an der Spitze bleibt und morgen als Erster auf der Piste wieder den "Straßenkehrer" spielt. Im Idealfall sollte sich auch noch Ogier vor Loeb platzieren, damit dieser mit den deutlichen Vorteilen von Startposition drei in die verbleibenden acht Wertungsprüfungen gehen kann. Doch das Taktieren lief nicht so, wie man sich das bei Citroën vorgestellt hatte. Nun muss Loeb die Straße kehren, Ogier direkt nach ihm starten und Ford-Rivale Latvala hat die bessere Ausgangslage.

Loeb entschied sich, auf der über 40 Kilometer langen letzten Prüfung des Tages "Jordan River 2" etwas zu riskieren. Er war als Führender mit einem Vorsprung von 5,4 Sekunden auf Latvala in die WP gegangen. Doch statt so zu fahren, dass er ein paar Sekunden hinter den Finnen zurückfällt, beschloss Loeb, Vollgas zu geben und zu versuchen, diesen Vorsprung auf die nötigen 30 Sekunden auszubauen. Das gelang ihm fast, aber eben nicht ganz. Und es ist nicht sicher, ob sein Polster nun ausreicht, um nach den morgigen Prüfungen immer noch vorn zu sein.

"Ich habe einfach versucht zu pushen, mehr ging nicht mehr", berichtet Loeb. Er macht weiter keinen Hehl daraus, dass er das Reglement mit den Startpositionen, das die Toppiloten bei Schotterrallyes beinahe zum Taktieren zwingt, nicht mag: "Ich weiß nicht, ob es eine gute Entscheidung war, aber ich habe gezockt. Vielleicht war es falsch, vielleicht auch nicht. Wir werden es sehen."

Ogier dagegen versuchte zu taktieren - und das ging schief. Der Citroën-Junior versuchte, sich im Gesamtklassement knapp hinter Latvala einzureihen, liegt nun aber 3,1 Sekunden vor dem Finnen. Latavala hinter sich zu halten, wird für Ogier morgen ganz schwer. Entsprechend verärgert rauschte er wortlos aus dem Zielraum davon.

Latvala dagegen war der große Gewinner: Er fürchtete schon, morgen wieder den Straßenkehrer spielen zu müssen, nun hat er aber eine optimale Ausgangslage. Wenn er wieder so gut fährt wie heute - er konnte den Zeitverlust überraschend gut im Rahmen halten - hat er alle Chancen auf den Sieg. "Dritter ist natürlich gut. Der Rückstand ist auch okay. Ich kann nicht versprechen, dass ich Loeb noch einhole, aber ich werde es versuchen", kündigt Latvala an.

Doch noch anderee Piloten könnten sich morgen nach vorn katapultieren: Petter Solberg und Dani Sordo. Citroën-Privatier Solberg liegt mit 15 Sekunden Rückstand auf die Top 3 auf Rang vier und hat zumindest alle Chancen auf das Podest. Dafür müsste es aber wesentlich besser für ihn laufen als heute. Denn der Norweger konnte vor allem in der langen Prüfung seine gute Startposition nicht wie erhofft nutzen, sondern verlor stattdessen an Boden.

"Ich weiß auch nicht, was in dieser Prüfung los war. Speed, Rhythmus und Traktion haben einfach nicht gepasst. Ich hatte viel zu viel Übersteuern, das müssen wir uns jetzt einmal anschauen", berichtet Solberg. Nur 5,6 Sekunden hinter dem Norweger lauert Citroën-Werkspilot Dani Sordo, der seine Startposition ebenfalls nutzen will, um weiter nach vorn zu kommen.

Andere Piloten haben kaum mehr die Chance, ganz vorn mitzumischen, denn hinter den Top 5 ist die Lücke schon auf über vier Minuten angewachsen. Sechster ist Stobart-Pilot Matthew Wilson vor Munchi's-Pilot Federico Villagra.

Kimi Räikkönen hat seinen C4 auch nach dem schwierigen zweiten Tag der Rallye Jordanien heil ins Ziel gebracht. Er liegt auf einem guten achten Platz, war mit sich aber nicht rundherum zufrieden: "Etwa drei Kilometer vor dem Ende dieser Prüfung hatte ich einen Dreher, der mich etwas Zeit gekostet hat. Ich habe wieder viel gelernt, aber morgen wartet wieder ein harter Tag", so Räikkönen. Stobart-Pilot Henning Solberg, der am Vormittag wegen eines Reifenschadens sieben Minuten verlor, ist hinter dem Finnen Neunter, S-WRC-Pilot Xevi Pons komplettiert die Top 10.

Für Latvalas Teamkollegen Mikko Hirvonen war der Freitag bereits in der ersten Prüfung am Morgen mit gebrochener Aufhängung beendet. Er schied zum ersten Mal seit der Rallye Mexiko 2006 wegen eines Fahrfehler aus. "Ich kann es nicht glauben. Ich habe über eine Kuppe eine zu enge Linge gewählt. Das Auto hat dann in einer Rechtskurve innen eine Schotterböschung gerammt", schildert Hirvonen.

Und weiter: "Durch den Aufprall wurde das Auto in die Luft und über die Straße geworfen. Ich hatte Glück, dass wir uns nicht überschlagen haben. Aber wir sind auf dem linken Vorderrad gelandet und haben die Aufhängung abgebrochen", schildert Hirvonen. Er wird morgen wahrscheinlich unter SupeRally-Bedingungen wieder an den Start gehen.

Fotoquelle: Rallye Jordanien

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