Jari-Matti Latvala siegte in Neuseeland mit 2,4 Sekunden Vorsprung

Rallye 2010

— 09.05.2010

SS20/21: Latvala siegt nach Neuseeland-Dramen!

Es blieb bis zum letzten Meter dramatisch: Jari-Matti Latvala siegt knapp vor Sébastien Ogier und Sébastien Loeb - Petter Solberg kracht in Strommast

Sébastien Loeb sah schon wie der Sieger aus, dann stand Sébastien Ogier kurz vor seinem ersten WRC-Triumph - doch am Ende war es Ford-Pilot Jari-Matti Latvala, der sich bei der Rallye Neuseeland als Sieger feiern lassen darf. Für den jungen Ford-Piloten ist es der dritte WRC-Pilot seiner Karriere und der erste seit rund einem Jahr. Und Latvala machte Ford damit zum siegreichsten Hersteller in der Rallyegeschichte.

Im Ziel hatte Latvala denkbar knappe 2,4 Sekunden Vorsprung auf Citroën-Junior Ogier, der seinen ersten WRC-Sieg drei Kurven vor Schluss wegwarf und im Ziel erst einmal von seiner Freundin getröstet werden musste. Citroën-Star Loeb sicherte sich nach zwei Abflügen und einem Dreher in der letzten Prüfung noch den dritten Platz, 12,8 Sekunden hinter Ogier. Petter Solberg, der auf Rang drei liegend auch noch Chancen auf den Sieg hatte, schied nach einem heftigen Crash in der letzten Prüfung aus, als er einen Strommasten rammte.

Platz vier ging damit an Latvalas Ford-Teamkollegen Mikko Hirvonen, 6,1 Sekunden hinter Loeb. Weitere 4,5 Sekunden dahinter wurde Citroën-Werkspilot Dani Sordo Fünfter, gefolgt von den Stobart-Piloten Matthew Wilson und Henning Solberg. Jari Ketomaa wurde als S-WRC-Sieger Achter, Munchi's-Pilot Federico Villagra Neunter. Xevi Pons komplettierte die Top 10 und wurde Zweiter in der S-WRC. Der Sieg in der P-WRC ging an Lokalmatador Hayden Paddon vor Emma Gilmour.

Waren schon die ersten beiden Tage in Neuseeland turbulent, so nahm die Dramatik am heutigen abschließenden Sonntag noch zu. Im Mittelpunkt stand dabei - wie schon oft in den vergangenen Jahren - die 30 Kilometer lange legendäre Prüfung "Whaanga Coast", die als drittletzte (SS19) und letzte Prüfung (SS21) zweimal durchfahren wurde. Beide Male nahm der Rallyeverlauf hier noch einmal eine dramatische Wende.

Zunächst sah es so aus, als ob Sébastien Loeb nach seiner sensationellen Aufholjagd vom Samstag auf dem Weg zum Sieg ist. Nachdem er wegen eines Unfalls am Freitag auf Rang sieben zurückgefallen war, hatte der Citroën-Star sich am Samstag mit einer historischen Leistung wieder auf den zweiten Platz verbessert und am heutigen Sonntagmorgen in der ersten Prüfung die Führung übernommen. Ogier, der an der Spitze übernachtet hatte, hatte einen Abzweig verpasst und damit zehn Sekunden eingebüßt.

Doch in der ersten Durchfahrt von "Whaanga Coast" hatte Loeb wieder einen Unfall. In einer langgezogenen Rechtskurve verlor er die Kontrolle über seinen C4 WRC, rammte eine Böschung und ein paar Bäume. Er blieb hängen, verlor 48 Sekunden und fiel damit wieder auf den vierten Platz zurück.

Nach Loebs Malheur war der Weg frei für einen packenden Dreikampf um den Sieg. Ogier ging als Führender in die letzte Prüfung, vor Latvala und Solberg. Auch Loeb hatte noch theoretische Siegchancen, die Top 4 waren vor den letzten 30 Kilometern nur durch 17,7 Sekunden getrennt. In der abschließenden zweiten Durchfahrt von "Whaanga Coast" war also volle Attacke angesagt - und die Ereignisse überschlugen noch einmal.

Es ging damit los, dass Spitzenreiter Ogier ins Rutschen geriet und kurz stehenblieb. Der junge Franzose konnte - seinen ersten WRC-Sieg vor Augen - aber in seinen Splitzeiten einen minimalen Vorsprung auf Latvala halten. Doch kurz vor dem Ziel leistete er sich einen weiteren Abflug, und der kostete die entscheidenden Sekunden. Ogier musste sich Latvala mit 2,4 Sekunden geschlagen geben.

Das Drama ging weiter: Petter Solberg riskierte alles, um sich seinen ersten Sieg seit fünf Jahren und seinen ersten Triumph als Privatier zu holen. Dabei ging er zu sehr ans Limit und rammte einen Strommasten. Sein C4 wurde schwer beschädigt, Solberg und sein Beifahrer Phil Mills blieben aber unverletzt. Loeb wiederum gab auch noch einmal Vollgas, um vom vierten Platz aus noch herauszuholen, was es herauszuholen gibt. Auch er hatte einen Dreher, durch Solbergs Missgeschick war ihm aber der dritte Platz sicher.

Konstanz führt Latvala zum Sieg

Nach 396,50 dramatischen Kilometern war es also Latvala, der den Sieg feiern durfte - obwohl er keine einzige der 21 Wertungsprüfungen für sich entschieden hatte und ein bisschen zu vorsichtig in die letzte Schleife gestartet war. Schließlich hätte er so oder so für Ford die maximale Anzahl an Punkten für die Markenwertung geholt, denn weder Ogier noch Solberg waren für diese Wertung nominiert.

Sieger Latvala kann sein Glück kaum fassen: "Das ist vielleicht der beste meiner bisherigen drei Siege! Ich habe Vollgas gegeben und bin am Ende selbst fast abgeflogen. Ich dachte, dass es nicht reichen würde. Aber er hat einen kleinen Fehler gemacht und wir hatten vielleicht ein bisschen Glück, aber es fühlt sich gut an. Wenn man sich die Prüfungen anschaut - ich habe in der ganzen Rallye keine einzige Bestzeit geholt. Aber die Konstanz zählt!"

Unterdessen ist Ogier verständlicherweise ein Häufchen Elend. "Ich war so, so dicht davor", seufzt er. "Ich habe mich drei Kurven vor dem Ziel gedreht. Das ist so schade." Dass er einmal mehr gezeigt hat, dass er zu den Spitzenpiloten gehört und dass er noch viele Chancen hat, diesen ersten Sieg zu holen, tröstet ihn im Moment auch nicht.

Und Loeb, der eine Rallye wie eine Achterbahnfahrt erlebte? Der ärgert sich darüber, dass er die Chance, den Sieg doch noch zu holen, nicht nutzen konnte: "Wir waren schneller, aber wir hatten in der letzten Prüfung wieder einen Dreher, das hat wieder 20 bis 25 Sekunden gekostet. Jetzt ist es vorbei. Ich bin nicht happy, denn wir hätten gewinnen können."

Loeb führt mit nun 108 Punkten weiter in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Latvala ist nun mit 72 Punkten neuer Zweiter, gefolgt von seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen (64). Ogier hat sich mit 63 Zählern auf Rang vier verbessert, Petter Solberg ist aufgrund seiner Nullnummer auf Rang fünf zurückgefallen (53). In der Markenwertung konnte Ford (nun 151 Zähler) den Rückstand auf Spitzenreiter Citroën (156) auf fünf Punkte verkürzen.

Fotoquelle: Ford


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