Die begeisterten Portugiesen strömen immer in Massen an die Rallyepisten

Rallye 2010

— 26.05.2010

Vorschau Portugal: Im Land der Rallyeverrückten

Portugal ist einer der Klassiker im WRC-Kalender: Die Pisten an der Algarve verlangen von den Piloten viel Flexibiltät und die Fans sind eine Klasse für sich

Die Rallye Portugal ist ein wichtiger Klassiker in der Geschichte der WRC. Die Veranstaltung im westlichsten Land Europas gehörte der Rallye-Weltmeisterschaft bereits im Gründungsjahr 1973 an und zählte bis 2001 zu den Highlights im Kalender. Wertungsprüfungen wie Arganil bleiben bei Zuschauern und Fahrern ebenso unvergessen wie der von Bildern bestens bekannte Sprung von Fafe, an dem jedes Jahr tausende Rallyefans ihren Sport zelebrierten. 2007 kehrte die WRC nach einigen Jahren Pause wieder zurück nach Portugal. Allerdings zog sie von der Region Porto um an die Algarve, wo sie 2007 und 2009 ausgetragen wurde und wo auch 2010 gefahren wird.

Auch wenn die legendären Prüfungen der früheren Jahre jetzt nicht mehr befahren werden, ist die Rallyebegeisterung der Portugiesen ungebrochen geblieben. Sie strömen weiter in Massen an die Pisten und feiern die Piloten, die ihrerseits immer wieder die Fachkenntnis der Fans hervorheben. Um den Zuschauern etwas Besonderes zu bieten, gibt es auch in diesem Jahr wieder Super-Special-Stages im Algarve-Stadion, das bei der Euro 2004 bereits den besten Fußballern Europas als Bühne diente.

Die grenzenlose Rallyebegeisterung in dem kleinen Land auf der iberischen Halbinsel kann aber leider auch ihre Schattenseiten haben. Beim WM-Lauf 2007 wurden fünf Zuschauer verletzt, als Lokalmatador Armindo Araujo im Mitsubishi von der Strecke abgekommen war. Der Veranstalter ACP Motorsport in Lissabon wurde danach von der FIA mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro bestraft. Den Organisatoren wurde vorgeworfen, dass die Fans in einer deklarierten Verbotszone standen, bei der aber die Absperrbänder fehlten.

Organisatorische Mängel und undisziplinierte Fans hatten bereits 2001 dazu geführt, dass die Rallye von 2002 bis 2006 aus dem WM-Kalender gestrichen wurde. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die WM-Rallye 1986, als Ford-Pilot Joaquim Santos (Portugal) in eine Menschenmenge gerast war. Dabei wurden drei Zuschauer getötet und 33 weitere zum Teil schwer verletzt. Das tragische Unglück war der schwerste Zwischenfall in der WM-Geschichte. Er führte damals zu einem Fahrerstreik und letztendlich auch zum Verbot der über 500 PS starken so genannten Gruppe-B-Autos. Unter dem Eindruck dieses Ereignisses hatte sich Audi im Mai 1986 werksseitig aus dem Rallyesport zurückgezogen. Doch die Veranstalter haben ihre Lehren gezogen und versuchen nun alles, um solche Zwischenfälle künftig zu vermeiden.

Reifen werden besonders angegriffen

Bei der Rallye Portugal stehen auch in diesem Jahr wieder insgesamt 18 Wertungsprüfungen auf dem Programm. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es ein paar kleine Veränderungen, was Start- und Zielpunkte mancher Prüfungen angeht. Der größte Unterschied besteht aber darin, dass die Santa-Clara-Prüfung am Freitag (SS2 und SS6) nun andersherum befahren wird.

Die Pisten verlangen von den Piloten viel Flexibilität: Mal sind sie eng, dann wieder breit und schnell. Portugal ist vom Charakter her eine Mischung aus den Rallyes in Argentinien, Griechenland und Sardinien. Auf den Strecken befindet sich eine weiche Staubschicht und darunter harter, festgefahrener Schotter. Ein Faktor ist auch das Wetter. Die Vorhersage prophezeit Sonne und warme Temperaturen - da kann es im Cockpit bis zu 50 Grad Celsius heiß werden.

Bei diesen Bedingungen werden die Reifen besonders angegriffen. "Bei der zweiten Durchfahrt, wenn die losen Steine weggekehrt sind, ist der Grip zwar gut, aber es ist sehr rau. Also müssen wir gut mit unseren Reifen umgehen", weiß Ford-Pilot Mikko Hirvonen. Und Pirelli Ingenieur Matteo Braga pflichtet bei: "Wir haben im vergangenen Jahr erlebt, dass manche Fahrer 40 Prozent mehr Reifenabrieb als andere hatten. Und das, obwohl der Reifen für alle gleich ist. Auf harten und rauen Pisten erwarten wir ziemlichen Abrieb und auch Schäden an der Lauffläche, aber es kommt wirklich darauf an, wie die Fahrer mit den Reifen umgehen."

In den Hügeln der Algarve

Mit 75 gemeldeten Crews ist das Starterfeld der Rallye Portugal das größte der bisherigen WRC-Saison. Ein Großteil der 18 Prüfungen wird in der hügeligen Region Baixo Alentejo im Hinterland der Küstenstadt Vilamoura gefahren. Die Rallyebasis und der Servicepark befinden sich am Algarve-Stadion, wo die Rallye Portugal am Donnerstagabend mit einer 2,2 Kilometer langen Zuschauerprüfung eröffnet wird.

Am Freitagmorgen geht es dann nach Norden in die Hügel der Region Baixo Alentejo. Am zweiten Tag steht mit der26,20 Kilometer langen "Almodovar"-Prüfung zweimal die längste WP des Wochenendes auf dem Programm. Dort warten loser Schotter und felsiger Untergrund auf die Piloten. Am abschließenden Sonntag erreicht die Route ihren höchsten Punkt: In der 14. Wertungsprüfung "Loule" fahren die Autos auf bis zu 350 Meter Meereshöhe. Danach geht es zurück ins Algarve-Stadion, wo die Rallye mit einer weiteren Zuschauerprüfung beendet wird.

Als klarer Favorit geht Sébastien Loeb in die Rallye Portugal. Er konnte bei den beiden jüngsten Auflagen 2007 und 2009 gewinnen. Doch seine Ford-Rivalen Mikko Hirvonen und Jari-Matti-Latvala lauern auf ihre Chance, ihrem Ruf als Schotter-Spezialisten gerecht zu werden und Loeb zu schlagen. Und auch Citroën-Privatier Petter Solberg und Citroën-Junior Sébastien Ogier sollte man für die vordersten Plätze mit auf der Rechnung haben.

Fotoquelle: Ford


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