Bei der Rallye Portugal mussten die Reifen von Pirelli bis ans Limit gehen

Rallye 2010

— 31.05.2010

Pirelli: Rallye-Reifen sind ein Kompromiss

Matteo Braga im Interview über die Beanspruchung der Pirelli-Pneus in Portugal, mögliche Verbesserungen und das straffe Reglement

Die Rallye Portugal stellte Fahrer und Fahrzeuge in diesem Jahr einmal mehr vor eine große Herausforderung, doch auch das "schwarze Gold" wurde erneut kräftig beansprucht. Die rauen Oberflächen der Portugal-Routen sorgten dafür, dass viele Piloten in Schwierigkeiten gerieten. Im Interview nimmt Pirelli-Reifenchef Matteo Braga Stellung zu diesen Problemen und spricht über mögliche Lösungsansätze und darüber, weshalb Abhilfe nicht ohne Weiteres in Sicht ist.

Frage: "Matteo, einige Fahrer klagten im Anschluss an die Rallye Portugal über heftigen Reifenverschleiß zum Ende der Prüfungen. Was war da los?"
Matteo Braga: "Die Prüfungen von Portugal sind ziemlich hart, vor allem bei der zweiten Durchfahrt - die Prüfungen werden auf einer sehr rauen Felsenoberfläche abgehalten."

"Auf der Straße finden sich viele scharfe Steine und unsere Scorpion-Reifen können da durchaus einen Schaden davontragen. Speziell an den WRC-Fahrzeugen, die am Kurvenausgang viel Traktion und ein hohes Drehmoment haben. Diese Autos sind noch dazu sehr schnell. Zusammen mit der guten Bremsleistung stellt das die Reifen auf eine harte Probe."

"Dieses Phänomen wird durch Lufttemperaturen von 31 Grad Celsius und Streckentemperaturen von 38 Grad Celsius noch hervorgehoben. Wenn 75 Rennwagen dann noch ein zweites Mal über die Prüfungen hinwegfegen, liegen natürlich noch mehr Steine auf der Fahrbahn."

Frage: "Welche Beschädigungen haben die Reifen erlitten?"
Braga: "Die Pneus weisen eine verstärkte Konstruktion auf, die dazu beitragen soll, Reifenschäden zu verhindern. Unter den von der FIA verabschiedeten Richtlinien ist es uns schließlich nicht erlaubt, diesbezüglich auf Schaumtechnologie zu setzen."

"Bei aller Technologie, die allerdings zum Einsatz kommt, können Steine das Profil aufschlitzen und den Reifengürtel freilegen. Dadurch verlieren die Pneus erst an Grip und wenn sie letztendlich komplett verschlissen sind, ist buchstäblich auch die Luft raus."

Frage: "Weshalb hat Pirelli keinen Reifen entworfen, der besser zu diesen Bedingungen passt? Es gab ja schließlich schon im vergangenen Jahr einen hohen Reifenverschleiß in Portugal..."
Braga: "Aufgrund unserer Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr war uns klar, dass es bei dieser Rallye zu Problemen mit der Abnutzung der Reifen kommen würde."

"Auch den Fahrern und ihren Teams war das bewusst. Es lag also auf der Hand, dass man die Reifen gut behandeln musste. Das trifft aber auch auf Komponenten wie das Getriebe, den Motor oder das Differential zu. Werden diese Bauteile über Gebühr beansprucht, kann das die Effizienz reduzieren und die Haltbarkeit des betreffenden Elements beeinträchtigen."

"Bei den Reifen ist das nicht anders. Sébastien Ogier und Sébastien Loeb haben beim Reifenhaushalt einen sehr guten Job gemacht. Sie stellten sicher, dass ihre Pneus eine konstante Leistung zeigen konnten. Darüber hinaus muss man bedenken: Die Rallye Portugal fand in diesem Jahr knapp zwei Monate später statt als letztes Mal. Daher sind die Temperaturen etwas höher."

"Die Regularien der FIA schreiben das Design eines Reifens für Schotter vor, den wir als harte und weiche Mischung anbieten. Dieser Reifen kann bei verschiedenen Events und Bedingungen zum Einsatz kommen. Für die Rallye Neuseeland ist dieser Pneu ideal, in Portugal ist er hingegen eher ein Kompromiss. Doch darüber waren sich alle im Klaren."

"Weiterhin gilt es die unterschiedlichen Levels von Fahrern und Autotypen zu beachten. Genau wie bei den WRC-Autos, so kommt der Scorpion-Reifen auch bei Gruppe-N-Fahrzeugen und in der S2000-Kategorie zum Einsatz. Diese Rennwagen haben ein anderes Leistungsniveau und dementsprechend auch einen anderen Reifenverschleiß."

Frage: "Was kann künftig in dieser Sache unternommen werden?"
Braga: "Sicherlich können wir die Widerstandsfähigkeit des Reifens noch einmal erhöhen, indem wir Veränderungen am Profil und am Aufbau vornehmen - oder, indem wir die Mischung dahingehend modifizieren, dass der Karkasse ein besserer Schutz zuteil wird. Wir haben die Technologie, um das zu schaffen. Wir haben sogar ein entsprechendes Produkt, den XR-Reifen."

"Dieser Pneu kam in der Vergangenheit bei Events wie der Akropolis-Rallye zum Einsatz. Für Events wie Portugal, wo wir eine sehr harte Oberfläche vorfinden, wäre dieser Reifen ideal. Für andere Schotterevents wie Finnland, wäre dieser Gummi hingegen vollkommen ungeeignet. Unter den aktuellen Reifenregeln müssen wir den gleichen Pneu allerdings überall einsetzen, also ist das immer ein Kompromiss."

Fotoquelle: xpb.cc


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