Sébastien Loeb hat trotz unglücklicher Reifenwahl ein großes Polster

Rallye 2010

— 10.07.2010

SS8-10: Loeb weiter unbeirrt auf Siegkurs

Sébastien Loeb hat als Bulgarien-Führender nach dem zweiten Tag 40 Sekunden Vorsprung, Petter Solberg macht Druck auf den Zweitplatzierten Dani Sordo

Sébastien Loeb liegt auch nach dem zweiten Tag der Rallye Bulgarien unbeirrbar auf Siegkurs. Der Citroën-Star hat nach insgesamt neun gefahrenen Prüfungen (eine WP musste heute wegen zu großen Zuschauerandrangs abgesagt werden) einen Vorsprung von über 40 Sekunden auf seine Verfolger. Citroën beendete den zweiten Tag mit einer Vierfachführung. Den Grundstein legte man dafür am Morgen, als man bei tückischen Mischbedingungen die richtige Reifenwahl traf.

Loebs Teamkollege Dani Sordo ist weiter Zweiter, er gerät aber mächtig unter Druck von Privatier Petter Solberg, der als Dritter nur noch 4,7 Sekunden Rückstand auf den Spanier hat. Citroën-Junior Sébastien Ogier konnte sich am Morgen vom sechsten auf den vierten Platz verbessern. Auf dieser Position ist er nun recht einsam - auf die Top 3 fehlen ihm 1:20 Minuten, dafür hat er nach hinten ein Polster von über 44 Sekunden.

Ford verpokerte sich am Morgen mit der Reifenwahl, Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala fielen zurück auf die Plätze fünf und sechs. Ihr Rückstand auf Spitzenreiter Loeb wurde auch am Nachmittag größer, Hirvonen fehlen 2:50.4 Minuten auf den Weltmeister, Latvala sogar 3:33.1 Minuten. Stobart-Gaststarter Per-Gunnar Andersson liegt nach dem zweiten Tag weiter auf Rang sieben vor dem Ungarn Frigyes Turan (Peugeot 307 WRC) sowie Stobart-Stammpilot Matthew Wilson und Henning Solberg, der im Ford Fiesta S2000 startet.

Ford wollte heute eigentlich von den Plätzen vier und fünf aus eine große Aufholjagd auf die Citroëns starten, hat sich dabei aber selbst ein Bein gestellt. Bei tückischen Mischbedingungen verpokerte sich Ford bei der Reifenwahl. Während Citroën auf die weiche Mischung für feuchte Straßen setzte, wurden auf fast alle Focus WRC harte Reifen für trockenen Asphalt aufgezogen.

Denn man war davon ausgegangen, dass die letzten feuchten Stellen schnell abtrocknen - doch das war vor allem in der ersten Prüfung am Morgen nicht der Fall, stattdessen gab es lokale Regenschauer, die im Ford-Wetterbericht nicht vorhergesagt waren. Hirvonen und Latvala hatten keinerlei Grip und rutschten über die Straßen, so schnell es ging. Die beiden verloren aber schon am Morgen über eine Minute. Zwar lief es danach besser, aber der Schaden war bereits zu groß.

Für den Nachmittag waren Regenschauer vorhergesagt und es gab erneut interessante Reifenstrategien. So entschieden sich Sordo und Ogier dafür, vorne weiche und hinten harte Reifen aufzuziehen. Petter Solberg dagegen setzte ganz auf hart - und behielt Recht. Denn es blieb trocken - so konnte der Norweger seine Aufholjagd auf Sordo starten und in allen drei Nachmittagsprüfungen die Bestzeit holen. Zudem fand Solberg im Mittagsservice eine bessere Abstimmung.

Auch die beiden Ford-Werkspiloten waren diesmal auf harten Reifen unterwegs. Hirvonen konnte damit tatsächlich zunächst besser fahren, doch bei Latvala kam zum fehlenden Glück noch Pech dazu: Seine Servolenkung streikte, was viel wertvolle Zeit kostete. Unterdessen zeigte Loeb sein ganzes Fahrkönnen. Sein C4 war zwar mit weichen Reifen für nasse Bedingungen besohlt, doch das hinderte ihn nicht daran, seine Führung auch auf knochentrockenen Straßen komfortabel zu behaupten.

"Wir haben uns am Nachmittag bei der Reifenwahl vertan, aber wir sind auf Sicherheit gegangen", berichtet Loeb im Ziel. "Es hätte regnen können. Und wenn Solberg auf weichen Reifen unterwegs gewesen wäre und wir auf harten, dann hätte er uns eine Minute oder so abnehmen können. So wussten wir, dass wir etwas Zeit verlieren würden, wenn es nicht regnet, aber nicht allzu viel. Und es ist okay, ich habe nicht allzu viel Zeit verloren, kein Problem also. Morgen müssen wir das Auto auf der Straße halten, dürfen nicht zu viel riskieren und dann sollte es passen."

Teamkollege Sordo dagegen versuchte zu pushen, "ich habe wirklich attackiert, aber es war unmöglich, eine bessere Zeit zu fahren. Das Auto schwimmt ziemlich, es ist sehr schwer zu fahren. Vielleicht ist es morgen besser, ich weiß es nicht." Der Spanier wurde bei drohendem Regen aber auch morgen die gleiche Reifenwahl treffen: "Das ist das Risiko."

"Es ist toll, dass wir als Privatteam so fighten können", freut sich Petter Solberg nach seinen drei Bestzeiten. "Die Änderung am Auto heute Mittag hat sehr viel gebracht, ich konnte vor allem in der Kurvenmitte wesentlich mehr attackieren. Alles läuft gut und es macht wirklich Spaß. Ich bin sehr zufrieden." Er will morgen jedoch keine Dummheiten machen und Rang drei riskieren, nur um vielleicht noch Zweiter zu werden. Sein neuer Beifahrer Chris Patterson ist nicht minder begeistert: "Es war fantastisch. Perfekt, drei Bestzeiten!"

Im Ford-Lager hat man die Hoffnung auf Podestplätze dagegen aufgegeben. "Ja es war ein Fehler, aber wir müssen darüber hinwegkommen", sagt Hirvonen über die missglückte Reifenwahl am Morgen. "Shit happens. Wir haben einen Fehler gemacht. Aber der Nachmittag war dann ganz okay."

Teamkollege Latvala ist nach dem harten Nachmittag vor allem erschöpft, drei Prüfungen musste er ohne Servolenkung fahren. "Es war ein sehr schwieriger Tag für uns, erst der Fehler mit den Reifen und dann das Problem mit der Servolenkung. Ich muss jetzt zu unserem Physio, ich hatte jetzt kaum mehr Kraft in den Armen", berichtet der junge Finne. "Morgen muss ich mich darauf konzentrieren, die Rallye zu beenden und Punkte zu holen, das ist das Wichtigste. Und ich will ein gutes Feeling beim Fahren entwickeln."

Citroën-Junior Kimi Räikkönen konnte nach seinem Crash gestern heute auch wieder fahren. Der Finne legte erneut beständig gute Zeiten hin und verbesserte sich im Gesamtklassement von Rang 26 auf Platz 14. "Ich habe heute nicht so gepusht wie gestern", berichtet der "Iceman" und Beifahrer Kaj Lindström ergänzt: "Das Schwierigste für ihn war heute wahrscheinlich, sich zu motivieren, wenn es um nichts mehr geht, wenn man nicht mehr pushen muss. Es war trotzdem ein guter Tag."

In der Junioren-Wertung führt Thierry Neuville vor Hans Weijs und Yeray Lemes.

Am morgigen Sonntag stehen noch vier weitere Prüfungen auf dem Pogramm. Bis zum Ziel sind noch insgesamt 94,52 gezeitete Kilometer zu absolvieren.

Fotoquelle: Citroen


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