Ab dem kommenden Jahr bekommt Pirelli in der WRC Konkurrenz - oder auch nicht

Rallye 2010

— 22.07.2010

Reifenpläne der FIA sorgen bei Pirelli für Bedenken

Erste Details über die Reifenplanungen für die WRC-Saison 2011 sickern durch - Laut Pirelli-Chef Paul Hembery ist das nichts Halbes und nichts Ganzes

Die Klärung der Reifenfrage für die WRC-Saison 2011 gestaltet sich zäh. Der exklusive Ausrüstervertrag mit Pirelli läuft nach 2010 aus. Die Italiener haben sich als einziger Hersteller um einen neuen exklusiven Dreijahresvertrag beworben. Doch die FIA möchte in der WRC wieder Wettbewerb unter den Reifenherstellern. Und so wurde es auch nichts aus einem Übergangsjahr, das angeblich für 2011 mit Pirelli als alleinigem Liefaranten angedacht war.

Die FIA möchte den Wettbewerb, und das schon ab nächster Saison - auch wenn nicht einmal die Teams von dieser Idee sonderlich begeistert sind. Nun hat die FIA Vorgaben für die Reifen und deren Homologation erarbeitet, an die sich alle interessierten Hersteller halten müssen. Die entsprechenden Dokumente liegen unseren Kollegen von 'Autosport' vor.

Demnach muss ein in der WRC engagierter Hersteller einen Asphalt-Reifen in zwei verschiedenen Mischungen, einen Schotterreifen in zwei verschiedenen Mischungen sowie einen Reifen für Schnee und Eis produzieren. Die Reifenhersteller selbst können ihre Pneus ohne jede Einschränkungen auf jedem Untergrund testen - doch die Marken wie Ford und Citroën bekommen eine Testbeschränkung von 1.000 Testkilometern pro Reifentyp und dürfen in vier Zwei-Tages-Tests nicht mehr als 100 Pneus testen.

Zudem möchte die FIA in den Jahren 2012 und 2013 die Anzahl der zur Verfügung stehenden Reifen um 15 bis 20 Prozent reduzieren. Interessierte Unternehmen müssen sich bis zum 1. September bei der FIA bewerben, bis zum 15. September möchte der Weltverband dann eine Liste aller nominierten Hersteller veröffentlichen. Danach gibt es weitere Fristen: Bis Anfang November müssen alle Schotter- bis Ende November alle Asphalt- und bis zum 20. Dezember alle Winterreifen für die Teams verfügbar sein und an die FIA gegeben werden.

Ein Knackpunkt jedoch, der unter anderem bei Pirelli für massive Bedenken sorgt, ist die Vorgabe, dass die Reifenspezifikation, sobald die Pneus einmal produziert sind, für die Saison 2011 nicht mehr verändert werden darf, außer es liegt eine ausdrückliche Genehmigung durch die FIA vor.

"Ich muss sagen, dass mich dieses Dokument ziemlich verwirrt ", sagt Pirelli-Chef Paul Hembery zu 'Autosport'. "Mir ist noch nicht ganz klar, was wir hier haben. Das ist weder das Szenario für einen Einheitsreifen, noch schafft man damit ein Umfeld, das den Herstellern Wettbewerb bietet. Man kann mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass ein Reifenhersteller, der bei der ersten Schotterrallye fernab jeder Konkurrenzfähigkeit ist, das einfach bis zur nächsten Saison aussitzt und sich schlagen lässt. Das ist nicht, was wir unter Wettbewerb verstehen. Für Pirelli findet Wettbewerb auf der technischen Seite der Reifenentwicklung statt."

Im Moment sei es zwar "ziemlich aus der Mode", Geld dafür auszugeben, um mit den Reifen schneller zu werden und die WRC sei nicht unbedingt die Bühne für neue Reifenkriege. "Aber es gibt einen Masterplan und man versucht, sich an die Veränderungen anzupassen. Das ist alles ein Teil der größeren Strategie, dem Rallyesport wieder zu so viel Interesse und Teilnehmern zu verhelfen wie früher", sagt Hembery.

Zudem hat der Pirelli-Chef Bedenken wegen der Schlupflöcher, die die FIA-Vorgaben bieten könnten. Er verweist auf "unsinnige Ausnahmeregelungen", die er im GT-Sport erlebt hat und fürchtet, dass es in der WRC auch dazu kommen könnte. Und in Anbetracht der kurzen Zeit, die für Entwicklung und Tests zur Verfügung steht - "und die hohen Kosten, die durch beide Prozesse verursacht werden" - glaubt Hembery nicht, dass viele Reifenhersteller in die WRC drängen werden.

Pirelli selbst überdenke seine Position noch und entscheide dann, "welche Marke wir in Zukunft im Rallyesport einsetzen."

Fotoquelle: xpb.cc


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