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Rallye 2010

— 26.07.2010

Finnland: Jubiläums-Flugshow zwischen den 1.000 Seen

Die Rallye Finnland hat ihren berühmt-berüchtigten Ruf nicht von ungefähr: Ultraschnelle Pisten und unzählige Mega-Sprünge - 60. Auflage mit neuem Format

Rallyefahren ist ohnehin nur etwas für Könner, aber die Rallye Finnland ist noch einmal etwas ganz Besonderes. Die WRC-Saison hat ihre Halbzeitmarke erreicht und nun steht ein echter Knaller auf dem Programm: die berühmt-berüchtigte Rallye Finnland (29. bis 31. Juli). Die frühere "1.000-Seen-Rallye" wird auch gern als "Schotter-Grand-Prix" bezeichnet.

Die Rallye mit Basis in Jyväskylä ist eine der bekanntesten im Kalender und sie ist eine Mischung aus Vollgasgeraden in den Wäldern, Mega-Sprüngen, über die die Autos fliegen, und absoluten Mutkurven. Das zieht seit dem WRC-Debüt 1973 in jedem Jahr hunderttausende von Fans an die finnischen Rallyepisten. Und 2010 darf ein Jubiläum gefeiert werden - die insgesamt 60. Auflage des Klassikers.

Da man die Route genauestens kennen muss und der Aufschrieb bei diesem Lauf noch wichtiger ist als sonst, dominieren meist die Lokalmatadoren die Show in Finnland. Bisher ist es erst vier Nicht-Skandinaviern gelungen, diese Rallye zu gewinnen: Carlos Sainz, Didier Auriol, Markko Märtin (der als Este eigentlich auch als "halber Skandinavier" zu werten ist) und im 2008 Sébastien Loeb. Doch im vergangenen Jahr ging der Sieg wieder am einem Einheimischen: Ford-Pilot Mikko Hirvonen.

Im Gegenzug überrascht auch nicht, dass Finnland und andere skandinavische Länder so viele Rallyestars hervorgebracht haben, wenn diese Pisten als Übungsgelände dienen. Finnland gilt als "Heimat des Rallyesports" und hat insgesamt sechs Weltmeister hervorgebracht, die seit 1979 zusammen 13 von 30 möglichen Titeln geholt haben.

Die berühmteste Wertungsprüfung der Rallye Finnland steht allerdings seit 2008 nicht mehr auf dem Programm: "Ouninpohja". Auf dieser turboschnellen Prüfung mit ihren waghalsigen Sprüngen hält Petter Solberg den Rekord mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 130 Stundenkilometern, damals gefahren im Subaru Impreza. Da die Verantwortlichen nach der Finnland-Rallye 2007 zu dem Schluss kamen, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, wurde die "Ouninpohja" gestrichen.

Und noch weitere Rekorde gibt es bei der Rallye Finnland zu verzeichnen. Marcus Grönholm konnte nicht nur seinen Heimlauf sage und schreibe sieben Mal gewinnen. "Bosse" ist dort auch 2005 die bisher schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit überhaupt gefahren, die es je bei einer Rallye gab: 122,86 Stundenkilometer.

Verlockende Mutprobe

Finnland ist eine sehr schnelle Rallye mit Pisten, die einen harten Untergrund haben, aber sich massiv verändern können, wenn es regnet. Es ist einer der schnellsten Events im Jahr, deshalb ist absolute Präzision und 100-prozentiges Vertrauen ins Auto gefragt. Das Selbstvertrauen eines Fahrers kann dort auf jedem Kilometer mehrere Zehntelsekunden ausmachen - Risiken gibt es viele und es ist kein Raum für Fehler.

Diese Mutprobe lockt alljährlich so viele Piloten an wie kein anderer Event. Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Rekordstarterfeld: Insgesamt haben 102 Crews gemeldet, so viele wie bei keinem anderen der bisherigen Saisonläufe. Allein in der WRC-Klasse werden 15 Autos antreten. Der Klassiker lockt auch Stars aus dem "Ruhestand" zurück ins Cockpit. So gibt in diesem Jahr der frühere Weltmeister Juha Kankkunen sein Comeback. Er fährt einen Stobart-Ford. Für Kankkunen ist es bereits der 22. (!) Start bei seiner Heimrallye, dreimal hat er den Klassiker bereits gewonnen, diesmal peilt er die Zop 10 an. Auch prominente Gaststarter sind gern in Finnland dabei, wie im vergangenen Jahr Kimi Räikkönen, der dort sein WRC-Debüt gab und nun die volle Saison bestreitet.

Einen Rekord vermelden die Veranstalter auch bei der Zahl der Allrad-Fahrzeuge: Mit 78 sind so viele dabei wie noch nie zuvor in der 60-jährigen Geschichte der Rallye Finnland.

Neues Format zum 60. Jubiläum

Die Rallyebasis ist im südfinnischen Jyväskylä und die Route führt durch tiefe Wälder und vorbei an unzähligen Gletscherseen. Für die Auflage 2010 haben die Veranstalter jedoch die neuen Freiheiten im Reglement genutzt und den Zeitplan radikal geändert. Der Sonntag wurde komplett gestrichen, das Geschen auf zwei volle Tag komprimiert. Das bedeutet aber nicht, dass die Rallye kürzer geworden ist - Freitag und Samstag sind jetzt länger geworden.

Und so bleibt die Route - wenn nun auch in 48 Stunden gepackt - im Vergleich zum Vorjahr fast identisch. Nur sechs Kilometer sind neu. Insgesamt stehen 19 Wertungsprüfungen mit 310 gezeiteten Kilometern auf dem Programm. Die Action beginnt am Donnerstagabend mit einer 4,19 Kilometer kurzen Waldprüfung bei Jyväskylä. Am Freitag müssen zehn Prüfungen (143,8 gezeitete Kilometer) absolviert werden, der Tag wird abgeschlossen mit einer weiteren Durchfahrt der Waldprüfung vom Donnerstagabend.

Der zweite volle Rallyetag, der Samstag, ist so lang, dass zwei Servicepausen eingeplant sind. Am Vormittag werden drei Prüfungen gefahren, dann folgt ein Service, mittags stehen drei weitere Prüfungen an, dann geht es erneut in den Servicepark. Und im Endspurt müssen zwei weitere Prüfungen absolviert werden, bevor gegen 17:30 Uhr das Ziel erreicht wird.

Fotoquelle: xpb.cc


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