Kris Nissen sieht einige Punkte, die für einen WRC-Einstieg von VW sprechen

Rallye 2010

— 18.08.2010

VW: Diese Punkte würden für die WRC sprechen

Noch hat sich VW nicht für einen Einstieg in die WRC entschieden, doch laut Motorsportdirektor Kris Nissen spricht vieles dafür - 2013 als realistischer Termin

Bei der Deutschland-Rallye am kommenden Wochenende präsentiert sich Volkswagen gleich mit zwei Autos. Am Freitagabend wird in Trier der Race Touareg 3 präsentiert, mit dem die Wolfsburger künftig Marathonrallyes wie die Rallye Dakar bestreiten werden. Und vom Scirocco R mit Biogasantrieb wurde eine Rallyeversion gebaut, die beim deutschen WM-Lauf als Vorausfahrzeug im Einsatz ist. Als direkter Teilnehmer an der WRC fungiert VW allerdings noch nicht - das könnte sich jedoch ändern.

Über einen Einstieg der Wolfsburger in die Rallye-Weltmeisterschaft wird schon lange spekuliert. Bei Volkswagen selbst ist eine Entscheidung dazu noch nicht gefallen, doch laut Motorsportdirektor Kris Nissen gibt es einige Argumente, die dafür sprechen würden. Ein solches Argument wäre zum Beispiel, dass die WRC bald keine Zwei-Marken-Show mehr sein wird. "Die Bekanntgabe von MINI oder das große Interesse von Toyota sind sicher förderlich", sagt Nissen im Interview mit 'Motorsport aktuell' über die Chancen eines VW-Einstiegs.

"Eine Entscheidung, ob Volkswagen künftig Rallye macht oder nicht, ist durch das MINI-Engagement sicher nicht schlechter geworden, im Gegenteil. Mit Toyota wäre das ähnlich", erklärt Nissen. "Jede Serie, die heutzutage mehr als zwei Hersteller hat, ist auch für den fünften und sechsten interessant. Eine Serie hat dadurch ganz andere Möglichkeiten beim Bühnenaufbau, Vermarktungspotential und so weiter. Zudem ist eine Serie mit mehreren Herstellern auch nicht so gefährdet, wenn einer aussteigt."

Wichtiger als die Aussicht auf weitere Hersteller sind laut Nissen aber die Maßnahmen, die FIA-Präsident Jean Todt und die zuständige Arbeitsgruppe für die Zukunft der WRC ergreifen. "Planungssicherheit ist die Stärke einer FIA-Meisterschaft", betont Nissen. "Nach unserem Kenntnisstand steht das technische Reglement für die nächsten Jahre."

"Ebenso wichtig: in 2012, 13, 14 werden wir eine ganz andere Rallyeszene haben als heute, angefangen von anderen, verschiedenen Formaten", nennt Nissen ein weiteren Punkt, der die WRC für Volkswagen reizvoll machen könnte. "Das beinhaltet auch eine bessere Einbindung von Sponsoren und ein höheres Medieninteresse auch vom TV. Jede einzelne WM-Rallye könnte zum Event werden, den die Hersteller als Plattform nutzen. Warum sollten sich für so eine weltweite Bühne nicht drei, vier oder fünf Hersteller finden?"

Ob VW einer davon sein wird, sei aber nicht entschieden, betont der Motorsportdirektor. Doch er bekräftigt: "Der Rallyesport passt zu VW. Dazu habe ich heute keine andere Meinung als vor sechs Monaten. Von der Dakar, insbesondere in Südamerika, haben wir einen hohen Nutzwert. Logisch, dass eine ganzjährige weltweite Plattform wie die Rallye-WM auf zahlreichen Kernmärkten für eine Marke wie VW sehr interessant ist."

Mindestens 18 Monate Entwicklungszeit

Sollte in Wolfsburg die Entscheidung pro WRC fallen, hält Nissen einen Einstieg 2013 für realistisch. "Wie beim Bau eines Hauses lässt sich am Zeitplan nur wenig ändern. Es beginnt mit der Konstruktions- und Entwicklungsphase für den Antriebstrang, Chassis, Motor und so weiter. Wie lange man für die Erprobung und Tests braucht hängt auch davon ab, wie gut der erste Schuss ist. Dies alles benötigt mindestens 18 Monate, eine Entscheidung vorausgesetzt", rechnet er vor.

Bei Volkswagen wisse man genau, wie lange man für die Entwicklung einzelner Komponenten braucht, so Nissen: "Das Wichtigste ist, dass man ein konkurrenzfähiges und zuverlässiges Auto hat. Ich bezweifle, dass wenn man, egal wer, das Gebiet vollständig wechselt, von Anfang an um den Sieg mitfahren kann. Man muss sich also auch die Zeit nehmen und die Chance haben, die eine oder andere Schleife zu drehen, oder den einen oder anderen zusätzlichen Test zu machen. Ich sehe es als sehr unrealistisch, egal für welchen Hersteller, so etwas in weniger als zwei Jahren zu bewerkstelligen, egal ob wir von einem World Rally Car, DTM-Auto oder Sportwagen sprechen."

In Sachen Motor sollte Volkswagen keine Kopfschmerzen bekommen. "Wenn wir über die Möglichkeiten sprechen, einen 1,6-Liter-Downsizingmotor mit Turbo und oder einem Direkteinspritzer im Motorsport darzustellen, ist das eine Übung, die wir in kurzer Zeit machen können", bestätigt Nissen. "Zum einen haben wir im Konzern sehr viele solcher Turbomotoren laufen. Zum anderen haben wir im Konzern viel Rennmotoren-Know-how auch mit Direkteinspritzern, denken Sie nur an Audi und Le Mans. Ich bin mir sicher, dass der Konzern zügig in der Lage wäre, einen guten und konkurrenzfähigen Motor zu stellen. Alles andere würde mich wundern."

Die Frage, ob VW schon an einem WRC-Motor arbeitet, beantwortet Nissen mit ausweichender Deutlichkeit: "Solch eine Motorentwicklung ist keine Sache einer Marke, sondern findet abgestimmt im Konzern statt. Deshalb lassen Sie mich das so beantworten: Wenn wir in eine Serie offiziell einsteigen, dann sind wir darauf auch vorbereitet. Unsere Zielsetzung ist es, so schnell wie möglich unter die ersten drei zu fahren. Der nächste Schritt wäre dann, aus eigener Kraft siegfähig zu sein."

Fotoquelle: xpb.cc

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