Sébastien Loeb war auf der berüchtigten Panzerplatte wieder eine Klasse für sich

Rallye 2010

— 21.08.2010

SS7-10: Loeb vergrößert Vorsprung

Sébastien Loeb war auch bei der ersten Durchfahrt der Panzerplatte nicht zu schlagen - Citroën-Markenkollege Dani Sordo hält halbwegs den Anschluss

Weltmeister Sébastien Loeb war auch am Vormittag der zweiten Etappe in Deutschland nicht zu stoppen und markierte drei von vier Bestzeiten. Citroën-Markenkollege Dani Sordo blieb mit seinem neuen Beifahrer Diego Vallejo als einziger Pilot in Schlagdistanz. Mit knapp zwei Minuten Rückstand folgt Sébastien Ogier, der auf der langen Panzerplatte-Prüfung den dritten Platz von Jari-Matti-Latvala erobern konnte. Der Ford-Pilot hatte bei einem Dreher viel Glück

Der Vormittag präsentierte sich bei perfekten Bedingungen. Es war sonnig und trocken, weshalb sich alle Piloten für die weiche Reifenmischung entschieden. Alle führten nur einen Ersatzreifen mit. SS7 ging auch gleich an Loeb, aber Sordo hielt mit und verlor nur eine Sekunde. Drei Abschnitte dieser ersten elf Kilometer wurden auf Schotter ausgetragen, weshalb alle Fahrer etwas vorsichtiger zu Werke gingen.

Auch auf SS8 ging das Duell der Citroën-Piloten weiter. Diesmal markierte Sordo die Bestzeit und verringerte den Rückstand auf Loeb auf 7,3 Sekunden. Der Weltmeister bestätigte nach der Prüfung, dass er absolut am Limit fuhr, um Sordo in Schach zu halten. Das musste er auch, denn Citroën-Teamchef Olivier Quesnel hat keine Teamorder ausgegeben.

Auf der neunten Sonderprüfung schlug Loeb wieder zurück, gab danach aber zu, dass er bei den Schotterstellen oft von der Linie abgekommen war. Damit hatte Sordo vor der Mamutprüfung Panzerplatte 10,8 Sekunden Rückstand. Latvalas Abstand auf Rang drei war bereits auf 1:18 Minuten angewachsen. "In den schmutzigen Kurven können wir ihren Speed einfach nicht halten", so der Finnland-Sieger. "Ich glaube dort verlieren wir die meiste Zeit."

Vor der Mittagspause stand schließlich die lang erwartete Panzerplatte auf dem Programm. Mit 48 Kilometern ist es die längste und einer der schwierigsten Prüfungen im gesamten Rallye-Kalender. Wer war dabei das Maß aller Dinge? Richtig: Loeb blieb als einziger Pilot unter 28 Minuten und baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus. "Es war in Ordnung, es war eine gute Prüfung", meint der Ausnahmekönner über seine Fahrt.

"Ich musste auf die Reifen aufpassen und durfte nicht zu hart angreifen. Man muss seinen Fahrstil umstellen und auf die Bedingungen anpassen. Man fühlt dann wenn die Reifen kommen. Es ist eine Frage, wieweit man ans Limit gehen kann", beschreibt Loeb. "Wenn man zu hart attackiert, beginnt man überall zu rutschen und verliert wieder alles, was man eigentlich schon gewonnen hat."

Eine erste Vorentscheidung um den Sieg bei der Rallye-Deutschland ist bereits gefallen. Sordo war um zwölf Sekunden langsamer und sein Rückstand in der Gesamtwertung wuchs damit auf 23 Sekunden. "Ich versuche sauber zu fahren. Séb ist leider immer etwas schneller als ich. Die Strecke ist sehr wellig und hart zu den Reifen. Ich habe alles versucht, aber es war schwierig."

Ford abgeschlagen

Der Kampf um den letzten Podestplatz wurde auf der Panzerplatte wieder spannend. Latvala verlor durch einen Hochgeschwindigkeitsdreher viel Zeit und verlor Rang drei an Ogier. "Die Panzerplatte war in Ordnung und ist mir gar nicht so lange vorgekommen", so der junge Franzose. "Ich hatte keine Probleme. Ich habe Latvala vor mir gesehen, aber es ist immer noch eng zwischen uns beiden. Der Kampf wird weitergehen. Es ist großartig so eine lange Prüfung zu haben. Diese hier ist schon sehr speziell. Jede Rallye muss etwas Einzigartiges haben."

In der Gesamtwertung liegt Ogier bereits fast zwei Minuten hinter Loeb zurück. Sein Vorsprung auf Latvala beträgt 8,9 Sekunden. "Etwa zehn Kilometer vor dem Ende ist es schief gelaufen", beschreibt der Finne sein Problem. "Dann folgte auf eine lange Gerade eine lang gezogene Linkskurve, in der ich das Heck verloren und mich gedreht habe. Wir sind verkehrt zur Fahrtrichtung stehen geblieben, weshalb es lang gedauert hatte, bis ich wieder weiterfahren konnte. Ich glaube nicht, dass etwas beschädigt wurde."

Damit ist zur Rallye-Halbzeit kein Ford-Pilot auf dem Podest. Mikko Hirvonen liegt auch nur auf Rang fünf. "Der Reifenverschleiß war gegen Ende der Prüfung hoch und ich begann zu rutschen. Die meisten Abschnitte sind in Ordnung, aber einige Sektionen sind etwas zu gefährlich. Über die harten Bodenwellen ist das Auto schwierig zu kontrollieren."

Feuerwerk von Petter Solberg

Bisher hat der Ford-Joker François Duval nicht gestochen. Vor der Rallye wollte der Belgier noch um das Podium kämpfen. Das liegt mittlerweile außer Reichweite. "Die lange Prüfung war recht nett. Ich denke meine Zeit ist nicht so schlecht. Ich bin etwas zurückhaltend gefahren, damit die Reifen über die Distanz halten. Ich konnte nicht angreifen, weil ich mich im Auto nicht wohl fühle. Am Kurvenausgang liegen viele Steine und ich kann immer erst sehr spät Gas geben."

Ein echtes Feuerwerk lieferte Petter Solberg ab, der die Panzerplatte als Zweitschnellster absolvierte. Damit verbesserte sich der Norweger von Rang neun auf sieben. "Meine Zeit war nicht schlecht, vielleicht kann ich noch zwei weitere Plätze gutmachen. Ich bin sehr glücklich, denn das Auto funktioniert prima. Eigentlich wollte ich nach den Problemen am ersten Tag bereits aufgeben, denn diese Einsätze sind sehr teuer für uns. Wir brauchen aber die Punkte."

Matthew Wilson liegt in der Gesamtwertung auf Rang acht, einen Platz vor Kimi Räikkönen. Für den Formel-1-Champion war die Panzerplatte die bisher längste Sonderprüfung seiner Rallye-Karriere. "Es war okay, aber in der Prüfung davor ist uns der hintere Stabilisator gebrochen. Das Auto hat sich deshalb nicht so verhalten, wie es eigentlich sollte. Die Prüfung kam mir gar nicht so lang vor und es lief nicht schlecht."

Der Österreicher Franz Wittmann liegt auf Rang 19 in der Gesamtwertung. Hermann Gassner junior ist 25. Am Nachmittag werden die gleichen Prüfungen noch einmal absolviert.

Gesamtwertung nach 10 von 19 Sonderprüfungen (Top-10):

01. Sébastien Loeb (Citroën) 2:12:08.5 Stunden
02. Dani Sordo (Citroën) +23.0 Sekunden
03. Sébastien Ogier (Citroën) +1:57.9 Minuten
04. Jari-Matti Latvala (Ford) +2:06.8
05. Mikko Hirvonen (Ford) +2:20.1
06. François Duval (Ford) +4:10.1
07. Petter Solberg (Citroën) +5:17.7
08. Matthew Wilson (Ford) +5:41.5
09. Kimi Räikkönen (Citroën) +5:45.2
10. Ken Block (Ford) +9:20.7

Fotoquelle: Red Bull/GEPA

Weitere Rallye Themen

News

Hyundai präsentiert den i20 für die WRC 2017

News

M-Sport wirbt offen um die Dienste von Sebastien Ogier

News

Kampf um VW-Stars: Wohin mit Ogier, Mikkelsen und Latvala?

News

Sebastien Ogier hofft auf schnelle Freigabe von Volkswagen

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.