Mikko Hirvonen will 2011 wieder ganz vorne mitmischen können

Rallye 2011

— 19.01.2011

Hirvonen exklusiv: "Will einfach wieder Spaß haben!"

Ford-Pilot Mikko Hirvonen über die neue Ära in der WRC, das Fahrgefühl im Fiesta RS WRC, seine neue Herangehensweise an den Titelkampf und den guten Zweck

Mikko Hirvonen war voller Ehrgeiz in die Saison 2010 gestartet: Nachdem er 2009 den WM-Kampf gegen Sébastien Loeb nur um einen Punkt verloren hatte, wollte er sich nun den Titel sichern. Doch nach den Siegen bei der Rallye Monte Carlo und dem Saisonauftakt in Schweden ging es für den Ford-Piloten bergab. Er konnte nur zuschauen, wenn die anderen die Siege unter sich ausmachten. So beendete er die Saison als Gesamtfünfter.

In vier Wochen beginnt in Schweden die WRC-Saison 2011. Und Hirvonen ist frisch motiviert. Das vergangene Jahr hat er abgehakt, mit dem neuen Ford Fiesta RS WRC möchte er durchstarten. Die neue Lackierung des Boliden, auf dem nun unter anderem Castrol wirbt, wurde kürzlich vorgestellt, Ende Januar schließt Hirvonen die Testfahrten mit der Arctic-Rallye ab. Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' spricht der 30-Jährige über seine Erwartungen an die neue Saison, die neuen Autos, das teaminterne Duell mit Jari-Matti Latvala und seinen Einsatz für die Kinder in seiner Heimat.

Frage: "Mikko, nach dem für dich harten Jahr 2010 kommt nun eine gute Fee und gewährt dir einen Wunsch für 2011. Welcher wäre das?"
Mikko Hirvonen: "Nun, ich möchte einfach wieder im Kampf ganz vorne mitmischen. Und ich denke, dass dies möglich ist. Alles ist komplett neu. Ich bin gespannt, wo wir stehen, wenn wir nach Schweden kommen. Aber ich möchte einfach wieder eine gute Zeit haben, Spaß haben. So wie das vor zwei Jahren der Fall war. Hoffen wir also, dass es gut läuft!"

Frage: "Kann man schon irgendwelche Voraussagen treffen, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen euch und Citroën gestalten wird?"
Hirvonen: "Im Prinzip weiß niemand irgendetwas. Es zählt auch nicht, wie gut sich unser Auto anfühlt. Wir werden erst nach der ersten Wertungsprüfung in Schweden wissen, wo wir im Vergleich zu Citroën stehen."

"Aber: Citroën hat die besten Ingenieure, und wir haben auch die besten Ingenieure. Und alle haben die Autos im engen Rahmen des Reglements entworfen. Von daher denke ich, dass der Unterschied am Ende nicht allzu groß sein kann. In Schweden werden wir sehen, in welche Richtung das Pendel ausschlägt."

Frage: "Du hast mit dem neuen Ford Fiesta RS WRC sehr viel getestet. Wie groß sind die Unterschiede zum Vorgänger, dem Ford Focus?"
Hirvonen: "Die Unterschiede sind recht groß. Das geht schon bei den Maßen los: Der Fiesta ist kürzer und breiter, womit er ein bisschen stabiler und stellenweise auch agiler ist. Für mich macht aber der Motor den größten Unterschied aus. Der Focus hatte einen Zwei-Liter-Turbo, und jetzt fahren wir mit einem 1,6-Liter-Turbo-Motor. Wir haben nicht mehr dasselbe Drehmoment und dieselbe Leistung. Also muss man das Auto ein bisschen anders fahren und auch die Drehzahlen immer etwas höher halten. Daran muss man sich ein bisschen gewöhnen. Aber es läuft gut. Ich bin mit dem, was wir bisher erreicht haben, sehr zufrieden."

Frage: "Müsst ihr an eurem Fahrstil sonst noch etwas ändern oder bleibt der Rest weitgehend gleich?"
Hirvonen: "Es ändert sich nicht besonders viel. Wir haben kein aktives zentrales Differenzial mehr. Und das macht es an manchen Stellen, zum Beispiel in langgezogenen Kurven, schwieriger, bei Bedarf seine Linie zu korrigieren. Aber das kann man mit ein bisschen Arbeit an der Aufhängung und so umgehen. Ich denke, dass der Motor die größte Änderung darstellt, alles andere kann man durch Arbeit an Aufhängung und Differenzial ausgleichen."

Vollgas - egal mit wieviel Hubraum

Frage: "Die Einführung eines kleineren Motors war nicht unumstritten. Es gab Stimmen, die befürchtet haben, dass die Show für die Zuschauer darunter leiden könnte. Wie ist dein Eindruck?"
Hirvonen: "Vielleicht werden wir an manchen Stellen nicht mehr so schnell fahren wie mit dem Focus. Aber ich denke, dass der Fight genau so eng sein wird wie früher. Und wenn wir unsere Helme aufsetzen, dann geben wir Vollgas - mit jedem Auto, das wir haben. Ich habe keinen Zweifel, dass das auch jetzt klasse aussehen wird. Ich bin sicher, dass das sehr beeindruckend sein wird und dass wir weiter um jede Sekunde kämpfen werden."

Frage: "In diesem Jahr gibt es auch die neue 'Power-Stage', für die Bonuspunkte vergeben werden. Was denkst du darüber?"
Hirvonen: "Nun, wir werden sehen, wie es funktioniert. Im Moment bin ich kein großer Fan davon. Denn wenn ein Fahrer als Führender in einer Rallye einen großen Vorsprung hat, möchte er vielleicht für diese eine Prüfung nicht alles riskieren. Und ein Fahrer, der nur die Chance auf diese Punkte hat, wird wahrscheinlich alles geben, denn er hat nichts zu verlieren."

"Es hängt auch von der Rallye ab. Bei einer Rallye, bei der die Startpositionen eine große Rolle spielen, kann man eigentlich schon vorher sagen, dass derjenige, der als Erster in die Prüfung geht, keinerlei Chance hat, Punkte zu holen. Ich finde, dass es schwierig ist, das für alle fair zu gestalten. Irgendjemand hat immer einen gewissen Vorteil, und ich denke, dass es eine sehr große Belohnung ist, nur für die eine Prüfung Punkte zu bekommen."

Frage: "FIA-Präsident Jean Todt hat kürzlich gesagt, dass das SupeRally-Reglement noch einmal überdacht werden sollte. Denn es sei nicht logisch, dass jemand eigentlich ausgeschieden ist, aber dann doch noch Punkte holen kann. Wie ist deine Meinung dazu? Sollte die Regel abgeschafft werden oder findest du sie gut?"
Hirvonen: "Hmm, ich bin da ein bisschen altmodisch. Von daher stimme ich Jean Todt eigentlich zu. Wenn du bei einer Rallye ausscheidest, dann bist du draußen. Und du solltest keine Punkte bekommen. Auf der anderen Seite ist es gut, wenn viele Autos dabei sind."

"Man sollte den Piloten also ermöglichen, weiterzufahren und die Rallye zu beenden, wenn sie möchten. Aber sie sollten dann keine Punkte bekommen. Die Zuschauer würden dann trotzdem noch alles sehen, und es wären mehr Autos in den Prüfungen. Aber man sollte dahin zurückkehren, dass man keine Punkte mehr bekommt, wenn man einmal ausgeschieden ist."

Neue Herangehensweise

Frage: "Du bist einer der konstantesten Fahrer im WRC-Feld. Für 2010 hattest du dir vorgenommen, dazu noch etwas aggressiver zu werden. Wie ist deine Herangehensweise an die Saison 2011?"
Hirvonen: "Die ist definitiv nicht so wie im vergangenen Jahr. Das hat nicht funktioniert, wie wir alle sehen konnten (lacht; Anm. d. Red.). Natürlich hoffe ich, dass ich wieder vorne mitfahren und um den Titel kämpfen kann. Aber ich glaube, dass ich im vergangenen Jahr einfach zu viel an Siege und an den Titel gedacht habe. Das muss ich jetzt alles vergessen, und einfach wieder Spaß haben, das Fahren genießen. Dann sehen wir, wie es läuft. Kein Druck, nichts. Einfach Vollgas geben und schauen, was passiert."

Frage: "Bei deinem Teamkollegen Jari-Matti Latvala hat das Fahren ohne Druck in der vergangenen Saison gut funktioniert. Er ist Vizeweltmeister geworden. Ist dieses teaminterne Duell für dich ein zusätzlicher Ansporn?"
Hirvonen: "Auf alle Fälle! Du gewinnst oder verlierst gegen deinen Teamkollegen. Wir kommen sehr gut miteinander aus, und Jari-Matti ist sehr gereift. Er wird in diesem Jahr definitiv sehr stark sein. Aber ich glaube, dass auch für mich alles möglich ist, wenn alles gut läuft. Ich mache mir keine Sorgen, ich denke einfach, dass wir zusammen ein sehr starkes Team sein werden. Es sieht gut aus."

Frage: "Mit MINI kommt ein neuer Hersteller in die WRC. Wie wichtig ist das für die Meisterschaft? Und würdest du dir weitere Neuzugänge wünschen?"
Hirvonen: "Sicher, und es ist sehr wichtig, dass MINI in den Rallyesport kommt. Ich hoffe, dass sie erfolgreich sind. Denn das würde andere Hersteller ermutigen, ebenfalls einzusteigen. MINI hat auch wirklich gute Fahrer. Es wird interessant sein, wie sie sich schlagen werden, wenn sie in Sardinien dazu stoßen. Wie gesagt: Ich hoffe, dass das andere Hersteller ermutigt, in den nächsten Jahren ebenfalls in den Rallyesport zu kommen."

6.900 Euro für den guten Zweck

Frage: "Du hast kürzlich 6.900 Euro für die Kinderabteilung des Krankenhauses in deiner Heimatstadt Jyväskylä gespendet. Wie wichtig ist es für dich, dich für den guten Zweck zu engagieren?"
Hirvonen: "Es hat sich wirklich gut angefühlt. Ich liebe Kinder, und ich habe ja selbst zwei Söhne, mit denen ich gern viel Zeit verbringe. Ich habe das schon seit Längerem geplant. Denn ich wollte etwas im Bereich Charity machen."

"Und ich habe jetzt den für mich perfekten Platz gefunden, an den ich das Geld geben kann. Das ist dasselbe Krankenhaus, in dem meine eigenen Söhne geboren wurden. Und ich komme ja selbst aus der Gegend. Von daher hat es sich wirklich gut angefühlt, als ich das endlich in die Wege geleitet habe. Und jetzt werde ich damit definitiv weitermachen. Kinder sind nun einmal unsere Zukunft, und ich bin glücklich, dass ich ihnen helfen kann."

Frage: "Du hast pro Prüfungsbestzeit eine bestimmte Summe gespendet?"
Hirvonen: "Ja, ich hatte in einem Magazin für 2010 eine Art Neujahrsversprechen abgegeben, dass ich für jede Wertungsprüfung, die ich gewinne, 100 Euro spende. Okay, die vergangene Saison war für so einen Zweck nicht gerade optimal (lacht; Anm. d. Red.). Ich habe nur 19 Prüfungen gewonnen. Aber wir haben für den Sieg bei der Rallye Monte Carlo ein gutes Preisgeld bekommen. Das habe ich auch noch mit in den Topf geworfen. Und ich denke, damit haben wir eine recht schöne Summe für diesen guten Zweck zusammenbekommen. Ich bin sicher, dass sie es gut gebrauchen können."

Frage: "Also drücken wir die Daumen, dass 2011 mehr Bestzeiten dazukommen, nicht nur für das Krankenhaus..."
Hirvonen: "Genau. Hoffen wir es!"

Fotoquelle: xpb.cc

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