Sebastien Ogier muss morgen wohl den Straßenkehrer spielen

Rallye 2011

— 05.03.2011

SS7/8: Ogier führt unter Vorbehalt

Der erste Tag der Rallye Mexiko ist so gut wie beendet: Sebastien Ogier führt vor Sebastien Loeb und Mikko Hirvonen, muss aber noch eine Strafe fürchten

Bei der Rallye Mexiko neigt sich ein dramatischer Freitag seinem Ende entgegen. Nun stehen nur noch zwei Zuschauerprüfungen aus, die Startreihenfolge für den morgigen Samstag ist festgelegt. In Führung liegt nach acht von 22 Wertungsprüfungen Citroen-Werkspilot Sebastien Ogier. Er muss morgen damit als Erster auf die staubigen Schotterpisten - falls er bis dahin nicht disqualifiziert wird.

Denn Ogier leistete sich im Mittagsservice einen kuriosen Fehler. Als er aus der Medienzone kam, wusste der Franzose nicht, wo er hin muss und bog statt nach rechts zum Regrouping gleich nach links zum Servicebereich ab. Zwar drehte er um, sobald er merkte, dass er auf dem falschen Weg war, drehte Ogier um. Doch die Rennleitung untersucht nun, ob er gegen das Reglement verstoßen hat. Sollte er bestraft werden, reicht das Spektrum möglicher Sanktionen von einer Zeitstrafe bis hin zur Disqualifikation. Eine Entscheidung soll am Abend getroffen werden.

Abgesehen davon hat Ogier einen starken Freitag hingelegt. Er holte sich bisher insgesamt vier Bestzeiten und führte das Feld fast den ganzen Tag über an. Nur am Mittag musste er die Spitze kurzfristig an seinen Teamkollegen Sebastien Loeb abgeben, eroberte sie aber sofort wieder zurück. Nun hofft er, dass er seine Chance auf den Sieg nicht durch den Fehler verspielt hat.

Dass er morgen wahrscheinlich den Straßenkehrer spielen muss, ist für Ogier kein Problem: "Für das Team ist es wichtig, dass wir vor Mikko Hirvonen und in Führung sind. Aber wir haben morgen einen langen Tag vor uns. Aber es war ein guter Tag."

Weltmeister Loeb zeigte einmal mehr seine Fähigkeit, auf die Sekunde genau zu fahren. Natürlich wollte er die Führung nach der achten Prüfung Ogier überlassen, um selbst morgen als Zweiter eine bessere Startposition zu haben. Gleichzeitig wollte er den Rückstand so gering wie möglich halten. Das gelang: Loeb fehlen nur 1,6 Sekunden auf Ogier. Es ist nicht auszuschließen, dass er die Führung noch am Abend in den Zuschauerprüfungen übernimmt.

"Ich bin Zweiter, mein Rückstand auf Seb beträgt nur eine Sekunde, es war ein perfekter Tag", lautet Loebs Fazit. Einfach sein es aber nicht, da Teamkollege Ogier mächtig Gas gebe: "Wir müssen die ganze Zeit über ans Limit pushen. Es wird also noch eine sehr lange Rallye."

Während die beiden Citroen-Werkspiloten die Führung unter sich ausmachten, ging es dahinter dramatisch zu. Zwei Reifenschäden bei Mads Östberg und Jari-Matti Latvala sowie ein technischer Defekt bei Petter Solberg würfelten das Feld durcheinander, wer davon verschont blieb, kletterte in der Ergebnisliste immer weiter nach vorn.

Bis zur sechsten Prüfung lagen drei Citroen DS3 an der Spitze. Privatier Solberg war Dritter und hatte die beiden Werkspiloten in Reichweite. Seine Hoffnungen auf den Sieg endeten aber in der sechsten Prüfung jäh. Sein Motor begann zu stottern, Solberg konnte nicht mehr Gas geben und schlich mit sieben Minuten Rückstand ins Ziel. Das warf ihn zurück bis auf den 14. Platz.

Aber der Norweger bekam das Problem in den Griff und konnte zumindest weiterfahren. Als Ursache machte er ein defektes Kabel aus, das er auf der Verbindungsetappe versuchte, zu reparieren. Allerdings kam er drei Minuten zu spät zur siebten Prüfung und kassierte dafür noch eine 30-Sekunden-Strafe. Nun liegt er auf dem 13. Platz mit siebeneinhalb Minuten Rückstand auf die Spitze. "Ich bin sehr enttäuscht. Natürlich kann immer viel passieren, aber wir hatten eine sehr gute Startposition. Und dann das. Ich kann nicht mehr tun, als mein Bestes geben", stöhnt Solberg.

Auf dem dritten Platz liegt nun relativ einsam Ford-Werkspilot Mikko Hirvonen. Er ist nach seinem Sieg in Schweden WM-Spitzenreiter und musste heute entsprechend als Erster auf die Schotterpisten. Doch er verlor weniger Zeit, als er befürchtet hatte und profitierte zudem von den Problemen der anderen. Sein Rückstand auf das Citroen-Duo beträgt jedoch schon 1:18 Minuten. Nach hinten hat er ein Polster von eineinhalb Minuten.

"Es war recht schwierig, das Auto rutscht ziemlich", berichtet Hirvonen von seiner Rolle des Straßenfegers. "Aber ansonsten ist alles in Ordnung. Es war schwierig, aber sonst okay. Es wird zwar morgen nicht einfach, die Citroens einzuholen, weil sie einen recht großen Vorsprung haben. Aber ich werde es versuchen."

Sein Teamkollege Jari-Matti Latvala gehört wie Solberg zu den tragischen Helden dieses Freitags. Er lag als bester Ford-Pilot auf dem vierten Platz, als er am Vormittag durch einen Reifenschaden zweieinhalb Minuten verlor und auf den zehnten Platz zurück rutschte. Doch Latvala konnte sich wieder nach vorn arbeiten, profitierte ebenfalls von Problemen anderer und liegt nun nach acht Prüfungen wieder auf dem vierten Platz.

Auch das Stobart-Team erlebte Höhen und Tiefen. Mads Östberg war zunächst als Sechster der Bestplatzierte des Quartetts, hatte am Vormittag aber ebenfalls einen Reifenschaden. Der kostete über vier Minuten, Östberg fand sich auf dem 14. Platz wieder. Inzwischen hat er sich wieder auf den elften Rang verbessert.

"Es war ein recht interessanter Tag, er war für mich sehr wechselhaft", bilanziert Östberg. "Bei den zweiten Durchfahrten waren wir nach den Reifenschäden von mir und Jari-Matti sehr vorsichtig. In der letzten Prüfung hatte ich dann ein recht gutes Gefühl. Wir lernen noch dazu, und ich bin mit den meisten Prüfungen eigentlich recht zufrieden. Der Tag war ganz okay, aber der Reifenschaden war natürlich ärgerlich."

Nach Östbergs Reifenschaden war Matthew Wilson bestplatzierter Stobart-Pilot. Er rutschte zwischenzeitlich bis auf den vierten Rang nach vorn, schied dann aber in der siebten Prüfung aus. Damit übernahm Neuzugang Ewgeni Nowikow die Rolle des besten Stobart-Fahrers. Der Russe, der nach einer einjährigen Zangspause in die WRC zurückgekehrt ist und in Mexiko zum ersten Mal im Ford Fiesta RS WRC sitzt, liegt im Endspurt des ersten Tages auf dem fünften Platz.

"Es war ein sehr guter Tag", freut sich Nowikow. "Wir hatten wirklich viel Spaß. In den ersten Durchfahrten war ich noch vorsichtig, bei den zweiten Durchfahrten habe ich dann versucht, zu pushen. Jetzt sehen wir, wie es morgen läuft."

Henning Solberg liegt in einem weiteren Stobart-Ford auf dem sechsten Platz vor Dennis Kuipers im Ford des Ferm-Teams. Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah führt mit seinem Ford Fiesta S2000 die S-WRC-Wertung an und ist Gesamtachter. Die Top 10 werden komplettiert durch Ott Tanak und Martin Prokop (beide ebenfalls Ford Fiesta S2000).

Juho Hänninen, im Skoda Fabia S2000 ebenfalls ein Siegeskandidat in der S-WRC, fiel bereits am Morgen weit zurück, als er einen Dreher hatte und beim Versuch, zurückzusetzen, seinen Rückwärtsgang beschädigte.

In der WRC hatte auch Ken Block weiter Pech. Der US-Star, der gestern wegen eines Elektrikdefekts nicht zur ersten Prüfung antreten konnte, ging heute mit einer Zeitstrafe von zehn Minuten als Restarter wieder ins Rennen. Bis zum Nachmittag hatte er sich bis auf den 16. Platz verbessert, blieb dann aber in der achten Prüfung wegen eines mechanischen Defekts erneut stehen und verlor wieder einen Platz. Munchi's-Pilot Federico Villagra riss sich in der ersten Prüfung des Tages ein Rad ab. Er liegt derzeit auf Rang 20.

Zwischenstand nach SS8:

01. Sebastien Ogier (Citroen) 1:24:04.2 Stunden
02. Sebastien Loeb (Citroen) +1.6 Sekunden
03. Mikko Hirvonen (Ford) +1:19.6 Minuten
04. Jari-Matti Latvala (Ford) +2:51.3
05. Ewgeni Nowikow (Stobart) +2:54.3
06. Henning Solberg (Stobart) +3:11.7
07. Dennis Kuipers (Ferm) +4:55.9
08. Nasser Al-Attiyah (Ford Fiesta S2000) +5:01.5
09. Ott Tanak (Ford Fiesta S2000) +5:25.7
10. Martin Prokop (Ford Fiesta S2000) +5:52.1
11. Mads Östberg (Stobart) +6:15.8
12. Juho Hänninen (Skoda Fabia S2000) +7:06.2
13. Petter Solberg (PSWRT) +7:34.9
..
15. Matthew Wilson (Stobart) +12:47.5
..
17. Ken Block (Monster) +18:30.2
..
20. Federico Villagra (Munchi's) +34:58.5

Fotoquelle: Red Bull/GEPA

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