Sebastien Ogier liegt dank Sebastien Loebs auch am Samstagabend vorn

Rallye 2011

— 06.03.2011

SS16/17: Ogier behauptet dünnen Vorsprung

Sebastien Loeb holt nach seiner Zeitstrafe wieder auf, ist aber noch Zweiter hinter Sebastien Ogier und vor Mikko Hirvonen - Ken Block wieder ausgeschieden

Der Samstag der Rallye Mexiko verlief noch turbulenter als der Freitag. In den bisher sieben gefahrenen Prüfungen hatten zahlreiche Piloten mit technischen Defekten, Unfällen und Reifenschäden zu kämpfen. Citroen-Pilot Sebastien Ogier liegt vor den beiden abschließenden Zuschauerprüfungen in der Nähe von Leon mit dünnem Vorsprung in Führung.

Zwar verlor er als Erster auf der Piste und Straßenkehrer vor allem in kurvenreichen Prüfungen viel Zeit und wurde zum Schluss auch noch durch Motorprobleme leicht ausgebremst. "Ich hatte für drei und vier Kilometer keine Power mehr", berichtet er. Aber Ogier profitierte davon, dass sein Teamkollege Sebastien Loeb zu den Pechvögeln des Tages gehört. Loeb hatte seinen Vorteil, hinter Ogier in die Prüfungen gehen zu können, genutzt. Gleich in der ersten Prüfung des Tages übernahm er die Führung, bis zum Mittag hatte er seinen Vorsprung auf Ogier auf fast 20 Sekunden ausgebaut.

Doch am Start der ersten Nachmittagsprüfung ereilte auch Loeb das Schicksal eines technischen Defekts. Nachdem er sich durch den dichten Verkehr zum Start von SS15 gekämpft hatte, konnte er in seinem DS3 WRC plötzlich nicht mehr schalten. Der dritte Gang hing fest, weil ein Verbindungsteil zwischen Schaltknüppel und Getriebe verloren gegangen war. Loeb behalf sich mit einem Teil der hinteren Stoßstange, das er stattdessen einbaute.

Dieses Provisorium half, Loeb konnte wieder angreifen, als ob nichts gewesen wäre. Aber die Reparatur kostete so viel Zeit, dass er mit fünf Minuten Verspätung in die Prüfung startete. Dafür kassierte er 50 Strafsekunden, was ihn mit rund 25 Sekunden Rückstand auf Ogier auf den zweiten Platz zurück warf. In den folgenden Prüfungen konnte Loeb wieder aufholen, obwohl er in der 17. Wertungsprüfung erneut Probleme hatte. "Seit der zweiten Nachmittagsprüfung geht meine Handbremse nicht mehr. Das habe ich in der letzten Spitzkehre vergessen und wollte sie benutzen. Dabei habe ich den Motor abgewürgt", berichtet Loeb.

Trotzdem hat Loeb seinen Rückstand auf 11,3 Sekunden verringert. Und für ihn ist immer noch alles drin. Das Gesamtklassement nach der 17. Wertungsprüfung legt die Startreihenfolge für morgen fest. Das bedeutet, dass Ogier wieder als Erster auf die Piste und für Loeb und die anderen die Straße fegen muss. Sein Plan wäre jedoch gewesen, den Tag als Führender mit großem Vorsprung zu beenden - und nicht erneut als Zweiter auf die Piste zu gehen. "Was können wir tun? Mein Plan ist, morgen zu pushen", kündigt er an.

In den beiden Zuschauerprüfungen heute Abend kann Loeb seinen Rückstand noch weiter verringern und dann morgen noch einmal angreifen. Ogier wird sich aber nicht so schnell geschlagen geben. Damit ist klar: Die Fans dürfen sich morgen auf ein spannendes teaminternes Duell um den Mexiko-Sieg freuen. Citroen gibt beiden freie Fahrt, Teamchef Olivier Quesnel bittet seine Piloten nur, kühlen Kopf zu bewahren und nicht zu viel zu riskieren.

Die Konkurrenz hat keine Chance mehr, aus eigener Kraft in den Kampf um den Sieg einzugreifen. Ford-Pilot Mikko Hirvonen hat als Dritter einen Rückstand von fast eineinhalb Minuten auf Ogier. Er hatte sich eigentlich vorgenommen, seine Startposition zu nutzen und auf das Citroen-Duo aufzuholen, doch stattdessen verlor er weiter an Boden.

"Ich dachte heute Morgen, dass ich die Chance habe, ein bisschen gegen die Citroens zu kämpfen. Aber sie fahren wirklich schnell, selbst wenn sie die Piste kehren müssen. Von daher konnte ich heute nicht viel ausrichten. Aber okay, wir müssen weiter arbeiten. Für morgen ist der Plan, meine Position zu halten, falls ich keine Probleme bekomme", bilanziert Hirvonen.

Sein Teamkollege Jari-Matti Latvala erlitt heute Morgen einen weiteren Reifenschaden, doch der hatte nicht so schwer wiegende Folgen wie sein Plattfuß gestern. Latvala konnte sich auf dem vierten Platz halten. Auf dem fährt er aber recht einsam mit Abständen von 1:13 Minuten nach vorn und über vier Minuten nach hinten. Aber Latvala sorgte in der 17. Prüfung für die lang ersehnte erste Ford-Bestzeit bei der Rallye Mexiko.

"Ich habe das Gefühl, dass ich auf diesen Prüfungen sehr hart arbeiten muss. Es sind nicht gerade meine Lieblingsprüfungen, aber sie sind sehr schnell. Und ich mag schnelle Prüfungen", sagt Latvala. "Morgen will ich einfach meine Position halten. Ich kann nichts anderes tun. Aber ich freue mich, dass meine Zeiten besser geworden sind. Und daran will ich morgen weiter arbeiten. Ich möchte bei künftigen Schotterrallyes so schnell sein wie die anderen Jungs."

Viel Action bei den Solbergs

Petter Solberg stellte heute einmal mehr seinen ungemeinen Kampfgeist unter Beweis und legte eine beeindruckende Aufholjagd hin. Als neues Ziel hat er sich nun gesetzt, doch noch auf das Podium zu kommen. Nach seinem Elektrikdefekt gestern, durch den er sieben Minuten verloren hatte, war der Citroen-Privatier als Elfter in den Samstag gestartet. Solberg holte vier Bestzeiten und verbesserte sich bis auf den fünften Platz, obwohl sich der Abschluss des Tages für ihn ebenfalls noch turbulent gestaltete.

Zunächst startete er mit Verspätung in die 17. Prüfung, weil sein Citroen nicht mehr ansprang. Beim Versuch, wieder aufzuholen, hätte Solberg dann fast zu viel riskiert. "Bei dem großen Sprung in der Mitte der Prüfung habe ich mich in der Luft gedreht. Ich war im falschen Gang, denn der Schalthebel war davor kaputt gegangen. Damit ist beim Schalten immer der falsche Gang reingegangen, und ich konnte nicht beschleunigen" berichtet Solberg. Und was denkt man, wenn man sich in der Luft dreht? "Nicht viel, man versucht einfach, es abzufangen. Keine Handbremse, verkehrt herum... oh Mann..."

Sein Bruder Henning Solberg bewies heute ebenfalls enormen Kampfgeist. Der Stobart-Pilot musste den ganzen Tag über ohne Servolenkung fahren. Er kämpfte sich trotz einer dicken Blase am Handballen tapfer durch die Prüfungen, doch am Nachmittag verließen ihn fast die Kräfte. Nach der 15. Wertungsprüfung wollte er aufgeben, er sah keine Chance, die nächste kurvenreichen WP anzutreten. Doch er biss die Zähne zusammen, fuhr weiter, erlebte weitere Kurisositäten und kann nun schon wieder lachen.

"Ich bin dann zehn Kilometer Vollgas gefahren, aber dann - schaut euch das an! Dann ist die Bremsleitung abgerissen! Ich habe das Bremspedal durchgetreten und dachte 'uuuaaaaa'", schildert Henning Solberg seine Erlebnisse ausdrucksstark. "Aber ich hatte wegen der Servolenkung nicht aufgegeben. Ich bin so schnell gefahren wie es ging. Ich habe einige Sekunden verloren, aber ich bin immer noch dabei."

Henning Solberg und seine Beifahrerin Ilka Minor rutschten zurück auf den siebten Rang hinter ihren Stobart-Teamkollegen Mads Östberg. Der Neuzugang hatte am Nachmittag mit der Balance seines Ford zu kämpfen. Die anderen beiden Stobart-Piloten hatten noch mehr Pech: Matthew Wilson, der zwischenzeitlich auf dem vierten Platz lag, blieb heute Morgen auf dem Weg zur ersten Prüfung mit erneuten Elektrikproblemen liegen und musste die Rallye endgültig beenden. Ewgeni Nowikow schied dann am Vormittag auf Platz fünf liegend aus, als sein Ford wegen eines Öllecks auf einer Verbindungsetappe stehen blieb.

Auch US-Star Ken Block bleibt vom Pech verfolgt. Nachdem er sowohl am Donnerstag- als auch am Freitagabend mit streikender Elektrik ausschied, war auch der Samstag für ihn vorzeitig beendet. Block riss sich in der 16. Wertungsprüfung eine Radaufhängung an seinem Monster-Ford ab. Er wird nun morgen wahrscheinlich zum dritten Mal an diesem Wochenende unter SupeRally-Bedingungen an den Start gehen. Für den Niederländer Dennis Kuipers war der Tag am Vormittag beendet, nachdem er sich mit seinem Ferm-Ford überschlagen hatte. Munchi's-Pilot Federico Villagra hatte am Morgen einen Bremsdefekt, konnte aber weiterfahren. Der Argentinier liegt aber mit großem Rückstand außerhalb der Top 10.

In der S-WRC führt weiter Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah. Auf Rang zwei der Wertung liegt mit 36,8 Sekunden Rückstand Martin Prokop in einem weiteren Ford Fiesta S2000. Skoda-Pilot Juho Hänninen hat nach seinem Dreher gestern eine Aufholjagd gestartet und hat als Dritter in der S-WRC nun noch 31,2 Sekunden Rückstand auf Prokop. Im Gesamtklassement der Rallye Mexiko belegt das Trio die Plätze acht bis neun.

Der Samstag klingt mit den zwei kurzen Zuschauerprüfungen bei Leon aus. Am morgigen Sonntag stehen dann noch einmal drei Wertungsprüfungen mit insgesamt 62 gezeiteten Kilometern auf dem Programm.

Zwischenstand nach SS17 (Top 10):

01. Sebastien Ogier (Citroen) - 3:09:36.4 Stunden
02. Sebastien Loeb (Citroen) +11.3 Sekunden
03. Mikko Hirvonen (Ford) +1:28.1 Minuten
04. Jari-Matti Latvala (Ford) +2:41.4
05. Petter Solberg (PSWRT) +6:51.3
06. Mads Östberg (Stobart) +8:05.7
07. Henning Solberg (Stobart) +8:38.6
08. Nasser Al-Attiyah (Ford Fiesta S2000) +10:43.5
09. Martin Prokop (Ford Fiesta S2000) +11:20.3
10. Juho Hänninen (Skoda Fabia S2000) +11:51.5

Fotoquelle: Red Bull/GEPA

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