Sebastien Loeb hat in Monte Carlo den letzten WM-Lauf im Jahr 2008 gewonnen

Rallye 2012

— 17.01.2012

Monte Carlo: Die "Königin" der Rallyes

Enge Kurven, trockener Asphalt, Schnee und Eis: Bei der Rallye Monte Carlo gibt es gleich beim WRC-Saisonauftakt viele Herausforderungen zu bewältigen

Drei Jahre musste die Rallye-Weltmeisterschaft ohne ihr eigentliches Highlight auskommen, die Rallye Monte Carlo. Sie wird in diesem Jahr bereits zum 80. Mal ausgetragen. Jetzt dürfen sich die vielen Fans vor Ort und vor den Fernsehbildschirmen freuen: In dieser Saison eröffnet die "Königin unter den Rallyes" wieder den WM-Kalender - und hat viele ihrer traditionellen Eigenarten bewahrt. So werden die 1,6 Liter großen Turbomotoren bereits ab kommenden Mittwoch durch die Täler der Seealpen röhren, wenn die beiden klassischen Wertungsprüfungen "Le Moulinon" und "Burzet" gleich zweimal auf dem Programm stehen.

Der Startort Valence beheimatet den Service-Park dabei bis Freitagmittag, dann zieht der Rallye-Tross mit Sack und Pack ins Mittelmeer-Fürstentum um. Am Samstagnachmittag sind je zwei Fahrten über den berühmten "Col de Turini" (Moulinet - La Bollene Vesubie) und die Prüfung "Lantosque - Luceram" vorgesehen, die letzte Schleife ab 19:34 Uhr sogar bei Dunkelheit - Reminiszenz an die legendäre "Nacht der langen Messer".

Zum Finale folgt dann am Sonntagmorgen noch die auf 5,16 Kilometer verkürzte Überquerung des "Col de la Madone". Sie bildet den Rahmen für die Power Stage, auf der die drei Schnellsten mit bis zu drei WM-Bonuspunkten belohnt werden. Die Gesamtdistanz der ersten WRC-Rallye des Jahres beträgt 1780,47 Kilometer. Sonntagabend findet für den Sieger das Gala-Dinner im Sporting Club von Monaco statt. Bis es aber soweit ist, müssen viele Herausforderungen gemeistert werden.

Trockener Asphalt, Schnee, Eis, verschmutzte Kurven, heimtückische Glätte, nasse Passagen oder wassertriefende Straßen - und dies alles im Extremfall auf nur einer einzigen Wertungsprüfung: Mit ihren oftmals heimtückischen Seealpen-Pässen, immensen Höhenunterschieden und besonders unberechenbarem Wetter ist die Rallye Monte Carlo bei den Fahrern durchaus gefürchtet.

Reifenwahl entscheidend

Nirgendwo sonst kommt der perfekten Reifenwahl eine so große Bedeutung zu wie hier. Der großen Bandbreite an unterschiedlichen Streckenbedingungen zollt auch das Reglement Tribut: Bei der "Monte" dürfen die Fahrer aus fünf jeweils 18 Zoll hohen Reifentypen auswählen. Neben einem reinen Schnee-Pneu mit und ohne Spikes stehen reine Asphalt-Reifen in drei verschiedenen Laufflächenmischungen bereit. Sie zeichnen sich durch ein einheitliches Laufflächenprofil aus, das auf nasser wie auf trockener Straße gleichermaßen funktionieren muss.

Ab dieser Saison müssen die WRC-Piloten noch bewusster mit den Rennreifen ihrer Boliden umgehen - das Reglement hat das Reifenangebot pro Fahrer um gut 20 Prozent zusammengekürzt. Pro Reifenwechsel sind in der Regel nur noch fünf statt sechs Pneus gestattet. Damit entfällt die Möglichkeit, zwischen zwei Prüfungen eine Fahrzeugachse mit zwei Reserverädern neu zu bestücken. Für die Mehrzahl der WM-Läufe bedeutet dies: Die Menge der eingesetzten Reifen sinkt pro Auto von 42 auf nur noch 35 - dies spart nicht nur Kosten, sondern entlastet auch die Umwelt. Für 2013 und 2014 soll das Kontingent nochmals verkleinert werden.

Michelin, der Reifenausrüster für die Top-WRC-Teams, begrüßt diese Entscheidung nicht nur, der Reifenspezialist hat die Entwicklung sogar selbst angeschoben - denn auf diese Weise rücken die Ausdauer-Fähigkeiten der Pneus und ihre Vielseitigkeit wieder stärker in den Vordergrund. Anforderungen, die auch jeder Serienreifen im täglichen Straßenverkehr bewältigen muss und die den Technologie-Transfer zwischen Rallye- und Serien-Pneus weiter beflügeln.

Für die mit 433,36 Prüfungskilometern besonders lange Rallye Monte Carlo mit ihren speziellen Witterungsbedingungen gestattet der Automobilweltverband FIA allerdings eine Ausnahme von dieser Regel: Hier kann Michelin jedem World-Rally-Car seiner Partnerteams 84 Reifen zur Verfügung stellen, von denen bis zu 45 während der Veranstaltung eingesetzt werden dürfen. DMACK ist zwar ebenfalls in der Rallye-WM vertreten, rüstet bei der "Monte" aber keine WRC-Fahrzeuge aus.

Veränderungen im Fahrerfeld

Kein Rallye-Fan wird wohl jemals die Erfolge des MINI bei der Rallye Monte Carlo in den 1960er Jahren vergessen. Paddy Hopkirk konnte dort 1964 gewinnen, Timo Mäkinen triumphierte 1965 und Rauno Aaltonen stand 1967 ganz oben auf dem Treppchen. In der vergangenen Saison kehrte die Marke gemeinsam mit Aaltonen als Fahrer im Rahmen der Rallye Monte Carlo Historique ins Fürstentum zurück. Der MINI John Cooper Works WRC wird jedoch das erste Werksauto des Unternehmens seit 1968 sein, das bei dieser legendären Veranstaltung an den Start geht.

Die von der britischen Firma Prodrive entwickelten und eingesetzten John Cooper Works WRC auf Basis der Modellvariante Countryman konnten nach ihrem Debüt im vergangenen Jahr sowohl auf Schotterpisten als auch auf Asphalt mit durchaus konkurrenzfähigen Zeiten überraschen. Möglicherweise werden die Werksautos 2012 erneut ein eingeschränktes Programm bestreiten. Als Nummer-eins-Fahrer steht der Spanier Dani Sordo fest, als zweiten WRC-Piloten für die Rallye Monte Carlo haben die Briten den Franzosen Pierre Campana benannt. Armindo Araujo und Paulo Nobre setzen je einen privaten MINI ein.

Sowohl aus Fahrer- als auch aus Team-Sicht müssen sich die Fans mit Beginn der neuen Saison auf einige Veränderungen einstellen. So hat sich Abonnement-Weltmeister Sebastien Loeb seinen bislang stärksten Konkurrenten ins eigene Team geholt: Mikko Hirvonen wechselte nach sechs Jahren als Werksfahrer von Ford zu Citroen. Den Platz des 31-jährigen Finnen - mit 14 WM-Laufsiegen zweiterfolgreichster Fahrer im Starterfeld - nimmt künftig Publikumsliebling Petter Solberg ein. Der Norweger zählt mit 37 Jahren zu den Routiniers - und ist als Weltmeister von 2003 der letzte Champion vor Beginn der unglaublichen Loeb-Erfolgsserie.

Solbergs Aufgabe im Werksteam von Ford ist klar definiert: Er soll den 26-jährigen Jari-Matti Latvala unterstützen, der auf den diesjährigen Titel angesetzt wird. Wie schnell er ist, hat der Finne in den vergangenen beiden Jahren bewiesen. 2010 schloss er die Saison als Vizeweltmeister ab, im vergangenen Jahr setzte er die meisten Prüfungsbestzeiten und deutete damit das hohe Potenzial seines Ford Fiesta RS WRC an.

Neben den sechs reinen Werks-WRC dürfen sich die Fans der Rallye Monte Carlo auf elf weitere Exemplare dieser spektakulären Turbo-Allradler freuen. So hat Citroen einen DS3 WRC für das aufstrebende Talent Thierry Neuville reserviert. Der 23-jährige Belgier konnte im vergangenen Jahr mit zwei Laufsiegen in der Intercontinental Rally Challenge (IRC) auf sich aufmerksam machen.

Auch Ford-Partner M-Sport setzt auf den Nachwuchs und hat je einen Fiesta RS WRC für den pfeilschnellen Esten Ott Tänak und den wagemutigen Russen Ewgeni Nowikow reserviert. Den beiden Youngstern steht beim Saisonauftakt Altmeister Francois Delecour zur Seite. Der Monte-Sieger von 1994 gab im Vorjahr bei dieser Rallye sein Comeback, gewann eine Wertungsprüfung und wurde am Ende Fünfter. Weitere markante WRC-Starter: Martin Prokop, Henning Solberg, und Matthew Wilson mit Ford Fiesta RS WRC.

Besondere Aufmerksamkeit genießt in diesem Jahr die Super 2000-Kategorie, in der sich Volkswagen Motorsport mit zwei Skoda Fabia S2000 auf sein für 2013 terminiertes Werksengagement mit dem Polo R WRC vorbereitet. Am Steuer: Frankreichs neuer Superstar Sebastien Ogier, in der vergangenen Saison noch fünffacher WM-Laufsieger und bei Citroen Teamkollege von Loeb. Bei der Monte steuert der 22-jährige Niederländer Kevin Abbring den zweiten Skoda.

Fotoquelle: xpb.cc

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