Für Weltmeister Sebastien Loeb ist die Rallye Portugal bereits vorbei

Rallye 2012

— 29.03.2012

SS2-4: Latvala führt - Loeb ausgeschieden

Weltmeister Sebastien Loeb scheidet durch einen Unfall in der dritten Prüfung der Rallye Portugal aus - Jari-Matti Latvala übernimmt in den Nachtprüfungen die Führung

Der Abend der ersten Etappe der Rallye Portugal brachte genau jene Dramen, die von den drei Nachtprüfungen im Vorfeld erwartet worden waren. Aufgrund der ausgesuchten Startposition ging das Citroen-Duo als Erstes auf die Strecke, während das Ford-Werksteam erst 48 Minuten später losfuhr. In der dritten Sonderprüfung ging für Sebastien Loeb alles schief. Da der Weltmeister vorlegen musste, passierte ein Fehler und der Weltmeister landete im Straßengraben. Citroen hat bestätigt, dass der DS3 zu stark beschädigt ist und der Franzose am Freitag nicht wieder starten kann. Die Rallye ist für ihn vorbei.

Bevor Ford auch nur einen Meter gefahren war, war ihr größter Konkurrent bereits draußen. Von hinten kontrollierten Petter Solberg und Jari-Matti Latvala die Rallye und sicherten sich je eine Bestzeit. Auch der Regen in der vierten Sonderprüfung warf die beiden nicht aus der Bahn. Somit hat sich Latvala nach den ersten vier Prüfungen die Führung gesichert. Solberg folgt 2,6 Sekunden dahinter. Citroen ist in Form von Mikko Hirvonen aber auch noch dabei, denn der Finne hat als Dritter auch nur fünf Sekunden Rückstand.

Am Donnerstagabend standen drei kurze Prüfungen auf dem Programm. Im Vorfeld wurde viel über die Startposition diskutiert, denn die Rallye-Asse fürchten, dass der aufgewirbelte Staub in der Luft stehen bleiben würde und deshalb die Sicht zu einem Problem werden könnte. Das war aber nicht der Fall. Zum einen bewässerten die Organisatoren die Straßen und zum anderen gab es immer wieder leichte Regenfälle. Am Vortag hatte sich das Citroen-Duo für die Startpositionen eins (Hirvonen) und zwei (Loeb) entschieden. Ford wählte den anderen Weg. Solberg fuhr als 16. los, gefolgt von Latvala.

Zunächst wurde die 10,19 Kilometer lange "Gomes Aires"-Prüfung absolviert. Gleich darauf folgte "Santa Clara" (14,29 Kilometer). Hirvonen eröffnete die zweite Sonderprüfung der Rallye, war aber im Ziel nicht zufrieden. "Ich bin schlecht gefahren und in keinen Rhythmus gekommen", sagte der Finne verärgert. Loeb war um 2,9 Sekunden schneller. "Es war okay. Es gab keinen Staub. Der Grip hat sich aufgrund der Feuchtigkeit verändert", schildert der Franzose.

"Ich bin nur der Straße gefolgt. Einige Stellen sind sehr schnell und mit den Lichtern ist es schwierig, genau zu sehen."Zwischen den Autos herrschte ein Startintervall von drei Minuten. Deshalb machte sich das Citroen-Duo auf den Weg zu SS3, bevor Ford einen Meter in SS2 zurückgelegt hatte. So absolvierte Hirvonen erneut als Erster SS3."Sehr trocken. Der Staub wird schon weggehen, aber es war eine gute Fahrt."

Citroen bestätigt Loeb-Ausfall

Hinter dem Finnen überschlugen sich die Ereignisse wortwörtlich. Von Loeb fehlte weit und breit jede Spur. Sein Citroen war bei Kilometer sieben stehengeblieben. Zunächst war unklar, was passiert war. "Ich weiß es nicht. Er hat uns auf der Straße gewarnt, aber ich habe sein Auto nicht gesehen", schildert Ott Tänak, der direkt nach Loeb auf der Strecke war. Jari Ketomaa hat Loeb ebenfalls gesehen: "Ja. Sein Auto steht weit von der Straße weg."

Kurz darauf bestätigte Citroen, dass Loeb ausgeschieden war. Während der Weltmeister im Wald der dritten Sonderprüfung stand, hatte das Ford-Werksduo noch keinen Meter zurückgelegt. Hat sich Citroen für die falsche Taktik entschieden? "Ich weiß es nicht. Es war trocken, aber ich kann nicht sagen, ob Staub in der Luft hängt", sagt Hirvonen am Ende der vierten Sonderprüfung.

Mehrere Fahrer in Problemen

Loeb war aber nicht der einzige Fahrer mit Problemen. Bei Sordo war fast die gesamte Lichtanlage ausgefallen. Dadurch verlor der MINI-Pilot in SS2 über zweieinhalb Minuten. "Nach 500 Metern hat das Licht nicht mehr funktioniert. Die Batterie hat aber noch genug Saft. Ich verstehe das nicht", ärgert sich der Spanier. SS3 nahm Sordo gar nicht mehr in Angriff.

Pech hatte auch der zweite MINI mit Erfolgschancen. Lokalmatador Armindo Araujo büßte in SS2 über fünf Minuten ein. Was war passiert? "Ich bin zu Beginn abgeflogen und im Graben stecken geblieben. Es gab ein Problem mit dem Aufschrieb." Der MINI hatte aber keinen Schaden davon getragen. Die nächsten beiden Prüfungen waren problemlos verlaufen.

Ebenfalls viel Zeit in SS2 verlor Martin Prokop. Der Ford des Tschechen lief offensichtlich nur noch auf drei Zylindern. "Kurz nach dem Start hatte der Motor keine Power. Ich versuchte ihn neu zu starten, aber es gab keine Power", beschreibt Prokop. SS3 nahm er mit zwei Minuten Verspätung auf. "Wir versuchten etwas am Auto zu ändern, aber es hat nicht funktioniert. Der Motor hat keine Kraft. Ich sah, dass mehrere Leute Probleme hatten." Mads Östberg schleppte in der dritten Prüfung seinen Ford mit einem Plattfuß über die Linie. Zeitverlust: 25 Sekunden.

Keine Probleme für Ford

Während reihenweise die Fahrer Probleme hatten, fuhr das Ford-Werksduo dem Feld hinterher. Solberg stellte in SS2 die Bestzeit auf und war um 1,5 Sekunden schneller als Latvala. Der Zeitunterschied zu Loeb war gar nicht so groß, denn der Franzose war lediglich um sechs Sekunden langsamer gewesen. Die Startposition hatte deshalb keine so große Rolle gespielt. Psychologisch war es für Ford natürlich ein Vorteil zu wissen, dass der härteste Konkurrent ausgeschieden war.

In SS3 zeigte sich das gleiche Bild. Diesmal hatte Latvala um 2,7 Sekunden die Nase vor Solberg. "Langsam ist Regen gefallen. Es war sehr knifflig", beschreibt der Norweger. "Das Auto funktioniert sehr gut. Da Loeb jetzt draußen ist, ist es eine sehr wichtige Rallye für uns." Hirvonens Zeit war um 3,5 Sekunden langsamer. Zu diesem Zeitpunkt hatte Latvala die Gesamtführung übernommen. Solberg folgte eine halbe Sekunde dahinter. Hirvonen hatte schon 10,5 Sekunden Rückstand.

Schließlich musste das Ford-Duo noch die vierte Sonderprüfung "Ourique" über 11,1 Kilometer absolvieren. Nachdem Hirvonen schon lange im Ziel war (Solberg startete 48 Minuten später) öffneten sich die Schleusen des Himmels und es begann plötzlich stark zu regnen. Östberg beschreibt die Bedingungen: "Es war ein Alptraum. Es hat von Beginn an geregnet. Es war wie auf Eis."

"Ein Horror-Tag. Ich versuche anzugreifen. Wir hatten in der Prüfung davor einen Reifenschaden. Ich weiß nicht, warum er passiert ist. Es ist noch eine lange Rallye. Ich bin jetzt weit hinten und ich muss morgen früh starten. Hoffentlich regnet es morgen und ich habe einen Vorteil." Im Ziel warteten alle gespannt darauf, wie sich Ford beim Regen schlagen würde. Latvala und Solberg kamen auch gut durch, doch die Prüfung entschied Tänak für sich.

Spitze liegt dicht beisammen

In der Gesamtwertung hat am Abend Latvala die Spitze übernommen. Der Finne führt 2,6 Sekunden vor Solberg und fünf vor Hirvonen. "Ich glaube, das Ende der Prüfung war gut. Zu Beginn haben wir viel Zeit verloren, weil es sehr rutschig war", schildert Latvala. "Als der Grip besser war, habe ich angegriffen. Im Gesamten war es ein guter Abend für uns. Glücklicherweise haben wir für den Regen die weichen Reifen."

Solberg hatte ebenfalls zu kämpfen. Beide Ford-Piloten verloren in der vierten Sonderprüfung zehn Sekunden auf Tänak. Für die Doppelführung reichte es aber. "Es war von Beginn an sehr nass und rutschig. Teilweise war es sehr schlammig, ich hatte einen halben Dreher", sagt Solberg. War die Entscheidung für die späte Startposition richtig? "Ich weiß es nicht, wir müssen erst die totale Zeit anschauen. Bei uns war es nass, aber ich glaube er (Hirvonen) hatte es trocken. Die Wettervorhersage war natürlich schwierig. Aber es warten noch drei lange Tage."

Dieser turbulente Abend hat für Freitag für eine spannende Ausgangslage gesorgt, denn die Top 3 liegen innerhalb von nur fünf Sekunden. Tänak ist als Vierter theoretisch immer noch in Schlagdistanz, denn dem Esten fehlen nur 15,7 Sekunden auf Latvala. Citroen-Junior Thierry Neuville machte keine Fehler und setzte sich auf Position fünf (+34 Sekunden) fest. Östberg ist trotz Reifenschadens Sechster, gefolgt von Jewgeni Nowikow, Ketomaa, Dennis Kuipers (alle drei Ford) und Patrik Sandell im zweiten Prodrive-MINI.

Am Freitag stehen sechs Prüfungen auf dem Programm.

Fotoquelle: xpbimages.com

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