Für die Veranstalter ist es nicht leicht, große Zuschauermassen anzuziehen

Rallye 2012

— 12.08.2012

Große Herausforderungen für die Rallye-Veranstalter

Die Rallye-Organisatoren stehen durch die Krise vor großen Herausforderungen - Andrew Coe, der Veranstalter in Großbritannien, fordert rasch einen Plan für die Zukunft

Für die Organisatoren der Rallyes ist die derzeitige Krise der WRC wenig komfortabel. Für die Durchführung eines WM-Laufes ist oft mehr als ein Jahr Planung notwendig. Laut derzeitigem Stand bleibt der Kalender im kommenden Jahr unverändert. Abgesehen von der Rallye Monte Carlo stehen aber noch keine Termine für 2013 fest. Keine einfache Situation für die Veranstalter, die ihre Rallyes planen müssen. Vor dieser Aufgabe steht Andrew Coe, der sich um den Lauf in Großbritannien kümmert. Zuletzt gab es von der FIA und von WRC-Kommissions-Präsident Jarmo Mahonen auch Kritik, denn die Rallye soll nicht zu sehr auf Wales konzentriert sein.

"Wales ist derzeit unser Ort für die WRC-Veranstaltung. Ob wir nach 2012 in Wales bleiben werden, ist noch offen", wird Coe von der 'GPWeek' zitiert. "Wir hatten Gespräche mit der FIA und ich glaube, wir haben die Probleme ausgeräumt. Die FIA wird die Rallye Großbritannien weiterhin unterstützen, egal ob sie in Wales oder einem anderen Teil des Landes stattfindet." Die Rallye zählt zu den Perlen im Kalender, auch wenn die Zuschauermassen in den vergangenen Jahren kleiner geworden sind.

Coe sieht mehrere Gründe dafür. Zum einen wurden die Rallyes im vergangenen Jahrzehnt standardisiert, wodurch spektakuläre Prüfungen wegfallen mussten. Dazu kommt die problematische Fernsehpräsenz. "Die Dinge haben sich dramatisch verändert. Die Sonntagsprüfungen waren legendär. Es sind regelmäßig bis zu 100.000 Zuseher gekommen. Die Prüfungen wurden von der 'BBC' übertragen. Das machte die Rallye zu einer hochwertigen Sportveranstaltung", blickt der Organisator auf bessere Tage zurück.

Aufgrund der Standardisierung der Rallyes fielen dieses Sonntagsprüfungen in Großbritannien weg. Der letzte Tag ist meistens kurz. Mit der Power Stage wollte man das Finale noch aufwerten, doch unter dem Strich hat sich nicht viel geändert. "Das ist eine Konsequenz der Standardisierung", findet Coe. "Man musste sich an die weltweiten Fernsehrichtlinien anpassen. Das brauchen die Veranstaltungen für die Sponsoren."

"Die Herausforderung der FIA ist es, ein Format zu finden, das für die Rallye Großbritannien genauso gut wie für die anderen Veranstaltungen funktioniert. Die zehn Jahre alte Idee des einheitlichen Formats ist wahrscheinlich falsch und müsste geändert werden." Mittlerweile wurden den Veranstaltern wieder mehr Freiheiten eingeräumt, von denen in diesem Jahr einige Gebrauch machen.

Weitere Fehler müssen vermieden werden

FIA-Präsident Jean Todt hat sich zu Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, der WRC wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Aktuell muss aber zunächst ein Weg aus der Krise gefunden werden. Im Promoter-Rennen soll offenbar Red Bull das Rennen gemacht haben. Wie die Zukunft der Rallye-WM im Detail aussehen soll, ist derzeit noch offen. "Sie haben einen schwierigen Job. Ich glaube nicht, dass jemand mit der FIA oder Jarmo Mahonen tauschen möchte", meint Coe. "In den vergangenen zehn Jahren hat der Sport kontinuierlich abgebaut."

"Ihn von dieser Position aus wieder aufzubauen, ist sehr schwierig. Bei einer Abwärtsspirale verlieren die Leute Vertrauen, TV-Stationen verlieren Zuversicht. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Weitere Fehler können wir uns nicht leisten und wir können es uns auch nicht leisten es falsch zu machen." Die Pleite von North One Sports (NOS) war aber nur die Spitze des Eisberges. Um die WRC wieder für ein breiteres Publikum interessant zu machen, müssen mehrere Dinge geändert werden. "Ich würde sagen, dass es da viele Probleme gibt, ein Sturm an Problemen in diesem Sport."

"Die weltweite Rezession und die Schwierigkeiten der Automobilindustrie haben sicher auch nicht geholfen." Ex-Promoter NOS hat laut Coe viel richtig gemacht, aber "das vereinheitlichte Format war negativ für den Sport, speziell was die Rallye Großbritannien betrifft. Wenn man wie bei uns in einem ausgeprägten Rallye-Markt ist und eine Formel hat, die gut funktioniert, dann kann man bei einer vorgeschriebenen Änderung die traditionelle Fan-Basis verlieren. Wenn man Ideen in neuen Märkten einführt, die keine Rallye-Tradition haben, dann ist es in Ordnung."

Für die Zukunft verlangt Coe einen durchdachten Plan, damit die WRC wieder besseren Zeiten entgegensteuert. "Derzeit ist es für alle in der WRC eine verwirrende Zeit. Wir müssen für die Teams, die Hersteller und alle die kommerziell involviert sind, rasch eine neue Plattform finden. Wir brauchen für die kommenden drei bis fünf Jahre einen Plan. Wenn man einen Plan hat, dann kann man investieren und kommerzielle Partnerschaften aufbauen. Im Moment ist es sehr schwierig und eine große Herausforderung", sagt der Organisator der Rallye Großbritannien über die derzeitige Situation.

"Wir warten seit fünf Jahren auf eine umsetzbare Vision für die Zukunft. Die Veranstalter brauchen etwas, worauf sie aufbauen können, eine Formel mit der man eine Veranstaltung entwickeln kann. Wenn wir den WM-Status für die nächsten drei bis fünf Jahre sicher hätten, dann könnten wir einen vernünftigen Business-Plan entwickeln."

Fotoquelle: Red Bull/GEPA

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