Jari-Matti Latvala bereitete sich in Le Mans auf die Asphalt-Rallye vor

Rallye 2012

— 29.09.2012

Ford will Loeb in Frankreich schlagen

Jari-Matti Latvala und Petter Solberg gehen die Rallye Frankreich optimistisch an: Ford hat sich auf Asphalt gut vorbereitet

Die Rallye Frankreich, elfter von 13 Lufen zur Rallye-Weltmeisterschaft, ist der letzte Asphaltevent der Saison. Das Werksteam von Ford will das Potenzial des Ford Fiesta RS WRC auf diesem Straenbelag erneut unter Beweis stellen - exakt zwlf Monate, nachdem der Allradler an selber Stelle auf dem bis dahin eher ungeliebten Asphalt brilliert hatte. Fr Zuversicht im Ford-Team sorgt dabei die beachtliche Serie von Podestpltzen auf festem Untergrund: Im Januar fhrte die Werkspaarung Petter Solberg/Chris Patterson die Rallye Monte Carlo zwischenzeitlich an und erreichte am Ende Platz drei.

Bei der Rallye Deutschland Ende August lagen beide Fiesta RS WRC lange auf Podiumskurs, Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila holten als Zweite die beste Asphalt-Platzierung ihrer Karriere. Diese Serie bei der Rallye Frankreich auszubauen, stellt eine beachtliche Herausforderung dar. Der im Elsass unweit der Grenze zu Deutschland ausgetragene Event umfasst dieses Jahr fast 70 Kilometer mehr Wertungsprfungen (WP) als zuvor, rund die Hlfte der WP-Strecken ist fr die WM-Piloten Neuland. Die Rallye fhrt ber eine Gesamtdistanz von 1.404,89 Kilometer, davon 22 WP mit zusammen 404,14 Kilometern Lnge.

Das Rallyezentrum befindet sich zum nunmehr dritten Mal in Straburg, der historischen Stadt zwischen den franzsischen Vogesen und dem deutschen Schwarzwald. Die Vogesen sind auch ein zentraler Schauplatz der ersten beiden Etappen. Die Straen in dem bis zu 1.400 Meter hohen Mittelgebirge sind hchst unterschiedlich - enge, wellige Waldwege wechseln sich mit breiten Straen ab, auf denen Topspeeds bis zu 200 km/h anliegen. Einen weiteren krassen Kontrast dazu bilden die winkligen WP-Strecken durch die Weinberge sowie die drei Prfungen in den malerischen Innenstdten der Elsass-Orte.

Wie bei jeder Asphaltrallye spielt die Reifenwahl eine auerordentlich groe Rolle. Der anbrechende Herbst und die unberechenbaren Wetterverhltnisse in den Bergen sprechen stark dafr, dass es im Verlauf der Rallye regnen knnte. Um fr die vermutlich kniffligen Verhltnisse die richtige Reifenwahl zu treffen, stehen den Werksfahrern Latvala und Solberg zum einen die aktuellen Wetterdaten der Meteorologen von Ford, zum anderen die Informationen der "Asphaltspione" zur Verfgung, die die Wertungsprfungen vor dem WM-Starterfeld abfahren.

Reifenpartner Michelin stellt den Teams den Asphaltreifen Michelin Pilot Sport mit harter Laufflchenmischung fr trockene Straen und in weicherer Version fr kaltes oder nasses Wetter zur Verfgung. Jeder Fahrer erhlt ein Kontingent von 24 harten und 20 weichen Reifen und darf laut Reglement whrend der Rallye 25 Stck davon einsetzen. In jedem Fahrzeug drfen bis zu zwei Ersatzrder mitgefhrt werden. Das manuelle Nachschneiden des Profils ist nicht erlaubt.

Latvala testete in Le Mans

Wales-Sieger Latvala bereitete sich auf die schnellen Asphalt-Prfungen mit einem extrem ungewohnten Fahrzeug vor: Unter Anleitung des ehemaligen Sportwagen- und Indycar-Profis Didier Andre fuhr er am Mittwoch einen Tag lang einen Formel-Rennwagen auf dem Circuit Bugatti in Le Mans. Andre, Vierter der 24 Stunden von Le Mans 2010, arbeitete mit dem Finnen vor allem an Bremstechniken und der Linienwahl. Von Le Mans reiste Latvala fr einen zweitgigen Test im Fiesta RS WRC in das Elsass.

"Das Wetter beim Rundstrecken-Training war recht wechselhaft. Aber das fand ich sogar sehr hilfreich, denn so konnte ich auf Slicks und auf Regenreifen fahren und musste im Nassen eine andere Linie finden", berichtet der 27-Jhrige. "Ich glaube, diese Erfahrung wird mir auch im Rallye-Auto nutzen. Wenn du auf eine glnzend schwarze Straenoberflche zufhrst, ist es oft sinnvoll, die Linie zu ndern und Pftzen zu umfahren."

Der siebenfache WM-Laufsieger war 2010 und 2011 jeweils Vierter in Frankreich. Den elften Saisonlauf geht er nach dem Sieg in Grobritannien und Platz zwei in Deutschland mit neuer Zuversicht an. "Gute Ergebnisse geben dir Selbstvertrauen. Und in Frankreich bin ich voriges Jahr ein gutes Tempo gefahren", besttigt Latvala. "Ich mchte um die Top-Positionen mitkmpfen. Ich bin Realist und wei, wie schwierig es auf Asphalt werden kann, aber ich setze mir trotzdem hohe Ziele."

"Die Wertungsprfungen sind ziemlich unterschiedlich, ganz hnlich wie bei der Deutschland- Rallye. Aber der grundstzliche Charakter der Strecken ndert sich hier nicht so stark", vergleicht der Finne. "In den Bergen gibt es eher lange Kurven, und die Straen durch die franzsischen Weinberge sind breiter als die auf der anderen Rheinseite. Sie folgen einer natrlicheren Linie. Der Grip ist allgemein recht gut. Unser Setup bildet meist einen Kompromiss fr die verschiedenen Streckentypen."

Sein Teamkollege Solberg hat die Rallye Frankreich 2003 bereits einmal gewonnen, als der Event noch auf Korsika stattfand. Im Elsass erreichte er 2010 als Dritter sein bestes Resultat. "Die Strecken sind recht schnell und der Fahrbahnbelag ordentlich. Deshalb drfte der Reifenverschlei kein Problem darstellen", analysiert der 37-jhrige Norweger. "Bei den Reifen geht es eher darum, das Wetter einzuschtzen und die richtige Laufflchenmischung zu whlen. Das wird nicht einfach, aber andererseits kann eine gelungenen Reifenwahl hier schnell den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen."

"Beim vorigen Asphaltlauf in Deutschland waren wir sehr schnell. Ich habe erwartet, dass der Fiesta gut geht, und das hat sich besttigt. Hoffentlich knnen wir diesen Aufwrtstrend hier fortsetzen, indem wir in Frankreich mglichst noch flotter unterwegs sind und die Fans gut unterhalten. Seit die Rallye nach Straburg gewechselt ist, kommen die Zuschauer in Scharen. Die Stimmung ist groartig, das spre ich als Fahrer ebenfalls", so Solberg.

Fotoquelle: xpbimages.com

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