Malcolm Wilson muss die Finanzierung für 2013 auf die Beine stellen

Rallye 2012

— 01.11.2012

Wilson: "Programm hängt von Finanzierung ab"

M-Sport-Chef Malcolm Wilson blickt trotz Ford-Rückzug optimistisch in die Zukunft - Wenn die Finanzierung klappt, dann kann sein Team 2013 um den WM-Titel kämpfen

Anfang Oktober verkündete Ford, dass man sich als Titelsponsor aus der Rallye-WM zurückziehen wird. Ein Ruck ging durch die Rallye-Szene, denn kurz zuvor ließ BMW verlautbaren, dass man die Werksunterstützung der MINI-Boliden ebenfalls beenden wird. Sebastien Loeb wird im kommenden Jahr nur noch ausgewählte Rallyes bestreiten. Die Rallye-WM steht vor großen Veränderungen. Die positive Meldung der vergangenen Wochen war die Vorstellung des neuen Promoters. Das Red-Bull-Medienhaus und die Sportsman-Mediengruppe sollen der WRC wieder zu besseren Zeiten verhelfen.

Bereits in zweieinhalb Monaten startet die Saison 2013 mit der Rallye Monte Carlo. Volkswagen wird dann erstmals mit dem Polo R WRC in den Wettkampf eingreifen. Dagegen gibt es bei M-Sport noch viele Fragezeichen. Malcolm Wilson, der die Firma leitet, muss externe Sponsoren suchen, um die die Einsätze in der Rallye-WM finanzieren zu können. Ford wird zwar weiterhin technische Unterstützung bieten und vor allem die Rohkarossen liefern, doch M-Sport muss künftig als reines Privatteam auftreten. In der kurzen Zeit bis zur Rallye Monte Carlo gibt es viel zu erledigen.

"Niemand ist mehr enttäuscht als ich und die 200 Mitarbeiter bei M-Sport. Wir müssen uns im Klaren sein, dass es derzeit um die europäische Wirtschaft nicht gut bestellt ist", sagt Wilson gegenüber dem 'World Rallye Radio'. "Es ist eine schwierige Situation. Dazu gab es in der WRC auch einige negative Dinge, aber jetzt sieht es durch die Bekanntgabe des neuen Promoters wieder positiv aus. Es ist trotzdem ein großer Rückschlag", meint der ehemalige Rallye-Fahrer enttäuscht.

Dennoch werden auch in Zukunft Ford-Boliden in der Rallye-Szene vertreten sein. "Trotzdem will ich es positiv sehen. Wir wollen im nächsten Jahr weiterhin auf einem hohen Level in der Weltmeisterschaft sein. Wir werden auch weiterhin gute technische Unterstützung von Ford erhalten", blickt Wilson voraus. Es geht nicht rein um die beiden bisherigen Werksautos, denn M-Sport baut in der britischen Grafschaft Cumbria unzählige Autos für Kunden auf.

Das Geschäft floriert. "Derzeit sind 700 Ford-Rennwagen im Einsatz, die unsere Werkshallen verlassen. Als Firma ist es wichtig, dass wir diesen Kunden auch weiterhin ein konkurrenzfähiges Produkt anbieten. Das ist jetzt unsere Aufgabe. Wenn man nicht konkurrenzfähig ist, dann wird der Verkauf der Autos sofort gestoppt. Wir müssen also auch in Zukunft unsere Produkte entwickeln."

"Das werden wir tun. Beim R2-Boliden haben wir Performance-Vorteile und im Frühjahr wird der R5 präsentiert. Ich glaube, dass dieses Auto weltweit in den Meisterschaften erfolgreich sein wird. Es ist ein aufregendes und konkurrenzfähiges Auto." Die R5-Boliden werden über kurz oder lang die S2000-Modelle verdrängen. M-Sport ist mit der R5-Version des Fiesta ein Vorreiter und will damit auch in Zukunft Geschäft machen.

Technische Unterstützung von Ford bleibt

Auch wenn sich Ford offiziell zurückgezogen hat, wird es speziell für die WRC-Versionen Unterstützung geben. "Wir werden ihnen große technische Unterstützung zukommen lassen", bestätigt Gerard Quinn, der Motorsportchef von Ford-Europa, gegenüber 'Autosport'. "Alles was wir für M-Sport in der Vergangenheit getan haben, werden wir auch in Zukunft tun. Ich werde unsere Ressourcen für sie offen halten, damit sie die bestmögliche Technologie verfügbar haben."

Wilson will den Betrieb, so wie er heute läuft, auch in Zukunft weiterführen. "Ja, das ist der Plan. Wir haben auf technischer Seite immer noch gute Unterstützung von Ford. Es ist noch Business as usual. Man muss abwarten wie es sich in Zukunft entwickelt. Wir wollen aber Ford und M-Sport an der Spitze der WRC sehen. In den vergangenen 16 Jahren war ich bei allen WRC-Rallyes vor Ort. Bei einigen auch noch als Fahrer. Wir wollen damit nicht aufhören. Ford hat sich als Titelsponsor zurückgezogen. Das bedeutet, dass wir mehr Geld auftreiben müssen, um diese Lücke zu schließen. Darum kümmern wir uns derzeit. Wir hoffen, dass wir es schaffen."

Offen ist auch die Fahrerbesetzung im kommenden Jahr. Jari-Matti Latvala hat das Team verlassen und bei Volkswagen angeheuert. Wilson hegt keinen Groll gegen den Finnen. "Ich wollte Jari-Matti nicht verlieren, aber unter diesen Voraussetzungen war es offensichtlich. Mit Jari hatten wir einen langfristigen Plan, aber ich verstehe seine Entscheidung und wünsche ihm alles Gute. Hoffentlich ist er nicht zu erfolgreich, wenn wir gegen ihn kämpfen", grinst der Brite.

Petter Solberg will weitermachen, denn er kennt das Potenzial des Fiesta RS WRC. "M-Sport wird weiterkämpfen. Es sieht also nicht alles düster aus. Ich sehe auch keinen Grund, warum wir in der nächsten Saison nicht gegen Citroen und Volkswagen kämpfen können", schreibt der Norweger in seiner Kolumne bei 'Crash.net'. "Der Fiesta RS WRC ist ein verdammt schnelles Auto. Ich bin zuversichtlich, dass er im nächsten Jahr noch schneller sein wird. Man darf auch nicht vergessen, dass wir weiterhin technische Unterstützung von Ford erhalten werden."

"M-Sport kann definitiv im nächsten Jahr um die WM kämpfen. Darüber habe ich überhaupt keine Zweifel." Aber nicht nur der Norweger ist optimistisch für das kommende Jahr. Auch Wilson kennt das Potenzial des Autos. "Jeder kann sehen wie konkurrenzfähig unser Auto ist. Wir werden im kommenden Jahr auch einige Updates haben. Wir haben eine gute Chance, aber es ist natürlich schade, dass Ford diese Entscheidung zu diesem Zeitpunkt getroffen hat. Ich verstehe aber ihre Entscheidung. Wir hätten sie gerne langfristig bei uns gehabt. Wir werden sehen was die Zukunft mit dem neuen Promoter bringt."

Junge Fahrer denkbar

Wer die Lücke, die Latvala hinterlassen hat, füllen wird, steht derzeit noch nicht fest. "Man will natürlich immer die besten Fahrer haben, denn ich denke, dass wir ein sehr gutes Auto haben. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir im kommenden Jahr als Privatteam eine sehr gute Chance auf den WM-Titel haben. Sebastien Loeb wird nur ein eingeschränktes Programm fahren. Das bietet eine große Chance. Jari und Sebastien Ogier werden in einem neuen Auto sitzen", analysiert Wilson die Ausgangsposition.

"Es gibt viele aufregende Nachwuchsfahrer. Wie man weiß, scheue ich mich nicht davor auf Youngster zu setzen. Das hat man schon bei Fahrern wie Francois Duval, Mikko Hirvonen und Jari-Matti gesehen." Auf dem Papier stehen die Voraussetzungen für M-Sport nicht schlecht, doch unter dem Strich wird alles vom lieben Geld abhängen. "Das Programm wird natürlich von der Finanzierung bestimmt. Ich will zu Rallyes fahren und wissen, dass wir gewinnen können", hält Wilson fest. "Ich weiß nicht ob ich es schaffen werde, aber ich werde 110 Prozent geben. Meine Mitarbeiter stehen voll hinter mir."

Fotoquelle: M-Sport

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