Im Vorjahr feierte Sebastien Ogier in Mexiko einen umjubelten Sieg

Rallye 2014

— 28.02.2014

Herkules-Aufgabe für WM-Spitzenreiter Volkswagen in Mexiko

Volkswagen als WM-Erste, -Zweite und -Vierte "Straßenkehrer" von Leon - Erste Schotter-Rallye des Jahres rund um die geografische Mitte Mexikos

Erstmals Schotter, große Höhe und ein Luxusproblem - Volkswagen startet bei der Rallye Mexiko (06.-09. März) in eine besondere Herausforderung. Beim dritten Lauf der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) nehmen die drei Volkswagen-Werksduos erstmals in dieser Saison Schotter unter die Räder des Polo R WRC. Aus dem Winter Monte Carlos und Schwedens werden sommerliche Temperaturen Mexikos. Und eine geografische Besonderheit im WM-Kalender gibt es noch dazu: Der mit 2.781 Meter über Normalnull höchste und der mit 1.832 Metern tiefste Punkt auf den Wertungsprüfungen bedeuten im wahrsten Sinn dünne Luft für die WM-Teilnehmer.

Bis zu 30 Prozent ihrer Leistung verlieren die Motoren unter diesen Bedingungen. Dazu werden Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila als WM-Führende, Sebastien Ogier/Julien Ingrassia als WM-Zweite sowie Andreas Mikkelsen/Mikko Markkula als WM-Vierte mit einem zusätzlichen Problem konfrontiert. Sie haben angesichts ihrer Top-Platzierungen im WM-Klassement die Ehre, die Strecke zu eröffnen. Damit spielen sie die Rolle der "Straßenkehrer" von Leon und fegen die Wertungsprüfungen für die Nachfolgenden vom losen Schotter frei - grundsätzlich Gift für gute WP-Zeiten.

"Lag bei den ersten beiden WM-Rallyes des Jahres in Monte Carlo und in Schweden der Schwerpunkt etwas mehr auf der fahrerischen Leistung, ist in Mexiko diesmal verstärkt das Material gefragt", so Volkswagen Motorsport-Direktor Jost Capito. "Die Anpassung der Motorsteuerung an die extreme Höhe ist eine knifflige Aufgabe für die Ingenieure, die die Balance zwischen Standfestigkeit und minimaler Leistungseinbuße finden müssen. Dazu haben auch unserer Fahrer/Beifahrer-Paarungen eine Herkules-Aufgabe vor sich."

Wer ist schneller als Speedy Gonzales?

"Sie dürfen - oder müssen - die Strecke wegen ihrer Top-Platzierungen in der WM eröffnen. Trotz dieses immensen Nachteils glaube ich fest daran, dass Jari-Matti, Sebastien und Andreas hier und da zaubern und hoffentlich alle überraschen können." Mit jedem World-Rally-Car, das die Route passiert, werden die Wertungsprüfungen mehr und mehr von ihrer dicken Schicht losen Schotters gesäubert. Selbst auf dem zweiten Durchgang auf den WPs tritt bei der Rallye Mexiko dieser Effekt ein.

Für diejenigen, die die Route eröffnen, ein klarer Nachteil. Umso mehr kommt es auf Fahrer und Beifahrer im Volkswagen-Team an. Mit einem Null-Fehler-Job und perfekt kalkuliertem Risiko könnten die Werksduos am ersten Rallye-Tag Schadensbegrenzung betreiben. Latvala/Anttila führen mit 40 Zählern die Tabelle in Fahrer- und Beifahrer-Wertung an und eröffnen damit als Erste die Wertungsprüfungen des ersten Rallye-Tages. Ihre Teamkollegen Ogier/Ingrassia folgen mit zwei Minuten Abstand. Sie liegen mit 35 Zählern derzeit auf WM-Rang zwei.

Weitere vier Minuten später gehen Mikkelsen/Markkula (24 WM-Zähler, Platz vier) auf die Strecke. Vor der Saison wurden im sportlichen Reglement der Rallye-WM die Bestimmungen zur Startreihenfolge novelliert. Der erste Rallye-Tag wird nun stets in der Rangfolge des WM-Klassements ausgetragen, alle weiteren in der Reihenfolge der Rallye-Gesamtwertung vom Vortag. Eine Qualifikation wie in den vergangenen Jahren wird nicht mehr ausgetragen.

Latvala topmotiviert

"Der Sieg in Schweden war ein besonderer Moment für mich und hat mir natürlich eine Extraportion Selbstvertrauen gegeben", sagt Latvala. "Auf die anstehende Schotter-Rallye in Mexiko mit ihren schwierigen Bedingungen haben wir uns mit Testfahrten in Spanien sorgfältig vorbereitet. Durch die wegfallende Qualifikation muss ich in Mexiko als Erster auf die Piste, was natürlich ein Handicap ist. Die Regeln sind aber, wie sie sind. Die Freude, als WM-Führender nach Mexiko zu reisen, überwiegt auf jeden Fall. Ich nehme es sportlich und werde das Beste aus den Gegebenheiten machen. Wenn alles perfekt läuft, ist sogar ein Sieg möglich, aber das ist nicht mein Hauptziel. Wir wollen wenigstens Punkte holen. Eine Podiumsplatzierung wäre schon super."

Ogier gewann im Vorjahr in Mittelamerika und peilt seinen zweiten Saisonsieg an: "Ich mag die Rallye Mexiko. Das Ziel für dieses Jahr ist natürlich, den Sieg aus der vergangenen Saison zu wiederholen. Die zum Teil langen Wertungsprüfungen in Mexiko sind für uns immer eine große Herausforderung. Wir starten als Zweite mit dem Wissen, dass die Straßenverhältnisse mit jedem Auto besser werden. Meine Ausgangssituation ist mit Sicherheit besser als die meines Teamkollegen Jari-Matti, aber die Jungs hinter uns werden noch bessere Bedingungen haben."

"Wir werden also am ersten Tag das Maximum herausholen müssen, um nicht früh alle Chancen einzubüßen. Eine unserer Stärken im vergangenen Jahr war der Motor des Polo R WRC. Wir hatten mit den Bedingungen, der dünnen Luft und dem damit verbundenen Leistungsverlust, weniger Probleme als unsere Konkurrenten. Doch die Karten sind für 2014 neu gemischt worden." Während Latvala und Ogier die steinigen Strecken sehr gut kennen, tritt Mikkelsen zum ersten Mal in Mexiko an.

"Schweden war ein perfektes Wochenende. Wir haben um den Rallye-Sieg gekämpft und der zweite Platz war im Endeffekt ein großartiges Ergebnis für Mikko und mich", blickt der jungen Norweger auf seinen ersten großen Erfolg zurück. "Wenn man einmal auf dem Podium stand, möchte man das natürlich wiederholen. Man darf aber auch den Sinn für die Realität nicht verlieren. Jetzt freuen wir uns auf Mexiko, was absolutes Neuland für uns ist."

"Da ich die Rallye noch nicht im Wettbewerb gefahren bin, wird es für uns nicht einfach. Immerhin konnte ich im vergangenen Jahr an der 'Recce' teilnehmen und somit erste Eindrücke sammeln. Mein Ziel sind die Top 5. Ich bin jedenfalls körperlich und mental frisch für das Rallye-Wochenende. Nach Schweden war ich zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden, außerdem habe ich noch einen Wochenend-Trip nach New York unternommen, um ein bisschen zu entspannen. Jetzt kann's losgehen."

Wie Joggen mit Schnorchel - die Luft wird für die Motoren dünn

Die 1,6-Liter-Turbomotoren in der Rallye-WM werden laut Reglement mit einem Luftmengenbegrenzer effektiv in ihrer Leistung begrenzt - gerade so, als würde man beim Joggen durch einen Schnorchel atmen. Auf Höhen in der Sierra de Lobos und der Sierra de Guanajuato rund um die 2.800-Meter-Marke ist bei der Rallye Mexiko dieser Effekt noch einmal verstärkt. Mit der Höhe sinkt der Sauerstoffanteil der Luft und führt damit zu einer weniger effizienten Verbrennung.

Zudem sinkt der Luftwiderstand für den Turbolader. Damit steigt die Drehzahl in diesem Bauteil - nur ein Eingreifen über die Motorsteuerung kann eine mechanische Überlastung verhindern. Verglichen mit der Rallye Schweden sinkt die Leistungsausbeute der Motoren damit um 28 bis 30 Prozent. "Die Höhe bei der Rallye Mexiko betrifft kein Bauteil des Polo R WRC derart wie den Motor", so Dr. Donatus Wichelhaus, Leiter Motorenentwicklung bei Volkswagen Motorsport.

"Einerseits sinkt mit der Höhe der Luftdruck und damit der Sauerstoffgehalt der Luft, andererseits auch der Luftwiderstand im Turbolader, der damit höhere Drehzahlen erreicht als bei allen anderen Rallyes. Um seine Standfestigkeit weiterhin zu gewährleisten, gleichzeitig aber so wenig Leistung wie möglich zu verlieren, haben wir uns bereits vor dem vergangenen Jahr mit verschiedenen Simulationen auf die 'Mexiko' vorbereitet."

Bergwerksschächte, Serpentinen und "El Chocolate"

Bei der Rallye Mexiko bilden die Extreme ein unverwechselbares Kontrastprogramm für Fahrer, Beifahrer und Fans. Popstar-Feeling und die Begeisterung von 80.000 Zuschauern bei der "Guanajuato Street Stage" treffen Einsamkeit im Hochland, Kurzprogramm von nur etwas mehr als einem WP-Kilometer trifft 56-Kilometer-Knochenjob - die Rallye Mexiko ist einer der vielfältigsten im WM-Kalender.

Drei Wertungsprüfungen ragen allein ihrer Länge wegen heraus: "El Chocolate" am Freitag mit gut 44 Kilometern auf Zeit, "Otates" am Samstag mit knapp 54 Kilometern sowie "Guanajuatito" mit etwa 56 Kilometern. Auf der WP "Derramadero" steht der beliebteste Zuschauerpunkt der Fans auf dem Programm.

Ultraschnelle Serpentinen, eine Abfahrt um rund 200 Höhenmeter innerhalb von gerade einmal 2,5 Kilometern sowie die Sprungkuppe "El Brinco" mit spektakulären Flugeinlagen der World-Rally-Cars sind die exquisiten Zutaten dieser abschließenden und live im TV übertragenen Power Stage. Und das alles lediglich vier Kilometer vom Cerro del Cubilete entfernt, auf dem eine etwa 30 Meter hohe Christus-Statue den geografischen Mittelpunkt Mexikos markiert.

Fotoquelle: Volkswagen

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