Der Volkswagen Polo R WRC muss für alle Straßenverhältnisse geeignet sein

Rallye 2014

— 17.04.2014

Der Volkswagen Polo R WRC in 3.300 Teilen

Der Polo R WRC ist ein Maximum an Effizienz: Volkswagen hat den WRC-Boliden in allen Details durchdacht - Technisch stark und freundlich beim Service

Er ist die Stahl, Aluminium und Karbon gewordene Effizienz - der Volkswagen Polo R WRC für die FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Die etwa 3.000 Einzelteile des Chassis und noch einmal 300 Komponenten des Motors sind auf mehreren technologischen Ebenen clever durchdacht. Mit absoluter Zuverlässigkeit, konsequentem Leichtbau, herausragender Service-Freundlichkeit und bestechender Performance holte das 315 PS (232 kW) starke World-Rally-Car bereits bei seinem Debüt 2013 alle drei Weltmeistertitel nach Wolfsburg.

2014 tritt der Polo R WRC im Detail verbessert zum "Projekt Titelverteidigung" an. Bewähren muss sich der Allradler dabei erneut bei vielfältigen Herausforderungen. Gemacht für facettenreiche Herausforderungen Mal geduckt über topfebenen Asphalt, mal quer stehend über Eis und Schnee, mal hochbeinig über rauen Schotter - dazu hier große Hitze, dort Eiseskälte. Keine zweite Top-Liga im Motorsport bietet eine solch große Vielfalt an klimatischen Bedingungen und unterschiedlichen Fahrbahnbelägen.

Egal, ob hoher Rhythmus enger Haarnadel-Kurven während einer Serpentinen-Prüfung oder der Rütteltest auf Vollgas-Abschnitten mit Sprüngen bis zu 60 Metern Weite - all das ist das Revier eines World-Rally-Car. Der Antrieb, dabei so schnell wie möglich von A nach B zu eilen, ist der Grundbaustein seiner DNS. Das World-Rally-Car von Volkswagen basiert auf dem Straßenmodell und Namensbruder des Polo R WRC. Vom Homologationsmodell stammt die Rohkarosserie, die laut Reglement unverändert eingesetzt werden muss.

Auch die Motorhaube und die Heckklappe entstammen - bis auf die nachträglich hergestellten, markanten Lufteinlasslöcher - aus dem Serienpendant. Der Polo R WRC für die Rallye-WM, dessen Rohkarosse im Volkswagen Werk Pamplona vom Band rollt, wurde zudem auf das per Reglement erlaubte Maximum von 1.820 Millimetern verbreitert. Aerodynamisch sorgen Kotflügel-Verbreiterungen, der große Heckflügel, die Front- und Heckschürze sowie ein teilweise verkleideter Unterboden für bestmöglichen Luftstrom um das Auto.

Ein permanenter Allrad-Antrieb verwandelt per mechanischen Lamellensperrdifferenzialen an Vorder- und Hinterachse die 315 PS des World-Rally-Car in Vortrieb. Für den perfekten Kontakt zur Fahrbahn sorgen nicht nur die Michelin-Reifen mit 18-Zoll-Rädern für Asphalt sowie 15-Zoll-Varianten für Schotter, Eis und Schnee, sondern auch ausgetüftelte Einzelradaufhängungen.

Die hier zum Einsatz kommenden ZF-Dämpfer/Feder-Einheiten sind beispielsweise ein Schlüssel zur perfekten Abstimmung des Fahrwerks. In der Kombination der Kennfelder für Druck- und Zugstufe stehen den Ingenieuren theoretisch 92.160 verschiedene Set-up-Varianten zur Auswahl. Unter der Haube entwickelt ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo nach dem "Global Race Engine Concept" jene 315 PS Leistung, die reglementbedingt durch einen Air-Restrictor effizient begrenzt wird.

Der Reihenvierzylinder mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung bezieht seine Atemluft durch eine Öffnung von gerade einmal 33 Millimetern. Das ist in etwa so, als würde ein Hochleistungssportler beim 100-Meter-Lauf durch einen Schnorchel atmen. Und dennoch sind die Fahrleistungen beeindruckend: Die 315 PS (232 kW) liegen bei 6.250 Umdrehungen pro Minute an, das maximale Drehmoment von 425 Nm bei etwa 5.000 Touren.

Ein ausgefeiltes Anti-Lag-System minimiert das sogenannte Turbo-Loch bei niedrigen Drehzahlen und sorgt für das markante und weithin hörbare Stakkato. Der Polo R WRC beschleunigt von null auf 100 Kilometer pro Stunde in 3,9 Sekunden. Je nach Getriebe-Übersetzung liegt die Höchstgeschwindigkeit bei etwa 200 Kilometern pro Stunde.

Der Polo R WRC ist enorm Service-freundlich

Die Zeit, die World-Rally-Cars zu warten, ist in der Rallye-Weltmeisterschaft stark begrenzt. In der Regel stehen an einem normalen Rallye-Tag morgens ein 15-, mittags ein 30- und abends ein 45-minütiger Service auf der Agenda. Um die Rallye-Fahrzeuge trotz der enormen Belastungen auf den Wertungsprüfungen nach dem Service wieder optimal vorbereitet auf die Reise zu schicken, zählt jede Sekunde.

Neben der perfekt eingespielten Volkswagen-Mannschaft können die Techniker von Ogier, Latvala und Mikkelsen aber auch auf die konstruktive Service-Freundlichkeit des Polo R WRC bauen. Räder sind in weniger als 60 Sekunden, das Getriebe in unter zwölf Minuten gewechselt. Um den reibungslosen und perfekt koordinierten Service gewährleisten zu können, wurde bei der Entwicklung des Polo R WRC bereits die Erfahrung der Volkswagen Mechaniker mit einbezogen - neben der Leistungsfähigkeit und Standfestigkeit der einzelnen Komponenten ein überaus wichtiges Effizienz-Kriterium.

Neue Details für 2014

2014 geht der Polo R WRC im Detail verbessert an den Start der 13 Saison-Rallyes. Die Möglichkeiten der Volkswagen-Ingenieure waren dabei extrem begrenzt. Die Hersteller, die 2013 in der Rallye-WM engagiert waren, hatten sich darauf verständigt, für die Saison 2014 keine neuen World-Rally-Cars zu homologieren.

Volkswagen blieben damit lediglich die wenigen Mittel innerhalb des Reglements. Zu diesem Spiel in engen Grenzen zählten dabei beispielsweise die Änderungen einiger Komponenten, die quartalsweise erlaubt sind - oder generell frei sind. 2014 kommen etwa neu entwickelte Dämpfer von ZF zum Einsatz. Darüber hinaus setzte Volkswagen zehn sogenannte Joker ein, die eine Veränderung der betreffenden Komponenten im Vergleich zu den Homologationsunterlagen zulassen.

Die eingesetzten Joker wurden hauptsächlich zur weiteren Verbesserung der Standfestigkeit des Polo R WRC eingesetzt. Bereits 2013 zeichnete sich das World-Rally-Car aus Wolfsburg durch eine enorme Zuverlässigkeit aus. Im gesamten Saisonverlauf registrierten die Ingenieure von Volkswagen keinen einzigen technisch bedingten Ausfall. Der Einsatz der Joker zielt darauf, den Fahrern eine aggressivere Fahrweise zu ermöglichen - beispielsweise mit verstärkten Fahrwerkskomponenten.

So schnell kann's gehen - die Service-Zeiten:
Reifenwechsel: 1 Minute pro Reifen
Getriebewechsel: 12 Minuten
Stoßdämpferwechsel: 3 Minuten pro Dämpfer/Feder-Einheit
Lenkung justieren: 1 Minute, 30 Sekunden
Frontschürze wechseln: 1 Minute
Heckschürze wechseln: 1 Minute, 30 Sekunden
Zusatzscheinwerfer ("Nightface") montieren: 2 Minuten
Scheinwerfer tauschen: 1 Minute
Querlenker tauschen: 4 Minuten
Bremsbeläge und -scheiben wechseln: 3 Minuten

Evolution in kleinen Schritten - die Veränderungen 2014:
Joker #1: Pleuel
Joker #2: Motor- und Getriebe-Aussteifung
Joker #3: Rampenwinkel Vorderachs-Differenzial
Joker #4: Rampenwinkel Hinterachs-Differenzial
Joker #5: Querlenker vorn (Asphalt-Version)
Joker #6: Hinterer Hilfsrahmen
Joker #7: Querlenker hinten (Asphalt-Version)
Joker #8: Querlenker hinten (Schotter-Version)
Joker #9: Trennsystem für Hinterachs-Differenzial
Freier Joker: Software

Fotoquelle: xpbimages.com

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