Volkswagen strebt in Deutschland Wiedergutmachung für 2013 an

Rallye 2014

— 20.08.2014

Vorschau Rallye Deutschland: Matchball für Volkswagen

Durch die Mosel-Weinberge und über die Panzerplatte: Volkswagen will sich nach der Enttäuschung des Vorjahres den Sieg bei der Heimrallye sichern

Drei Wochen nach der Schotter-Show in Finnland bekommt die Rallye-Weltmeisterschaft festen Boden unter die Räder: Mit der Rallye Deutschland steht der erste von drei in dieser Saison noch ausstehenden Asphalt-Läufen auf dem Programm. Die 18 Wertungsprüfungen (WP) in den Mosel-Weinbergen, im nördlichen Saarland sowie im gefürchteten Truppenübungsplatz Baumholder gelten als besonders anspruchsvoll, denn sie verzeihen kaum Fehler.

Da Motto der Rallye Deutschland könnte in diesem Jahr "zurück zu den Wurzeln" heißen. Nach dem Showstart vor dem Kölner Dom und den beiden Auftaktprüfungen in der Eifel, die noch im vergangenen Jahr den hiesigen WM-Lauf prägten, kehrt die Veranstaltung wieder zu ihrem traditionellen Format zurück. Und dies bedeutet: Start und Ziel ist in Trier, wo auch wieder der Service-Park seine Zelte aufschlägt.

Selbst die Zuschauerprüfung in der Stadtmitte, der "Circus Maximus" entfällt. Dafür ersannen die Organisatoren ein neues Konzept, wie die Abertausende Zuschauer aus dem In- und Ausland im Truppenübungsgebiet Baumholder noch besser unterhalten werden können. Wichtigste Änderung: Neben der legendären, trotz zum Teil neuer Streckenführung erneut über 40 Kilometer langen "Panzerplatten"-Herausforderung integrierten die Veranstalter eine weitere WP in das Militärgelände. Damit kommen die Fans am Samstag ohne Ortswechsel in den Genuss von gleich vier Prüfungen.

Neue Zuschauerprüfung auf der Panzerplatte

"Die neue Sprintprüfung auf der Panzerplatte finde ich sehr gut", sagt Volkswagen-Pilot Jari-Matti Latvala. "So bekommen die Fans zusätzliche Rallye-Action geboten und für uns Fahrer ist es eine gute Gelegenheit, uns auf die lange Panzerplatten-Prüfung einzustimmen, die direkt danach auf dem Programm steht."

Ebenfalls neu: Gemeinsam mit dem ADAC und dem Automobil-Weltverband FIA bietet Michelin den Zuschauern in diesem Jahr erstmals einen besonderen Shuttle-Service an. Vom Service-Park in Trier aus sind an allen drei Rallye-Tagen bis zu vier Busse im Einsatz, die jeweils 55 Zuschauer zu ausgesuchten Wertungsprüfungen und wieder zurück bringen. Die Mitfahrt ist für Inhaber eines gültigen Veranstaltungstickets kostenlos, Anmeldungen nimmt ein spezieller Schalter im Service-Park entgegen.

Die spannende Frage aus sportlicher Sicht lautet: Kann Volkswagen mit der Rallye Deutschland auch die letzte noch nicht eroberte Bastion schleifen? Die Erfolgsbilanz des in Hannover angesiedelten Werksteams seit dem Comeback in der Rallye-WM zu Beginn der vergangenen Saison liest sich eindrucksvoll. Seit der "Deutschland" 2013, als Dani Sordo die ungebrochene Siegesserie von Citroen bei diesem WM-Lauf fortführte, ist der Polo R WRC ungeschlagen.

Baut Citroen die Siegesserie aus?

Titelverteidiger Sebastien Ogier sowie seine Teamkollegen Latvala - der zuletzt in Finnland gewann - und Andreas Mikkelsen sind fest gewillt, ihrem niedersächsischen Arbeitgeber den Triumph vor der eigenen Haustür zu schenken. Sollte ihnen das gelingen, stände Volkswagen bereits als Hersteller-Meister fest. Und auch der Fahrertitel würde in diesem Fall nur noch unter den drei Volkswagen-Piloten ausgemacht.

"Ich bin voll motiviert, hier das Titelrennen weiter offen zu halten", sagt Latvala. "Für das Team von Volkswagen wäre es großartig, wenn wir hier unseren ersten Heimsieg feiern könnten. Wir sind optimal vorbereitet und freuen uns ganz besonders auf die große Show auf der Panzerplatte. Obwohl wir hier vollkommen konzentriert sein müssen, bekommen wir auch etwas von der sensationellen Stimmung mit."

Als Hauptrivale von Volkswagen muss rund um Trier Citroen gelten. Denn die Franzosen können bei diesem Asphalt-Event eine blütenreine Weste vorzeigen: Noch nie ist es einem anderen Hersteller gelungen, den deutschen WM-Lauf zu gewinnen. Rekordweltmeister Sebastien Loeb drückte dieser Veranstaltung mit neun Siegen zwischen 2002 und 2012 ganz klar den Stempel auf. In diesem Jahr schickt das Team den Norweger Mads Östberg und den Nordiren Kris Meeke am Steuer der DS3 WRC ins Rennen.

M-Sport auf der Suche nach einem Spitzenresultat

"Die Rallye Deutschland ist extrem anspruchsvoll", sagt Meeke. "Man muss sich sehr schnell auf wechselnde Bedingungen einstellen können. Bei den Wertungsprüfungen gibt es sehr viele unterschiedliche Richtungswechsel, die es schwierig machen, einen konstanten Rhythmus zu finden. Ein exakter Aufschrieb und ein gutes Teamwork mit dem Co-Piloten sind hier wichtiger als bei manch anderer Rallye. Und obwohl Du hier ständig auf Asphalt fährst, ist es doch nie derselbe Untergrund. Vor allem auf der Panzerplatte ist der harte Belag eine echte Herausforderung für die Konzentration von uns Fahrern. Auch in den engen Weinbergen mit ihren vielen Spitzkehren verzeiht die Strecke keine Fehler."

Auch M-Sport gilt als Kandidat für den Gesamtsieg - mehrmals verpasste die Equipe von Malcolm Wilson in Trier den Sprung aufs höchste Podiumstreppchen nur knapp. In diesem Jahr schicken die Briten eine Geheimwaffe ins Rennen: den ehemaligen Formel 1-Piloten Robert Kubica. Der amtierende WRC 2-Weltmeister zählt unbestritten zu den schnellsten Fahrern überhaupt, machte bisher aber zu viele Fehler. Ihm zur Seite stehen zwei weitere Fiesta RS WRC in den Händen des routinierten Mikko Hirvonen und des aufstrebenden Walisers Elfyn Evans.

"Ich starte bei der Rallye Deutschland zum dritten Mal und freue mich schon sehr", sagt Evans. "Vergangenes Jahr lief es in Deutschland gleich richtig gut für mich und meinen Beifahrer Daniel Barritt: Bei den WRC2-Fahrzeugen konnten wir uns den zweiten Platz sichern und den sechsten Rang im Gesamtklassement. Das wäre natürlich auch für dieses Jahr ein super Ergebnis für das ganze Team, wir haben aber keinen Druck, das Ergebnis wiederholen zu müssen. Dies ist unser Entwicklungs-Jahr, daher konzentrieren wir uns immer von Prüfung zu Prüfung. Dabei wollen wir unseren Speed kontinuierlich steigern und Erfahrungen sammeln - das ist auch im Hinblick auf das nächste Jahr sehr wichtig für uns."

Neue WP "Waxweiler" ein Heimspiel für Neuville

Auf das Heimspiel freut sich auch Hyundai. Das in Alzenau bei Frankfurt neu gegründete Team schickt gleich drei Exemplare des i20 WRC ins Rennen: Neben Vizeweltmeister Thierry Neuville aus Belgien sind auch Vorjahressieger Dani Sordo und der Franzose Bryan Bouffier mit von der Partie. Die Koreaner haben die Saison 2013 zwar als reines Testjahr dekliniert, konnten aber immer wieder mit WP-Bestzeiten und zwei Podiumsplatzierungen brillieren.

"Ich freue mich schon sehr auf die Rallye Deutschland", fiebert Neuville seinem Quasi-Heimspiel entgegen. "Nicht nur weil ich hier im letzten Jahr Zweiter geworden bin, sondern weil mir der Charakter der Wertungsprüfungen gefällt. Bei vielen Wertungsprüfungen gibt es Abschnitte, in denen echte Stadion-Atmosphäre herrscht. Die Stimmung hier ist einfach fantastisch und ich hoffe auf die Unterstützung der deutschen und belgischen Fans genauso wie im letzten Jahr - das war großartig. Gespannt bin ich natürlich auch auf die neue Wertungsprüfung Waxweiler, die ja praktisch an meiner Haustür vorbeiführt. Das wird sicher auch ein emotionales Erlebnis für mich."

Für die zahlreichen Fans, die Jahr für Jahr aus dem gesamten europäischen Ausland nach Deutschland pilgern, bieten am Freitag die Wertungsprüfungen an der Mosel eine einmalige Kulisse. An vielen Stellen können sie die rund 300 PS starken Turbo-Allradler über mehrere Kilometer beobachten. Dank der zahlreichen Spitzkehren in den Weinbergen sind spektakuläre Drifts garantiert. Die neue Wertungsprüfung Waxweiler nördlich von Trier ist ein echtes Heimspiel für Neuville, findet sie doch nur etwas 25 Kilometer entfernt von seinem Heimatort St. Vith statt.

Von den Weinbergen auf die Panzerplatte

Auf der Samstagsetappe stehen einige weitere Klassiker auf dem Programm, wenn die Rallye-Weltelite im Hunsrück und im nördlichen Saarland gastiert. Der Truppenübungsplatz Baumholder ist traditionell Schauplatz der Königsprüfung der Rallye Deutschland: Die 42,51 Kilometer lange WP "Panzerplatte Lang" stellt an Fahrer und Material enorme Anforderungen. Hier, wo normalerweise Kettenfahrzeuge ihre Manöver absolvieren, erreichen die Piloten mit ihren Boliden sehr hohe Geschwindigkeiten.

Die besondere Herausforderung liegt dabei einerseits in dem rauen Fahrbahnbelag, der vorwiegend aus Betonplatten besteht. Andererseits sorgen die gefürchteten "Hinkelsteine" regelmäßig für Kopfschmerzen. An den unnachgiebigen Betonpfeilern sind schon zahlreiche der sündhaft teuren World-Rally-Cars und mit ihnen auch lang gehegte Sieghoffnungen zerschellt.

Schon lange kein Geheimtipp mehr, aber in jedem Fall einen Besuch wert ist, die WP "Dhrontal". Sie wird am Sonntagmorgen zwei Mal gefahren und bietet mit der "Galeria Dhrontal" bei Piesport eine beeindruckende Naturarena, die es so bei keinem anderen WM-Lauf gibt. Die Fahrzeuge tauchen hier gleich mehrfach im Sichtfeld der Zuschauer auf - untermalt vom zornigen Sound ihrer hochgezüchteten Turbo-Motoren. Reichlich Rallye-Action verspricht auch die Prüfung "Grafschaft 2" (Sonntag, ab 12.08 Uhr): Hier können sich die drei schnellsten Piloten zusätzliche WM-Punkte sichern.

Michelin bringt erstmals Regenreifen

Dass die Rallye Deutschland mit ihren drei ganz unterschiedlichen Streckencharakteristiken unter den Asphaltveranstaltungen im WM-Kalender die wohl schwierigste ist, darüber herrscht bei den Fahrern große Einigkeit. Dass es für die Lenkradvirtuosen rund um Trier richtig heikel wird, wenn auch noch Starkregen oder sogar Wolkenbrüche hinzu kommen, darauf haben in der Vergangenheit nicht nur die beiden Weltmeister Sebastien Loeb und Sebastien Ogier hingewiesen. Steht so viel Wasser auf der Straße, dass das Einheits-Lauflächenprofil des Sport-Asphaltpneus den Massen nicht mehr Herr werden kann, wird es problematisch.

Michelin hat auf die Sicherheitsbedenken der Fahrer reagiert und stellt in Deutschland erstmals einen neu konstruierten Regenspezialisten zur Verfügung. Der neu entwickelte Michelin-Pilot-Sport FW - FW steht für "Full Wet" - zeichnet sich durch ein besonders tiefes Profil mit ausgeprägten Drainagerillen aus, das dem Winterreifen für die Rallye Monte Carlo gleicht. Er eignet sich ausschließlich für den Einsatz bei sehr starken Niederschlägen, denn seine extrem weiche Laufflächenmischung baut auf trockener oder feuchter Fahrbahn schnell ab. Jeweils acht Exemplare des neuen Pneus hält Michelin für die World-Rally-Cars seiner Partner in der Topkategorie RC1 bereit.

Ebenfalls wichtig: Die Zeit großer Materialschlachten gehört in der Rallye-WM zumindest aus Sicht der Reifenhersteller der Vergangenheit an. Gerade mal 24 Pneus darf jeder Pilot eines World-Rally-Cars im Laufe der Rallye Deutschland einsetzen, also jeweils vier pro Service. Gegenüber früheren Jahren ist dies eine Reduzierung um gut 40 Prozent, die nicht nur Kosten senkt, sondern auch die natürlichen Ressourcen schont. Für die Teilnahme am sogenannten "Shakedown" vor der Veranstaltung stehen vier weitere Exemplare bereit. Das gesamte Kontingent pro Werksfahrer beläuft sich in Trier auf 28 Exemplare.

Fotoquelle: xpbimages.com

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