Rallye Argentinien

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Rallye Argentinien

— 28.05.2002

Zerknitterte Favoriten

Peugeot im Pannen-Rausch. Subarus Mäkinen wirft möglichen Sieg in die Pampa. Ford profitiert. Das Resultat verworrener Rallye-Regeln – Zeit für eine gründliche (Auf)klärung.

Die Regel-Polizei schlägt zu

Die letzte Wertungsprüfung der Rallye Argentinien lag schon neun Stunden zurück. Marcus Grönholm längst disqualifizierter Ex-Sieger, Teamkollege Richard Burns im Stadion von Córdoba als Gewinner gefeiert. Dann kam die Regel-Polizei. Ganz wie in der Formel 1 stürzen sich nach der Zieldurchfahrt so genannte Technische Kommissare auf das Siegerauto und überprüfen die Einhaltung des Reglements. Um 22 Uhr dann die Mitteilung der Rennleitung: Schwungscheibe im Motor von Burns' 206 WRC zu leicht. Neuer Sieger nun: Carlos Sainz.

Ein unerwarteter Triumph für Ford. Ein verschenkter Sieg und ein unnötiger Millionenschaden für Subaru, dessen Star Tommi Mäkinen im scheinbaren Kampf gegen den später bestraften Grönholm seinen Impreza verschrottete. Zwei verlorene Siege bei Peugeot – doppeltes Desaster für die Franzosen. Allerdings ein hausgemachtes. Die dominierende Mannschaft der Saison 2002 – zuletzt vier Doppelsiege in Folge – patzte serienweise. Nach dem Tanken und Reifenkennzeichnen vor der 17. Wertungsprüfung springt der Motor in Gilles Panizzis 206 nicht an. Aufgeregte Peugeot-Ingenieure und -Mechaniker wuseln bei der Fehlersuche um den silbernen Boliden herum. Doch Panizzi befindet sich bereits außerhalb des Serviceparks, Hilfestellung verboten. Peugeot wird verwarnt.

Am Sonntagmorgen hat Marcus Grönholm bei der Ausfahrt aus dem Parc fermé das gleiche Problem. Die einzige erlaubte Hilfe an dieser Stelle, ist die Aushändigung einer zusätzlichen Starterbatterie durch einen Team-Helfer. Doch das Strom-Plus kann den Peugeot-Turbo nicht wachrütteln. Wieder eilen Mechaniker herbei. Aber: Sobald sich ein Rallyeauto außerhalb einer Service- oder Regroupingzone befindet, darf sich kein Teammitglied in einem Umkreis von einem Kilometer um das Auto herum aufhalten. Arbeiten am Wagen dürfen nur von Fahrer und Copilot durchgeführt werden. Dieses Gesetz wurde bisher sehr großzügig ausgelegt. War es doch ursprünglich eingeführt worden, um mechanische Reparaturen (z. B. Austausch beschädigter Radaufhängungen) außerhalb der Servicezonen zu unterbinden.

Subaru schwärzt Peugeot an

Die Handhabung dieser Regel ließ in der Praxis aber Raum für Grauzonen... An allen Zeitkontrollen lauern Computerspezialisten auf die Autos. Sie lesen drahtlose Telemetriedaten vom Einsatzfahrzeug herunter oder erhalten vom Beifahrer einfach eine Diskette mit Aufzeichnungen. "Es ist heute ein Leichtes, von außen die Motorelektronik komplett neu zu programmieren", sagt ein Team-Spezialist. "Ich muss ein Auto noch nicht einmal sehen, um bei Problemen eingreifen zu können." Etwa durch einen Neustart des Systems oder Gemischveränderungsbefehle über Funk.

2001 retteten Software-Tricks und -Tipps seiner Subaru-Crew in Großbritannien Platz zwei plus den Titelgewinn für Richard Burns, der mit einem ähnlichen Problem wie jetzt Grönholm stehen zu bleiben drohte. Nun schwärzte ausgerechnet Subaru Peugeot bei den Kommissaren an, legte sogar Fotos als Beweismittel vor. Diesmal griffen die Regelwächter durch: Disqualifikation wegen Inanspruchnahme fremder Hilfe. Das Dumme dabei: Diese Entscheidung wurde erst um 14 Uhr gefällt, mit acht Stunden Verzögerung. Inzwischen aber lag Tommi Mäkinens Subaru bereits als Schrotthaufen in der Pampa. "Hätten wir von der Disqualifikation früher erfahren, wäre Tommi geringeres Risiko gefahren", ereiferte sich Subaru-Teammanager George Donaldson. "Solche Entscheidungen müssen sofort fallen." Nur: Die Kommissare tagen nicht im Fünf-Minuten-Takt, sondern zu fest vereinbarten - schlecht getimten - Terminen.

Einen weiteren Fehler hatte Peugeot schon Tage zuvor begangen: Richard Burns' Motor wurde beim Zusammenbau in der Pariser Werkstatt mit einer untergewichtigen Schwungscheibe bestückt. 2920 statt der vorgeschriebenen 2940 Gramm. "Ein Fehler in der Qualitätskontrolle", redete sich Peugeot-Chefingenieur Michel Nandan heraus. Ärgerlich dabei: Peugeot hat das Minimalgewicht des Bauteils bei der Homologation (Zulassung für den Wettbewerb) des Peugeot 206+ WRC selbst bestimmt. Hätte Nandan grundsätzlich leichtere Scheiben verwenden wollen, hätte er sich dies ohne Probleme genehmigen lassen können. Immerhin: Proteste seitens Peugeot blieben aus, angeblich zum Wohl der WM.

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