Rallye Barcelona–Dakar 2005 (2)

Rallye Barcelona–Dakar 2005

Rallye Barcelona–Dakar 2005 (2)

— 01.01.2005

Der Start in Barcelona

Vor dem Start steht die technische Abnahme: Fahrzeuge, Ausrüstung und Teilnehmer werden in Barcelona auf Herz und Nieren geprüft.

Vor der Wüsten-Lizenz steht die Prüfung

Bevor es überhaupt losgeht, heißt es warten, warten, warten. Im Palau Sant Jordi, einer riesigen Olympia-Sportarena in Barcelona, müssen sich sämtliche Fahrer, Beifahrer, Mechaniker und auch Journalisten anmelden. Alle, die hinaus gehen in die Wüste. Insgesamt über 1000 Männer und Frauen. Der französische Veranstalter ASO will alles wissen, egal ob Blutgruppe, Versicherung oder die Telefonnummer derjenigen Person, die benachrichtigt werden soll, falls es heißt: tot oder schwer verletzt.

In kurzen sogenannten Briefings erklärt man uns Verhaltensregeln und Vorsichtsmaßnahmen während der Rallye. 50 km/h in allen Ortschaften, auch wenn sie nur aus drei Lehmhütten bestehen. Endlich, nach vier Stunden habe ich die Lizenz für die Wüste um den Hals hängen. Sie ist für die kommenden zwei Wochen meine Eintrittskarte ins Biwak, ins Fahrerlager.

Danach sind die Fahrzeuge dran. Unzählige Motorräder, Autos und Lkw. Wieder warten. Es bilden sich Schlangen wie früher vor der Grenze zur DDR. Inspekteure prüfen jede Kleinigkeit, Gurte, Überrollbügel, Navigation, Reserveräder, Notsets, Sandbleche, Schaufeln, Licht, ja selbst die Hupe. Noch sind alle Cockpits sauber, geradezu wohnlich. Jeder hofft, damit schaffe ich es, diesmal erreiche ich Dakar, egal, ob mit 200 Kilo und zwei Rädern oder mit 20 Tonnen und drei Achsen. Jeder will sie bezwingen, die Wüste. Die jüngste Teilnehmerin ist 18, der älteste 69 Jahre.

Die erste Prüfung findet am Strand von Barcelona statt, Prolog genannt. Eine präparierte, nur sechs Kilometer lange Piste mit einigen Sprunghügeln, die Robby Gordon im Race-Touareg am besten meistert. Schon hier machen einige Motorradfahrer schlapp, stürzen, fahren, stürzen wieder. Der weiche, von den Vorgängern aufgewühlte Sand zehrt enorm an den Kräften. Das Publikum johlt, fragt sich, ob sich einige der Biker wirklich in die Wüste hinaustrauen sollten. Doch am Neujahrstag heißt es: auf nach Granada, 921 Kilometer. Lediglich eine Verbindungsetappe. Auf Asphalt. Macht nichts, denn endlich geht sie los, die Rallye Barcelona-Dakar.

Die Dakar wird keine Spazierfahrt

Ich habe jetzt schon Kreuzschmerzen. Wenn ich nur daran denke: 9000 Kilometer durch die Wüste. Wahnsinn. Eine Distanz von Kassel nach Kapstadt. Und das alles in zwei Wochen. Mir ist noch nicht so recht bewußt, was mich da eigentlich erwartet, was mir alles bevorsteht?

Die Dakar ist Abenteuer pur, mehr als eine Spazierfahrt durch eine Kieskuhle, wo am Abend alle wieder am Lagerfeuer sitzen und von ihren Heldentaten im Sand erzählen. Die Wüste von Mauretanien und Mali hat andere Dimensionen (ganz Europa paßt da hinein) und eben auch andere Gesetze. Nicht nur das Fahren im Geröll (reifenmordend) oder in den riesigen Dünen (steckenbleiben, überschlagen) ist extrem schwierig, sondern auch die Navigation, die Orientierung. Ständig Soll- und Istzustand zu vergleichen, nur nach Längen-, Breiten- und Winkelgraden zu fahren, nur Koordinaten auf dem Display zu folgen, bis zu 700 Kilometer täglich. Das wäre schon auf unseren heimischen Autobahnen anstrengend.

Hier kommen noch so einige Überraschungen dazu, reichen eine einzige Unaufmerksamkeit, ein einziger dicker Stein, eine einzige tiefe Kuhle, um die Radaufhängung des Touareg so zu treffen, daß alle Hoffnungen, jemals Dakar zu erreichen, buchstäblich im Sande verlaufen. Feierabend. Ende der Rallye. Warten auf den Sweeper, wie er genannt wird, den Lumpensammler, der die Gestrandeten über Nacht einsammelt. Irgendwie demütigend.

Doch noch sind wir in Spanien, noch gibt es asphaltierte Straßen. Gute Gelegenheit, erneut das Navigieren zu üben und den sogenannten Tripmaster ein letztes Mal zu kalibrieren. Er gibt uns die exakt zugelegte Entfernung an, auf zehn Meter genau. Denn auf den serienmäßigen Tageskilometerzähler können wir uns nicht mehr verlassen. Die hohen Goodrich All-Terrain-Geländereifen (265/70 R 17) haben einen größeren Abrollradius als die Serienbereifung. Weitere Informationen zur Rallye Barcelona-Dakar finden sie unter www.dakar.com oder bei VW Motorsport.

Autor: Michael Specht

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