Rallye Barcelona–Dakar 2005 (3)

Dirk von Zitzewitz – Robby Gordon

Rallye Barcelona–Dakar 2005 (3)

— 03.01.2005

Mit der Fähre nach Afrika

"Feliz 2005. Sin accidentes". So leuchtet es auf den den riesigen Verkehrsleittafeln auf der Autovia an der Costa Brava. Glückliches neues Jahr und bitte ohne Unfall. Danke, wir werden es versuchen.

Von Barcelona nach Grenada

Barcelona liegt hinter, Granada vor uns. 921 Kilometer. Hört sich mehr an, als es in Wirklichkeit ist. Denn die gebührenpflichigen Autobahnen sind fast leer. Nicht mehr als eine monotone Verbindungsetappe. Endlich weiß ich, mal wieder den Gebrauch eines Tempomaten zu schätzen. Der Gasfuß kann entspannen. 120 steht auf den Schildern, auf 135 setze ich das Limit, lasse den Touareg rollen. Die Polizisten drücken großzügig bis 140 km/h ein Auge zu. Darüber werden sie sauer. Kostet 140 Euro, wer gleich bezahlt, ist mit 98 Euro dabei.

Die Küstenlandschaft Spaniens zieht vorüber. Noch haben wir Zeit, links und rechts aus dem Fenster zu schauen. Wenn es sich denn lohnen würde. Wer einmal an Urlaubsorten wie Benidorm vorbeigefahren ist, weiß was Architekten anrichten können.

Und was dagegen eine Rallye wie die Dakar auslöst: Begeisterung, wohin wir auch kommen. Bauern sitzen auf dem Traktor am Rand ihrer Orangenplantagen, winken uns zu. Die meisten Spanier stehen aber auf den Brücken oder an den Mautstationen, strecken die Daumen nach oben. Mütter stellen ihre Kinder vor die bunt beklebten Wüstenwagen, Papa macht das Foto. Wir fühlen uns schon jetzt wie Helden, obwohl wir noch keinen Meter afrikanischen Boden unter die Räder genommen haben.

Die letzte Nacht im Hotel. Ausgeruht geht es weiter Richtung Süden nach Algeciras. Von einer harten Rallye merke ich noch immer nichts. Die knapp 300 Kilometer sind schnell geschafft. Doch die Verladung der Motorräder, Autos und Lkw nimmt undendlich Zeit in Anspruch. Über drei Stunden stehen wir am Pier, obwohl wir pünktlich eintrafen. Die Verzögerung bedeutet nichts Angenehmes, denn jetzt heißt es, Marokko im Stockfinstern zu befahren. Kein guter Start in Afrika.

Die Überfahrt nach Afrika

An Bord der Fähre versuchen die meisten Motorradfahrer zu schlafen, liegen kreuz und quer in den Gängen und unter Tischen. Selbst der Kinderspielraum ist belagert, weil dort weiche Bodenmatten liegen. Andere studieren bereits das Roadbook von morgen, markieren farbig gefährliche Passagen oder markante Punkte. Nach zweieinhalb Stunden fahren wir von der Fähre, haben Glück, das unser Deck zuerst geöffnet wird. Schon so quält sich der Verkehr stadtauswärts in langen Konvois.

Mehr als 40 km/h sind nicht drin. Und wir haben noch 250 Kilometer bis Rabat. Die Luft ist abgasgeschwängert. Kat oder Partikelfilter kennt hier niemand. Unzählige Taxis, meist Mercedes 123 oder Fiat Uno, drängeln sich durch die Straßen. Überall ist Polizei. Ich bin unsicher, traue mich nicht, viel schneller als erlaubt zu fahren. Endlich, nach 45 Kilometer erreichen wir die Autobahn nach Rabat. Topfeben, bestens ausgebaut und so wenig befahren wie bei uns die Autobahn zuletzt in den 50er Jahren.

Das Biwak in Rabat empfängt uns mit grellen Scheinwerfern und dröhnenden Generatoren. Zwischen den Lkw sind Zelte aufgebaut, überall Planen ausgebreitet, auf denen die Rallyeautos stehen. Sie gilt es, topfit für die nächste Etappe zu machen. Für die Mechaniker bedeutet dies harte Nachtarbeit. Denn Start ist morgen früh bereits um sechs Uhr. Weitere Informationen zur Rallye Barcelona-Dakar finden sie unter www.dakar.com oder bei VW Motorsport.

Autor: Michael Specht

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