Rallye Barcelona–Dakar 2005 (4)

Robby Gordon – Dirk von Zitzewitz

Rallye Barcelona–Dakar 2005 (4)

— 04.01.2005

Von Rabat nach Agadir

Über 600 Kilometer liegen vor uns. 122 davon Schotter. Eine Sonderprüfung auf engen Gebirgswegen, ausgewaschen, steinig, teils mit tiefen Rinnen und Löchern.

Keine Minute Ruhe im Biwak

Steht eigentlich Schlafentzug auf der Liste der unerlaubten Foltermethoden gemäß den Genfer Konventionen? Dann verstößt die Rallye Dakar eindeutig dagegen. Keine Minute herrschte Ruhe im Biwak von Rabat, auch in der Nacht nicht. Jedes Team hat seine Generatoren für Strom laufen, Schlagschrauber rattern, Motoren heulen auf, Lastwagen bahnen sich ihren Weg durch die Zelte. Lärm, der selbst Mumien wecken würde.

An Schlaf war nicht zu denken. Vielleicht bedeutet dies auch die natürliche Auslese. Wer müde ist, konzentriert sich weniger, macht Fehler, stürzt oder verunfallt. Dakar-Darwinismus. Nur die Härtesten kommen halt durch. Fit fühle ich mich jedenfalls ganz und gar nicht, an diesem nebligen, naßkalten Morgen in Rabat.

Über 600 Kilometer liegen vor uns. 122 davon Schotter. Eine Sonderprüfung auf engen Gebirgswegen, ausgewaschen, steinig, teils mit tiefen Rinnen und Löchern. Jeder von uns würde hier sein Auto umsichtig rübertragen. Der Touareg leidet, rüttelt uns mächtig durch. Doch glücklicherweise fahren wir nicht in der Wertung, es geht nicht um Sekunden. Die Devise heißt: heil angekommen, Material schonen. Keinem nützt eine gebrochene Radaufhängung oder ein aufgeschlitzter Reifen. Unglaublich jedoch, wie die Race-Touaregs von Rabat nach Agadir über die Piste gescheucht werden, als gäbe es keinen Morgen. Allen voran vom Amerikaner Robby Gordon, der hier Bestzeit vorlegt.

Afrika wird zusehends trockener

Weiter südlich wird Afrika zusehends trockener, die Vegetation karger. Man ahnt, daß die Wüste bald kommen wird. Am Straßenrändern bieten Männer lebende Hühner an, halten sie kopfüber den Autos entgegen, manchmal vier oder fünf zum Bündel geschnürt. Tierschutz hat hier eine andere Wertigkeit.

Wir geben Gas, um Agadir noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Denn jede Stunde, die nicht abends gefahren werden muss, ist eine gewonnene. Zumindest in Sachen Sicherheit. Eselskarren, Mopeds, Autos ohne Licht, dazu staubige Straßen und chaotischer Verkehr in den Städten. All das birgt Gefahren, sehr leicht in einen Unfall verwickelt zu werden, noch ehe wir die Einsamkeit Afrikas erreicht haben.

Und ich hoffe, morgen ist es endlich soweit. Denn Richtung Samara (Tagesetappe 654 Kilometer) soll es größtenteils durch die ersten Ausläufer der Sahara gehen. Die Dakar kann endlich beginnen. Weitere Informationen zur Rallye gibt es auf der Dakar-Website www.dakar.com oder bei VW Motorsport.

Autor: Michael Specht

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