Rallye Barcelona–Dakar 2005 (7)

Rallye Barcelona–Dakar 2005 Rallye Barcelona–Dakar 2005

Rallye Barcelona–Dakar 2005 (7)

— 07.01.2005

Von Zouerat nach Tichit

Feueralarm im Biwak: Tour-Tagebuchschreiber Michael Specht kann sich gerade noch retten – und strandet in der Wüste.

Feueralarm im Biwak

Mit vielem habe ich gerechnet bei dieser Rallye. Daß ich zwei Wochen keine Dusche sehe, wenig Schlaf haben oder einige Kilo abnehmen werde, alles eingeplant. Nur nicht, daß ich verbrenne. Lediglich ein beherzter Sprung ins Freie rettete mich davor. Was war geschehen?

All jene, die noch rechtzeitig vor Einbruch der Nacht das Biwak in Zouerat erreicht haben, freuten sich auf warmes Essen, standen dicht gedrängt unter den flachen Beduinenzelten. Ein Stoff-Fetzen des Zeltes geriet durch den Wind nur kurz in die Heizflamme eines der Gaskochers, fing sofort Feuer. Innerhalb von Sekunden brannten sämtliche Zelte über unseren Köpfen. Glücklicherweise kamen alle mit dem Schrecken davon. Was blieb, war ein schwarzer Haufen verkohlter Vorräte und knurrende Mägen der Rallyefahrer und Mechniker.

Das Ziel der nächsten Etappe heißt Tichit. Und jeder der Teilnehmer weiß, was dies bedeutet: Die wahre Wüste beginnt. Dünen, Dünen, Dünen, mächtig, in wunderschönen Formationen, leider aber ungemein tückisch. Wie tückisch, das mußten wir heute am eigenen Leibe erfahren. Ein einziger Fehler, eine einzige Unachtsamkeit kann hier das Aus der Rallye bedeuten. Ende Gelände.

Dünen verlangen perfektes Fahren. Richtiger Gang, immer auf dem Gas bleiben, Luftdruck auf 0,8 bar absenken, wegen höherer Aufstandsfläche und mehr Grip. Halten nur oben auf dem Gipfel und dann immer mit der Front hangabwärts. Doch manchmal reicht eben auch das nicht. Es bleibt die Urangst, in diesem puderzuckerweichen Sand steckenzubleiben. Bloß nicht hier, wo hunderte von Kilometern nichts mehr kommt. Am wenigsten Hilfe. Wenn ich hier festsitze, gibt es nur eine Lösung: 2,5 Tonnen Touareg der Wüste überlassen. Für immer.

Mit gebrochener Aufhängung ins Ziel

Plötzlich werden die Dünen enger und unübersichtlicher, bilden tiefe Trichter und steile Kämme. Ich habe Angst, nicht mehr herauszukommen. Doch wo ist ein geeigneter Weg? Zu spät, schon kippt der Vorderwagen über einen Dünenrand, schlägt links hart auf. Mit Mühe erreichen wir flaches Gelände. Und müssen feststellen: Feierabend. Angebrochene Radaufhängung vorne links. Tief steht das Rad im Kotflügel, schleift und rumpelt. Was nun? Hilfe per Satellitentelefon. Schön, daß die Technik mal wieder nicht funktioniert, wenn man sie wirklich braucht.

Zum nächsten Ort Atar sind es gut 120 Kilometer. Hier den Tag verstreichen lassen und übernachten? Nein, auf keinen Fall. Wer soll hier reparieren? Wir entschließen uns, ganz vorsichtig weiterzurollen. Doch mehr als zehn bis 15 km/h sind nicht drin. Durch eine nicht endenwollende Steinwüste. Jeder Schlag geht tief ins Mark, jedes Loch könnte der Aufhängung den Rest geben. Und es sind noch zigtausende Löcher. Ich komme mir vor wie ein humpelndes Pferd mit gebrochenem Vorderlauf. Doch der kranke Touareg hält durch. Spät in der Nacht erreichen wir, völlig erschöpft und müde, tatsächlich Atar.

Wie geht's weiter? Erst einmal zwei Tage Zwangspause. Denn wir müssen warten, bis das Volkswagen-Team hier eintrifft und hoffentlich ein neues Federbein für uns hat. Am Sonntag, den 9. Januar macht die Rallye hier für einen Tag Pause. Zeit für alle Teilnehmer, sich für den Endspurt nach Dakar fit zu machen.

Weitere Informationen zur Rallye gibt es auf der Dakar-Website www.dakar.com oder bei VW Motorsport.

Autor: Michael Specht

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