Rallye Barcelona–Dakar 2005 (9)

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Rallye Barcelona–Dakar 2005 (9)

— 11.01.2005

In den Dünen von Atar

Tour-Tagebuch: Gestrandete Motorradfahrer betteln um Sprit, gestandene Profis haben Angst – die Dakar in den Dünen.

Sand in den Augen, Sand in den Ohren, Sand in den Haaren, in der Nase, im Essen, in der Lunge. Der Wüstenwind läßt und läßt nicht nach, hüllt das Biwak und die Stadt Atar seit drei Tagen in einen braunen Nebel. Derartige Bedingungen machen die heutige Etappe nicht eben leichter. Denn wieder stehen unzählige Dünenareale auf den Programm und sobald der Wind darüberfegt, kann man sie nicht mehr lesen, wie es die Rallyeprofis nennen. Wo ist der Kamm, wo ist es weich, wo etwas tragfähiger? Alles für die Katz. Und hier, nördlich von Atar, sollen die höchsten Dünen Mauretaniens sein.

Wieder heißt es, den Luftdruck auf 0,8 bar absenken (von ursprünglich 2,2), unabdingbare Voraussetzung, um sich überhaupt in so ein Gebiet vorzuwagen. Danach kommen Untersetzung des Getriebes und Differentialsperren mitte und hinten dran. Alles läßt sich elektronisch auf der zentralen Konsole mittels eines Drehknopfes einschalten.

Fahrer der Service-Trucks erzählten mir vor dem Start, wie gestrandete Motorradfahrer auf der Marathonstrecke Zouerat-Tichit sich flehend vor die Laster warfen und um Sprit bettelten. "So ein schlechtes Gewissen habe ich noch nie gehabt", sagt Lutz Meyer im MAN, "die haben regelrecht geweint." Aber wir haben eben nur Diesel an Bord, und die Maschine aufladen ging auch nicht. Der Truck steckt bis unters Dach voll mit Werkzeug und Ersatzteilen." Auch Meyer hatte nur noch wenig Diesel im Tank, denn im losen Sand verbrauchen die 6,3 Liter Hubraum, 440 PS und elf Tonnen Gesamtgewicht gut einen Liter pro Kilometer. Und die Etappe hatte rund 800 Kilometer. Tags darauf wurden die meisten Motorräder an die Hubschrauber gehängt und aus den Dünen geflogen. Andernfalls hätte man sie der Sahara überlassen müssen.

Auch unser Touareg genehmigt sich reichlich Wüstenzuschlag. Der Bordcomputer steht abends bei 24 Liter/100 Kilometer. Aber es gibt Schlimmeres. Steckenzubleiben, beispielsweise. Daher können wir es wieder einmal als Erfolg verbuchen, raus gekommen zu sein aus diesem unwirtlichen Gebiet. Denn trotz mehr Erfahrung, die ich mittlerweile gesammelt habe und einigem Lehrgeld, das ich bezahlt habe, meine Angst vor den Dünen bleibt. "Die wird auch nie ganz verschwinden," tröstet mich Volkswagen-Rennleiter Chris Nissen, "alle hier, auch die Profis, haben Angst davor."

Weitere Informationen zur Rallye gibt es auf der Dakar-Website www.dakar.com oder bei VW Motorsport.

Autor: Michael Specht

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